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Interview | Beitrag vom 22.11.2019

EinschlafritualeWie Kinder gut einschlafen – und wie nicht

Annette Kast-Zahn im Gespräch mit Ute Welty

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Zwei Kinder liegen im Bett, das Licht ist schon erloschen und sie sehen müde aus. (Unsplash / Clint McKoy)
Was hilft Kindern beim Einschlafen? Rituale und feste Bettzeiten, sagt Annette Kast-Zahn. (Unsplash / Clint McKoy)

"Jedes Kind kann schlafen lernen", sagt die Psychologin Annette Kast-Zahn. Sie empfiehlt Rituale und feste Bettzeiten. Von einigen Tricks, die bei manchen Eltern beliebt sind, rät sie jedoch dringend ab.

Was können Eltern tun, wenn Kinder nicht gut einschlafen? "Für Kinder sind Abendrituale sehr, sehr hilfreich", empfiehlt die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Annette Kast-Zahn. Sie hat, zusammen mit Hartmut Morgenroth, den Elternratgeber "Jedes Kind kann schlafen lernen" geschrieben.

Wiederkehrende Routinen

Anhand ihrer dreijährigen Enkelin erzählt Annette Kast-Zahn, wie so ein Abendritual für Kinder in diesem Alter aussehen könnte: Erst Sandmännchen schauen, dann gemeinsames Bettfertigmachen, eine Gute-Nacht-Geschichte, Singen und zum Schluss die Frage, was am Tag schön war und wovon das Kind träumen möchte. "Das hilft sehr, wenn es immer der gleiche Ablauf ist." 

Zum ritualisierten Ablauf gehöre auch die feste Einschlafzeit, so Kast-Zahn. "Damit die Kinder auch einschlafbereit und müde sind um diese Zeit." Vorhersehbarkeit sei total hilfreich, dann sei klar, dass am Ende der Gute-Nacht-Kuss stehe und dass sich das Kind dann im Bett einkuschelt. "Wenn etwas immer gleich ist, dann können Kinder das am leichtesten akzeptieren", sagt Kast-Zahn. Das sei wie beim Anschnallen im Auto – darüber werde auch nicht diskutiert.

Wenn Kinder die Rituale diktieren

Gefragt nach typischen Fehlern, spricht die Psychologin vom Fehlen einer festen Einschlafzeit. Ein weiteres Problem sein, dass manche Eltern unsicher und genervt seien, so dass die Kinder die Einschlafrituale bestimmen würden: Statt einer Gute-Nacht-Geschichte würden dann fünf vorgelesen.

Gerade bei Babys ließen sich Eltern skurrile Dinge einfallen, damit ihr Kind in den Schlaf findet, so Kast-Zahn: "Nächtliche Autofahrten, der Föhn, der über das Bett gehängt wird." Sie habe mal einen Patienten gehabt, der mit 19 Jahren noch immer nur mit Föhn einschlafen konnte. Ihr Fazit: "Solche Einschlafbedingungen helfen nicht, dass Kinder alleine und friedlich einschlafen können, sondern das führt dazu, dass es nicht allein klappt."

(jfr)

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