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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 03.04.2016

Eishockey Club HC DavosFan-Liebe geht durchs Portemonnaie

Von Heinz Schindler

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Die Arena des HC Davos (picture alliance / dpa / Gian Ehrenzeller)
Die Arena des HC Davos (picture alliance / dpa / Gian Ehrenzeller)

Eishockey-Fans, die 500 Franken bezahlen, können die Spieler des HC Davos einen halben Tag begleiten - das Training anschauen, gemeinsam essen, Fragen stellen. Eine von zahlreichen ungewöhnlichen Vermarktungsideen des Vereins aus der Schweiz.

"Das ist der HC Davos: wir wollen ein Volks-Club sein und nicht etwas Elitäres, sondern wir sind bodenständig, freundlich und nahe bei den Fans."

Und diese Volksnähe können sich die Fans des HC Davos etwas kosten lassen – dafür gibt es den Verein hautnah oder besser zum Riechen und Schmecken, erzählt Marc Gianola, beim HC Davos für Marketing und Sponsoring zuständig.

"Das beginnt um neun oder zehn Uhr, je nach Programm, beginnt das mit einem Kaffee. Und dann geht man zusammen ein Training anschauen. Kann die Garderobe der Spieler anschauen. Kann zum Teil sogar mit den Spielern und den Trainern sprechen während dem Training. Nach dem Training zusammen Mittagessen. Und dann ist am Abend noch ein Spiel, das man dann besuchen kann. Und so wäre dann der halbe Tag mit dem HC Davos abgeschlossen."

Für 300 Franken fühlt man sich wie Journalist

Ganz nah dran bei einem Spiel des HC Davos (Deutschlandradio - Heinz Schindler)Ganz nah dran bei einem Spiel des HC Davos (Deutschlandradio - Heinz Schindler)

500 Franken, umgerechnet 500 Euro, muss ein Fan für diese Kombination von Eis und Schweiß bezahlen. Das klingt nach einer stattlichen Summe, allerdings bekommen – zum Vergleich – in der Schweiz ungelernte Hotelkräfte 4500 Franken als Mindestlohn.

In der Eishalle in Davos mit ihrer einzigartigen Innenarchitektur, der Holzkuppel, deren Streben beinahe gotisch anmuten, fehlen die zeitgemäßen Logen als notwendige Einnahmequelle für den Verein. Dieses Manko kompensiert der HC Davos mit Hilfe der Rhätischen Bahn. Im holzvertäfelten Salonwagen kam Sponsor und Firmenbesitzer Felix Dannser mit seinen Mitarbeitern zum Spiel.

"Wir hatten da einen Wagen zuhinterst angehängt. Das ist so ein blauer alter Wagen, der ist aber wieder modern hergerichtet worden. Und es hat nicht eine normale Zugeinrichtung, es hat Tische, es hat eine Bar, es hat gute Musik und es ist sehr stilvoll engadinerisch eingerichtet. Und so konnten wir locker nach Davos fahren. Es ist interessant. Man fährt von Landquart, man fährt quasi vom Frühling in das Wintermärchen."

Umgerechnet 11.000 Euro kostet dieser ganz spezielle Ausflug. Gleich nach dem Spiel geht es zum Bahnhof und zurück nach Landquart, während diejenigen Fans, die weit weniger ausgeben wollen, das vermeintlich Beste noch vor sich haben: als so genannter Medien-Insider sich für 300 Franken einen Abend lang wie ein Journalist fühlen. Alles eine Frage der Perspektive.

"Man kann von einem ganz anderen Winkel das Spiel anschauen, von der Medientribüne aus. Man sieht, wie die Medienschaffenden arbeiten. Kann nach dem Spiel nachher in die Mixed Zone gehen und sehen, wie die Medienschaffenden die Interviews machen mit den Spielern. Auch eine Sicht auf etwas, das man noch nie sonst irgendwo sehen kann und das versuchen wir zu bieten."

Vermarktung trifft den Nerv der Fans

Und so werden die Journalisten Teil der Unterhaltung beim HC Davos und das Interview am Rande der Bande zu etwas Besonderem.

Die vielfältige Vermarktung treffe den Geschmack der Fans, erklärt Marc Gianola, der ehemalige Spieler des schweizer Rekordmeisters und zukünftige Präsident des in Davos ausgerichteten Spengler Cups.

"Ja, meistens kommen die dann mehrmals, weil es ihnen so gut gefallen hat und versuchen auch verschiedene Angebote. Also eben den Medien Insider, halbe Tage mit dem HCD. Dann haben wir die Präsidenten- Loge, was auch ein spannendes Angebot ist. Wo man dann ganz nahe am VIP-Bereich sein kann. Immer, wenn es nahe bei den Spielern zu- und hergeht, sind die Leute zufrieden und da gibt’s meistens keine negativen Feedbacks."

Fan-Liebe geht durchs Portemonnaie und ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass jemand umgerechnet dreihundert Euro hinblättert, um mir beim Arbeiten zuzugucken.

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