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Kompressor | Beitrag vom 24.09.2021

Eistee von RappernChabos wissen, was der Babo trinkt

Von Axel Rahmlow

Haftbefehl (Rapper Aykut Anhan aka Haftbefehl) bei einem Auftritt in Mannheim, 2020. (imago / BOBO)
Der Rapper Haftbefehl ist mit seinem "Haf-Tea" spät dran: Shirin David und Capital Bra haben auch schon ihre eigenen Eistees auf den Markt gebracht. (imago / BOBO)

Nach Capital Bra und Shirin David bringt jetzt auch Haftbefehl einen Eistee auf den Markt. Andere Rapstars verkaufen Köfte und Shisha-Tabak. Solange das Produkt authentisch wirkt, ist das kein Problem: Rap lebt von der Erzählung vom Geld verdienen.

Lange bevor Haftbefehl mit seinem Haf-Tea nun ins Geschäft einsteigt, steht Deutschlands erfolgreichster Rapper schon mit seiner Eisteepackung am Strand unter Palmen. Der Berliner Rapper Capital Bra präsentiert seinen Eistee per Mini-Musik-Video, im für ihn so typischen Gute-Laune-Sommer-Singsang.

Und er feiert mit seinen Fans auf Instagram den Erfolg: "Bratans, Bratinas, ich bin glücklich Euch mitteilen zu dürfen, dass Bra-Tea jetzt der Marktführer ist, wir haben alles auf den Kopf gestellt."

Eistee ist das Getränk der Jugend

Laut dem Statistik-Portal Statista stimmt das zwar nicht ganz, aber was stimmt: Innerhalb von einem halben Jahr hat der Bra-Tee gut zehn Prozent Marktanteil erreicht. Das ist ordentlich, wenn man weiß, das fast neun Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Eistee kaufen: vor allem junge Menschen und im Zweifel junge Menschen, die Rap und Rapstars lieben.

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Deswegen ist auch die Rapperin Shirin David dabei. Mit dem Dir-Tea. Tee-Wortspiele am Limit. "Ihr wisst, ich liebe süße Getränke und deswegen bin ich so stolz Euch heute meinen Eistee zu präsentieren", verkündete die Rapperin. "Das hier ist das Special, Blueberry, darüber habt ihr abgestimmt."

Einmal wie Shirin David sein

Das Prinzip dahinter: Shirin David und Capital Bra vermarkten sich direkt mit ihrem Millionenpublikum auf Instagram oder Youtube. Produkt, Persönlichkeit und Fans werden als eine Einheit inszeniert. Immer wieder heißt es: "Wir haben das zusammen geschafft." Zur Belohnung darf der Traum vieler Fans im ganz, ganz Kleinen wahrwerden: Einmal wie mein Vorbild sein. Dafür brauche ich kein großes Auto. Es reicht schon Eistee mit Blaubeergeschmack.

Das geht auch mit Hackfleisch-Röllchen: Der Rapper Xatar verkauft diese für den Grill und hat passend dazu auch seine eigenen Köfte-Läden. "Der Köfte-Spieß auf dem Grill, das sind epische Momente für mich", so Xatar.

Auch hier ist Capital Bra der Vorreiter mit Pizza, die er "Gangsterella" nennt, denn ein bisschen raue Straßenattitüde sollte schon mitschwingen. Genau wie das Versprechen etwas Neues, etwas Besseres zu liefern. Wie in der Musik.

Authentizität als Marketinginstrument

Das gilt auch für den Rapper Massiv aus Berlin. Er verkauft Shisha-Tabak mit dem Versprechen: "Der beste Tabak mit dem besten Geschmack." Seine Geschmacksrichtungen nennt er "Blaulicht", "Handgemacht und Illegal" oder "Ghettolied". Das Zauberwort dahinter ist der Gral der Rap-Welt: Authentizität.
Alle wollen das Echte. Ein Stück Ehrlichkeit in einer Welt voller alternativer Fakten und selbst gestrickter Wahrheiten. Und Rap lebt dafür, "echt" zu sein.

Massiv zum Beispiel hat sich lange vor seinen Tabakgeschäften gerne mit Shisha-Pfeife gezeigt. Und noch viel länger rappt er über das harte Leben auf den Straßen von Berlin, zwischen U-Haft und Shisha-Bars. Logisch also, dass seine Tabaksorten, wie seine Musik klingen sollen.

Rap lebt genauso vom Gedanken, nach oben zu kommen, Erfolg zu haben. Geld zu machen. Im Fall von Massiv ist die Shisha das Bindemittel, das "echt" sein und "Erfolg haben" jenseits der Musik für das Publikum authentisch zusammenführt.

Deswegen kann auch der Rapper Kollegah ein Fitnessprogramm als "Bosstransformation" verkaufen und die Musik dazu gleich mitliefern. Weil er in hunderten Videos aus Fitnessstudios gezeigt hat, wie er sich selber darüber definiert.

Gleichzeitig führt das Beispiel aber auch die Limits des Geschäftsmodells vor: Einen Yoga-Kurs powered by Kollegah wird es nicht geben. Einen Rasenmäher von Xatar: an der Zielgruppe vorbei. Ein Kochtopf-Set von Capital Bra? Bei dem ist wirklich alles möglich.

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