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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.03.2015

Einwanderungsland DeutschlandSchulbücher als Gradmesser der Integration

Moderation: Marianne Allweiss und André Hatting

Eine Grundschülerin sortiert ihre Schulbücher (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)
"Flüchtlingswellen" und "Flüchtlingsströme": eine aktuelle Studie sieht Mängel beim Umgang deutscher Schulbücher mit dem Thema Migration (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)

Wie gut eine Gesellschaft Zuwanderer integriert, spiegelt sich auch in Schulbüchern wider. Einer aktuellen Studie zufolge besteht hier noch Verbesserungsbedarf. Auch der Journalist Kemal Hür kritisiert, nach wie vor erscheine der Zuwanderer als Fremder.

Wie eine Gesellschaft mit ihren Zuwanderern umgeht, lässt sich auch daran ablesen, wie Schulbücher das Thema behandeln. Eine entsprechende Studie hatte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz, in Auftrag gegeben. Am Dienstag wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt. Der Journalist Kemal Hür, der als Kind türkischer Einwanderer in Berlin aufgewachsen ist, sieht viele Verbesserungen gegenüber seiner eigenen Schulzeit:

Damals seien Migration und Integration kein Thema in den Schulbüchern gewesen, sagt er.

"Ich kann mich nur noch an ein Foto erinnern, auf dem der einmillionste Gastarbeiter, ein Portugiese, abgebildet war, und der hat ein Mofa geschenkt bekommen."

Die politische Diskussion ist inzwischen weiter als die Schulbücher

Inzwischen habe sich die Situation verändert: Selbst Parteien, die dies bis vor ein paar Jahren nicht zugegeben hätten, würden mittlerweile anerkennen, dass Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft sei. Entsprechend hätten sich auch die Schulbücher verändert. "Aber die sind noch nicht da, wo sie sein sollten." 

Zwar würden Migration und Integration inzwischen thematisiert, aber die Begriffe Ausländer, Fremde, Menschen mit Migrationshintergrund stünden unreflektiert nebeneinander.

"Oder es ist teilweise noch von Flüchtlingswellen, Flüchtlingsströmen die Rede", kritisiert Hür. "Das heißt, die politische Diskussion, die wir hier haben, ist weiter als die Sachlage, wie sie in den Schulbüchern dargestellt wird."

Zudem bemängelten die Autoren der Studie, die vom Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und der Universität Hildesheim durchgeführt wurde, dass in den Schulbücher nicht von einem "gemeinsamen Wir" die Rede sei:

"Man hat den Eindruck, wenn man sich diese Bücher anguckt, dass wir hier immer noch in einer homogenen deutschen Gesellschaft leben, wo Migranten, wo Zugewanderte 'die Anderen' sind", so Hür.

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