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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 29.04.2013

Elektrisch fliegen

Neuheiten auf der Aero 2013 in Friedrichshafen

Von Thomas Wagner

Die Elektra One gewinnt Strom aus Solarzellen auf der Flügeloberfläche (Messe Friedrichshafen)
Die Elektra One gewinnt Strom aus Solarzellen auf der Flügeloberfläche (Messe Friedrichshafen)

Manche der Kleinflugzeuge auf der Aero 2013 in Friedrichshafen sehen eher antiquiert aus - obwohl viel innovative Technik in ihnen steckt. Da wird gerne mal elektrisch abgehoben, manchmal sogar mit der Energie der Sonne.

Das fliegende Elektro-Trike sieht aus wie ein überdimensioniertes Kinderdreirad mit Tragflächen. Aus einem kleinen Kästchen rechts vom Schalensitz dringt unentwegt ein schrilles Piepsen.

"Das bedeutet, dass das System scharf gemacht wurde und der Motor auch gestartet werden kann. Achtung, die Leute stehen hier noch ein bisschen im Weg. So jetzt dreh ich an diesem Gasgriff. Und jetzt geht der Motor gleich los.""

Wolfgang Zankl, Geschäftsführer des baden-württembergischen Unternehmens electricsports, dreht an einem Gasgriff rechts vom Schalensitz – so ähnlich, wie wenn ein Motorradfahrer Gas gibt. Sofort klappt ein Propeller auf, der zuvor wie ein Regenschirm zusammengefaltet war.

"Heute stehen wir da mit dem leichtesten Trike der Welt. Das ist ein Dreiradgefährt. Das hängt man an einen Standard-Drachen und hat eine Motorisierung. Da gibt es einen Elektroantrieb. Und wir können mittlerweile über zweieinhalb Stunden mit diesem Elektrosystem in der Luft bleiben."

Fliegendes Elektro-Dreirad

Der Schweizer Eduard van der Kraats arbeitet ebenfalls bei electricsports mit. Das Elektro-Trike, eine Art fliegendes Dreirad mit Elektromotor, ist sein Lieblingsprojekt.

Unterhalb des Schalensitzes befinden sich, eher unscheinbar, in einer Halterung Lithium-Ionen-Akkus, so wie man sie auch vom Notebook her kennt.

"Der kleinste Akku hat bei uns 24 Ampere und wiegt acht Kilo. Damit können wir zwölf Minuten steigen. Dann kann ich gleiten. Wir nützen das eigentlich zum Aufsteigen, die Thermik zu finden und dann können wir abschalten. Wir haben aber auch schon Akkus, die wiegen 25 Kilogramm mit 115 Amperestunden. Da können wir mittlerweile mit dem Hochleistungsdrachen 2,5 Stunden fliegen, zwischen 50 und 110 Stundenkilometer.""

Von der Konstruktion noch simpler fällt die Erfindung von Meinrad Reisch aus: Ein Rucksack, den man sich auf den Rücken schnallt, mit allerlei blinkenden Lämpchen dran. Auffällig: Eine Art Loch in der Rückseite, das Zugang zur Elektronik im Inneren gewährt.


"Das ist ein Elektromotor. Der hat zehn Kilowatt Leistung. Und da wird der Propeller aufgesteckt. Das ist eine Aufstiegshilfe für Gleitschirmflieger, damit die aus der Ebene starten können."

Der Rucksack mit dem nach hinten herausragenden Propeller, der den Gleitschirmflieger in die Luft bringen soll: Das erinnert eher an eine Erfindung der legendären Comicfigur Daniel Düsentrieb, denn an ein modernes Fluggerät. Doch dieser Eindruck täuscht. Meinrad Reisch hat den elektrogetriebenen Propeller im Rucksack bereits selbst ausprobiert:

"Auf der Ebene starten Sie so: Sie haben den Gleitschirm hinter sich liegen. Alles liegt auf dem Boden. Sie laufen los und ziehen den Schirm auf. Und sobald der Schirm über einem steht und sauber weg ist vom Propeller, schaltet das System scharf, und man kann Gas geben. Dann schiebt einem der Propeller los, bis man dann abhebt."

