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Studio 9 | Beitrag vom 12.08.2015

ElefantenElfenbeinjäger bedrohen Bestand in Afrika

Von Jan-Philippe Schlüter

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Großaufnahme einer Elefantenmutter mit ihrem Kind (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
Elefanten in der Nähe von Seisfontein in Namibia (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)

Mit dem Welt-Elefantentag wollen Tierschutzorganisationen auf das Schicksal der Tiere aufmerksam machen. Tag für Tag sterben schätzungsweise 70 bis 100 Elefanten. Am meisten Elefanten gibt es auf dem afrikanischen Kontinent - aber der Bestand sinkt dramatisch.

Der Elefant ist Sinnbild für Würde und Weisheit, Ruhe und Frieden. Es gibt kaum Erhabeneres, als durch einen der Nationalparks Südafrikas zu fahren, und mitten im Busch einer Elefantenherde zu begegnen. Kaum hörbar streifen sie auf ihren weichen, zentimeterdicken Sohlen durch die Savanne. Am Wasserloch allerdings ist es mit der Ruhe vorbei: Dann wird lautstark geplanscht, gespritzt, getrötet.

Dieses grandiose Erlebnis ist könnte irgendwann Vergangenheit sein. Seit 2011 sterben jedes Jahr mehr Elefanten als neu geboren werden. Das größte Landsäugetier der Erde ist in Gefahr, sagt Werner Myburgh, der Chef der südafrikanischen Peace-Parks-Foundation:

"Die Situation ist wirklich besorgniserregend. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 30.000 Elefanten jährlich in Afrika getötet werden. Wir haben mittlerweile weniger als eine halbe Millionen Tiere übrig. Das macht deutlich: Der Elefant ist ernsthaft bedroht."

Verantwortlich für das massenhafte Abschlachten sind Wilderer, die scharf auf das Elfenbein sind. Sie sind bestens organisiert: Sie haben moderne großkalibrige Jagd-Waffen, vergiften das Trinkwasser der Tiere und legen im Busch Fallen mit langen Nägeln. Größte Abnehmer für das Elfenbein sind China und Vietnam.

"Die Mittelklasse dort wächst massiv. Die Menschen haben das Geld für Elfenbein. Deswegen steigt die Nachfrage fast täglich. In Afrika auf der anderen Seite gibt es viel Armut und Menschen, die verzweifelt ein Einkommen suchen. Elefantenjagd ist relativ leicht verdientes Geld mit überschaubarem Risiko. Und natürlich ist da noch die organisierte Kriminalität, die mit dem Elfenbein-Schmuggel viel Geld verdient."

Wie groß das Geschäft ist, zeigt eine Zahl von 2013: Da sind insgesamt 40 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt worden, im Wert von fünf Millionen US-Dollar. Und die Nachfrage nimmer eher zu als ab. Der Preis für Elfenbein hat sich in China in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht.

14-Punkte-Sofortprogramm

Am schlimmsten betroffen sind Länder wie Tansania und Mosambik. Sie haben in den letzten Jahren mehr als die Hälfte ihres Elefantenbestands verloren.

Immerhin: auf politischer Ebene scheint klar zu sein, dass Afrikas Elefanten besser geschützt werden müssen. Beim sogenannten „Elefantengipfel" in Botswana vor eineinhalb Jahren ist ein 14-Punkte-Sofortprogramm beschlossen worden. Werner Myburgh von der Peace-Parks-Foundation ist davon überzeugt, dass das ein wichtiger Schritt war. Aber:

"Wir dürfen keine Verbesserungen über Nacht erwarten. Die Auswirkungen dieses Programms werden wir erst in den nächsten drei bis fünf Jahren sehen. Am wichtigsten ist es jetzt, dass wir mehr Geld bekommen, um effektiv und vor allem flexibel gegen die Wilderei zu kämpfen. Denn sobald wir in einem Bereich erfolgreich sind, ändern die kriminellen Banden praktisch über Nacht ihre Strategie."

Wie wichtig der Kampf gegen Wilder ist zeigt eine Studie des internationalen Artenschutzabkommens CITES. Die Experten fürchten: Wenn der Kontinent die illegale Jagd auf Elefanten nicht in den Griff bekommt, könnte in den nächsten zehn Jahren jeder fünfte Elefant in Afrika ausgelöscht sein.

Zwischen 20.000 und 25.000 Elefanten getötet

Für Touristen in Südafrika gibt es kaum etwas Erhabeneres, als in einem Nationalpark einer Elefantenherde zu begegnen. Kaum hörbar streifen die riesigen Tiere auf ihren weichen, zentimeterdicken Sohlen durch die Savanne. Doch dieses grandiose Erlebnis ist in Gefahr. Der Elefantenbestand Afrikas nimmt rapide ab. Seit 2011 sterben jedes Jahr mehr Elefanten als neu geboren werden. Viele davon werden durch Wilderer getötet, die scharf auf das Elfenbein sind. Letztes Jahr haben Elfenbeinjäger zwischen 20.000 und 25.000 Elefanten getötet.

Die Wilderer sind bestens organisiert: Sie haben moderne großkalibrige Jagd-Waffen, vergiften das Trinkwasser der Tiere und legen im Busch Fallen mit langen Nägeln. Größte Abnehmer für das Elfenbein sind China und Vietnam. Hochprofessionelle kriminelle Syndikate organisieren den Schmuggel.

Wie groß das Geschäft ist zeigt eine Zahl von 2013: Da sind insgesamt 40 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt worden. Und die Nachfrage nimmer eher zu als ab. Der Preis für Elfenbein hat sich in China in den letzten fünf Jahren verdreifacht.

Am schlimmsten betroffen sind Länder wie Tansania und Mosambik. Sie haben in den letzten Jahren die Hälfte ihres Elefantenbestands verloren. Experten des internationalen Artenschutzabkommens CITES fürchten: Wenn der Kontinent die illegale Jagd auf Elefanten nicht in den Griff bekommt, könnte in den nächsten zehn Jahren jeder fünfte Elefant in Afrika ausgelöscht sein.

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