Freistil, vom 21.06.2009

Von Markus Metz und Georg Seeßlen

Als sich in den USA ab den 1850er Jahren der neuen absturzsichere Personenfahrstuhl schnell verbreitete, stellte er die Ordnung mehrgeschossiger Gebäude buchstäblich auf den Kopf. Und etwas verzögert etablierte sich auch in Europa eine neue vertikale Hierarchie, gar ein neues "Vertikalbewusstsein".

Vierter Stock (Stock.XCHNG / Andre Veron)
Vierter Stock (Stock.XCHNG / Andre Veron)

Aus den billigen oberen Stockwerken und Dachböden wurden exklusive Wohnungen. Die Dachkammer des "armen Poeten" mauserte sich zum mondänen Penthouse. Gleichzeitig brachte die enge, abgeschlossene Fahrstuhlkabine eine neue, irritierende Kombination von Intimität und Anonymität mit sich. Kein Wunder, dass das neue Krankheitsbild der Klaustrophobie auch "elevator sickness" genannt wurde.

Eine vertikale Reise durch die Ära des Fahrstuhls mit Stationen in Literatur und Film: Ist doch der Aufzug ein besonderer Ort der Begegnung und gleichzeitig ein exzellenter Schauplatz für Beklemmung und Horror.