Wendiger Mini-Hubschrauber

Von der Optik her ein seltsames Fluggerät: Der Multi-Kopter, ein Kasten, so groß wie ein Nachttischchen, das aber über gleich acht nach oben gerichtete Propeller verfügt. Das macht den Multi-Kopter extrem manövrierfähig. Der Ravensburger Thomas Göller bedient den Mini-Hubschrauber mit der Fernbedienung . Doch im Gegensatz zum Modellflugzeug ist der Multi-Kopter kein Spielzeug.

Das hängt mit der Infrarotkamera zusammen, die an dem Multi-Kopter angeracht ist. Thomas Göller:

"Wir überfliegen Fotovoltaik-Felder und können dort mit der Infrarot-Kamera sehen, welche Module da nicht so recht arbeiten, sogenannte Elektro-Strings, die sozusagen ausgefallen sind."

Der Multi-Kopter mit seiner Infrarotkamera soll also auf großflächigen Fotovoltaik-Anlagen diejenigen Elemente suchen, die nicht mehr richtig funktionieren. Solche Zellen heizen sich gegenüber der Umgebung um bis zu acht Grad. Thomas Göller kann sie mit der Infrarotkamera, die an seinem Multi-Kopter hängt, schnell ausfindig machen:

"Sie sehen die Felder heute, wenn Sie an der Autobahn entlang fahren: Die sind ja zum Teil 500 Meter breit, also riesengroß. Und da heben wir mit dem Multi-Kopter natürlich eine Einsparung von ordentlich Zeit."

Kleinflugzeug mit Solarantrieb

Wer auf dem Messegelände an den Ständen entlang schlendert, kommt an allerlei elektronischen Instrumenten fürs Cockpit vorbei. Die warnen mit speziellen Tonfolgen vor plötzlichem Höhenverlust, aber auch vor einem drohenden Zusammenstoß. Dann, in einer der Messehallen, ein Kleinflugzeug, das beim ersten Hinsehen kaum auffällt. Elektra One steht auf dem Bug. Doch schauen die Besucher auf die Tragflächen, so entdecken sie dort – Solarzellen.

"Wir versuchen, unseren Energiebedarf zu minimieren. Und das schaffen wir durch die Reduzierung des Flugzeuggewichts und durch eine Unterstützung durch die Sonne. Wir brauchen beim Fliegen 2,5 Kilowatt Energie. Und wir können durch die Sonne bereits 1,5 Kilowatt Energie bekommen durch die Solarzellen auf der Flügeloberfläche."

Auf diese Eigenentwicklung ist Calin Cologan, Flugzeugkonstrukteur und Chef des Unternehmens PC-Aero in Nesselwang im Allgäu, schon ein wenig stolz. Denn: Noch bis vor wenigen Jahren erschien es den Fachleuten äußerst schwierig, die kaum biegsamen Solarzellen auf Flugzeug-Tragflächen aufzukleben. Mit einem eigenen Patent gelang es Catalin Cologan, Solarzellen-Folien herzustellen, die dafür elastisch genug sind. Dabei werden die Lithium-Ionen-Akkus an Bord immer wieder mit Strom aus diesen Solarzellen-Folien nachgeladen.

Im Sommer will Calin Cologan über 1000 Kilometer ohne Zwischenlandung fliegen - ein rekordverdächtiger Flugversuch. Doch damit ist für ihn längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Sein Ziel: Die vollständige Energieautonomie eines Solarflugzeuges. Das soll, im Gegensatz zu Elektra One, dann zwei Personen Platz bieten; die Konstruktionsarbeiten haben bereits begonnen.

"Das wird auch mit dem Ziel gebaut, ein Rekordflugzeug zu erhalten mit dem Ziel, mehr als 2000 Kilometer fliegen zu können. Dieses Flugzeug wird mit zwei Kilowatt fliegen. Und von der Sonne bekommen wir dann fast die doppelte Energie, sodass wir tagsüber etwas Energie speichern können und dann eventuell eine Nacht durchfliegen können."

Calin Gologanse Vision: Das Flugzeug, das ausschließlich mit der Energie der Sonne unterwegs ist – wenn es sein muss nicht nur Stunden, sondern Tage lang:

"Die schönste Energiequelle in der Natur, die wir haben, um zu fliegen, ist die Sonne. Warum soll man die nicht benutzen? Die ist umsonst!"

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