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Nachspiel | Beitrag vom 20.12.2020

Eishockey-Talent Tim StützleBereit für die NHL

Von Martin Hyun

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Nachwuchstalent Tim Stützle (Mitte) bei einem Trainingslehrgang der Nationalmannschaft. (picture alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand)
Konzentriert: Nachwuchstalent Tim Stützle (Mitte) bei einem Trainingslehrgang der Nationalmannschaft. (picture alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

Tim Stützle ist talentiert: Dem 18-jährigen Eishockeyspieler wird bereits eine große Karriere vorausgesagt. Sogar in der besten Profiliga der Welt, der nordamerikanischen NHL. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, erinnert sich sein Trainer.

Der Traum vom Profi-Eishockeyspieler hat seinen Preis. Er führte Tim Stützle vom heimischen Viersen zunächst ins benachbarte Krefeld. Dort erlernte er das Schlittschuhlaufen bei Trainerlegende Peter Kaczmarek. Der genießt einen exzellenten Ruf, wenn es darum geht, Toptalente zu entdecken und zu fördern.

"Tim hat immer eine Klasse höher gespielt", sagt Kaczmarek. "Das hat ihn ausgezeichnet, dass er selbst als jüngerer Spieler immer fast der Beste, wenn nicht der Beste bei den älteren Jungs war. Der Tim war sehr zielstrebig. Er hat immer mehr trainieren und immer öfters trainieren wollen. Ein Training in seiner Altersklasse hat ihm nicht gereicht. Er ist meistens noch länger geblieben und hat mit der älteren Mannschaft trainiert."

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Seit 2017 trainiert Stützle nun im Nachwuchsleistungszentrum Mannheim. Es hat einen ausgezeichneten Ruf und gilt als große Talentschmiede.

Von älteren Spielern gelernt

Weg vom elterlichen Zuhause und auf sich allein gestellt zu sein, damit kommen nicht alle jungen Talente zurecht. Der Kampf gegen Heimweh, der Leistungsdruck, die Motivation, gute Leistungen in der Schule zu bringen, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und auf vieles zu verzichten, was in dem Alter normal ist etwa Partys. Das alles bedarf eiserner Disziplin.

"Natürlich war das am Anfang schwer, wenn man mit 18 von seinen Eltern weggeht", sagt Stützle. "Aber im Endeffekt war es für mich einfach klar, dass ich den nächsten Schritt machen musste und in Mannheim eine supercoole Organisation gefunden hab, die einer der besten in Europa sind und die Schule und den Sport zusammenbringen.

Natürlich war es früher schwer, wenn deine ganzen Freunde jedes Mal feiern gehen und du jedes Mal am nächsten Tag Training hattest. Dann konntest du nicht mitgehen. Aber im Endeffekt wollte ich das auch gar nicht. Eigentlich, um ehrlich zu sein, habe ich mich einfach immer gefreut, wenn ich ins Training gehen konnte. Deswegen war das für mich kein großes Problem."

Die Nachwuchshoffnung Tim Stützle lächelt am Rande eines Trainingslehrgangs in die Kamera.  (picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)Auf dem Weg nach ganz oben: Tim Stützle. (picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)

Die eigene mentale Stärke und die Unterstützung älterer Spieler können einem jungen Spieler maßgeblich bei seiner Entwicklung zum Profi helfen. Diese Faktoren sind ausschlaggebend für die Leistungsausprägung eines jungen Profispielers.

"Mentoren gab es sehr viele für mich letztes Jahr, vor allem die, die mich jeden Tag auch besser machen wollten. Ich habe mit zwei coolen Spielern zusammengespielt – in einer Reihe mit Ben Smith und Tommi Huhtala, die auch außerhalb vom Eis charakterlich supergut sind. Von denen konnte ich sehr viel lernen, aber auch von vielen deutschen Jungs."

Hilfe für andere Menschen

In seiner ersten Profisaison als 17-Jähriger in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) kam er auf 34 Punkte in 41 Spielen. Er wurde zum besten Neuling der Liga gewählt. Der kanadische Proficlub Ottawa Senators sicherte sich Stützles Rechte und draftete ihn in der ersten Runde an dritter Stelle von insgesamt 217 Spielern.

Bild aus dem Fernsehstudio: Die Ottawa Senators wählen Nachwuchstalent Tim Stützle.  (Getty Images / Mike Stobe)Live aus New Jersey: Die Ottawa Senators wählen Nachwuchstalent Tim Stützle. (Getty Images / Mike Stobe)

Die NHL-Spieler von heute müssen nicht nur auf dem Eis alles geben. Von ihnen wird auch gesellschaftliches und soziales Engagement außerhalb der Eisfläche erwartet. Inzwischen reicht es nicht mehr aus, sich nur auf die Rolle des Eishockeyspielers zu konzentrieren. So setzte sich Stützle für den an Krebs erkrankten, inzwischen verstorbenen Eishockeyspieler Stefano Ferrara ein.

"So etwas ist meiner Meinung nach sehr wichtig, aber nicht nur, um als Person gut dazustehen. Ich mach das, weil ich den Leuten einfach helfen will. Ich denk auch mit der Reichweite, dass ich zum Beispiel auf meinem Instagram-Account so viel bewirken kann und viele Leute auch da nachschauen. Deswegen ist das für mich ein sehr großer Faktor. Deswegen mach ich das super gerne, wenn ich Leuten damit helfen und es ihnen in ihrem Leben einfacher machen kann. Aktionen ins Leben zu rufen, die zum Beispiel den Leuten vielleicht das Leben retten können."

Zukünftig die Nummer 18

Bei den Ottawa Senators wird Stützle mit der Rückennummer 18 auflaufen. Diese Nummer trug vor ihm der gebürtige Slowake und Weltstar Marián Hossa. Hossa gewann dreimal den Stanley-Cup und ist Mitglied der Hockey Hall of Fame.

Bis dorthin ist es für Stützle noch ein weiter Weg. Aber wenn seine Profikarriere so weiterläuft wie bisher, hat er gute Chancen, sich als Spieler in der nordamerikanischen Profiliga NHL zu etablieren. Und vielleicht wird am Ende seiner Karriere die Rückennummer 18 von den Senators nicht mehr vergeben.

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