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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.12.2020

Einsamkeit in der Coronazeit Auf sich selber aufpassen und an andere denken

Sonia Lippke im Gespräch mit Julius Stucke

Mann mit Schutzmaske sitzt auf einer Bank an der Uferpromenade.  (picture-alliance/MotionTeam/Vassilis Ververidis)
Zum Leben gehörten auch Phasen der Einsamkeit dazu, sagt die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke. (picture-alliance/MotionTeam/Vassilis Ververidis)

Während der Sozialverband vor den Folgen der Einsamkeit warnt, appelliert die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke an mehr Miteinander in der Coronazeit. Das sei eine Aufgabe, die alle angehe. Mehr Geld vom Staat sei da nicht die Lösung.

Der Sozialverband Deutschland hat vor den Folgen zunehmender Einsamkeit durch die Coronakrise gewarnt. Die Pandemie lege grundlegende Systemfehler und langjährige Fehlentwicklungen in den Sozialsystemen wie in einem "Brennglas" offen, sagte Vizepräsidentin Ursula Engelen-Kefer und legte ein Gutachten vor. 

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Einsamkeit gehöre zu jedem Menschen dazu, sagt dagegen die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke. "Es ist nicht schlimm, sich immer mal einsam zu fühlen. "Diese Erfahrung bewege den Einzelnen, dazu wieder auf andere Menschen zuzugehen." Einsamkeit mache uns bewusst, dass wir andere Menschen und den Austausch vermissen, so die Professorin an der Universität Bremen. "Von daher ist die Einsamkeit manchmal auch ganz gut."

Das Innehalten nutzen 

Die Coronazeit könne dazu führen, dass man sich stärker darüber klar werde, was wirklich wichtig sei im Leben, sagt die Psychologin. Man sollte dieses Innehalten einmal nutzen und darüber nachdenken, wo die Menschen sind, mit denen man sich verbinden könnte. 

Jüngere können von Älteren lernen 

"Erst mal ist es gar nicht so, dass sich ältere Menschen einsamer fühlen als Jüngere", sagt Lippke. Nach der ersten Coronawelle haben sich bei einer Untersuchung gezeigt, dass die Jüngeren stärker betroffen seien und unter Einsamkeit litten. Neue Menschen kennenlernen mit anderen zusammen zu sein, und die Partnersuche spielten in dieser Lebensphase eine wichtige Rolle.  

Ältere Menschen hätten schon viele Beziehungen aufgebaut. "Sie wissen einfach, das sind Beziehungen, auf die können sie sich verlassen", so die Psychologin "Wenn sie sich mal eine Zeitlang nicht sehen, ist das nicht so schlimm, da halten die Beziehungen das aus." Diese Sicherheit gehe mit dem Alter einher - und da könnten Jüngere von Älteren lernen.

Eine Aufgabe für alle 

"Im Moment wird so viel Geld ausgegeben, das ist nicht die Lösung", sagt Lippke. Sie zeigte sich skeptisch, ob Forderungen des Sozialverbandes nach mehr Geld für die soziale Teilhabe besonders einsamkeitsbedrohter Menschen wirklich hilfreich seien. "Das ist vielmehr eine Aufgabe, die uns alle betrifft." Man sollte gut auf sich selber aufpassen, an andere denken und gut vernetzt bleiben.

Es sei wichtig, sich Gedanken über andere Menschen zu machen, so Lippke. Bei Nachbarn einmal nachzufragen, wie es ihnen ergeht oder ihnen im Quarantänefall einen Einkauf abzunehmen. "Das kann ganz viel helfen."

(gem)
 
 
 
 
 
 

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