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Tonart | Beitrag vom 09.03.2020

Elektronische FestivalsDeutlich mehr weibliche Acts

Angelika Lepper im Gespräch mit Martin Böttcher

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Die dänische Musikerin und Producerin "Smokey" hinter dem Mischpult (picture alliance / Photoshot)
Mehr Frauen auf die Bühne: die dänische Musikerin und Producerin "Smokey" beim elektronischen Musikfestival STORM in Kopenhagen. (picture alliance / Photoshot)

Von rund neun auf knapp 25 Prozent ist der Frauenanteil auf Bühnen bei Festivals mit elektronischer Musik seit 2012 gestiegen - so das Ergebnis einer Studie. Wie viele Frauen auftreten, hängt offenbar vor allem von der Zusammensetzung des Leitungsteams ab.

Wie sieht es eigentlich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter bei Festivals mit elektronischer Musik aus? Das hat das Frauen-Netzwerk Female Pressure untersucht. Die sogenannte Facts-Studie, die inzwischen bereits zum vierten Mal durchgeführt wurde, zeigt: Der Anteil von Frauen, die auf diesen Festivals weltweit auftreten, nimmt zu. Wirklicher Gleichstand ist allerdings noch nicht erreicht.

2012, als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde, habe es 9,2 Prozent weibliche Acts auf Bühnen von Elektro-Festivals gegeben, sagt Angelika Lepper von Female Pressure. 2019 seien es bereits 24,6 Prozent gewesen. Dem stehe allerdings immer noch "ein Anteil von CIS-male-Künstlern auf den Bühnen von 65 Prozent gegenüber". Das seien knapp drei Mal so viele wie Frauen.

Impuls in der Szene durch Zählung

Sie hoffe nicht, dass es sich beim aktuellen Frauen-Anteil nur um ein "temporaräres Hoch" aufgrund der derzeit breiten gesellschaftlichen Debatte über Gendergerechtigkeit handle, sagt Lepper. Für den gestiegenen Anteil von Frauen-Acts gebe es verschiedene Ursachen. Die erste Zählung habe sicher einen Impuls gesetzt in der Szene. Jetzt sei es so: "Wenn eine Bühne nicht divers besetzt ist, wird das inzwischen auch von Festivalbesucherinnen und -besuchern kritisiert."

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Zusammensetzung der Leitungsteams für die Festivals spielt eine große Rolle. Rein weibliche Teams sorgen für Ausgewogenheit. Bei rein männlichen Teams schießt auch die Zahl der männlichen Acts wieder in die Höhe.

Bei gemischten Teams ist das Verhältnis zwar weniger ungerecht, aber noch immer nicht ausgeglichen. Das zeige, dass es einen anderen Aufbau von Leitungsteams brauche. Die Studie gebe Tipps, wie man für mehr Diversität in Festival-Line-ups sorgen könne, so Lepper.

Vor allem weiße Künstler treten auf

Die Studie hinterfrage sich auch selbst, betont Lepper. So werde beispielsweise in ihr thematisiert, dass sie einen wichtigen Aspekt von Diversität nicht abbilde - dass nämlich elektronische Musik vor allem in afrikanischen und latin communities entstanden sei.

Bislang ständen bei solchen Festivals in Europa und den USA aber überwiegend weiße Menschen auf der Bühne. "Die Studie möchte insgesamt ein Plädoyer für mehr Diversität sein", sagt Lepper.

(abr)

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