Seit 10:05 Uhr Lesart

Montag, 30.03.2020
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Kulturnachrichten

Samstag, 28. Dezember 2019

Einladung zum Mars noch ablehnen

Die technologischen Herausforderungen für Mars-Missionen sind nach Auffassung des früheren Astronaut Ulrich Walter unverändert groß. „Wenn Sie einmal auf dem Mars sind, müssen Sie ein Jahr warten, um die richtige Konstellation zwischen Mars und Erde wieder abzuwarten, damit Sie auf dem Rückflug tatsächlich die Erde wieder treffen.", sagt Walter auf Deutschlandfunk Kultur. Von der technischen Zuverlässigkeit hänge alles ab, so Walter, der deshalb noch keine Einladung zum Flug auf den Mars annehmen würde. „Daran müssen wir noch zehn bis 15 Jahre arbeiten.", schätzt Walter, der heute Professor an der Technischen Universität München ist. 2020 sind gleich vier Missionen zum Mars geplant. Dabei wollen die Weltraumforscher das günstige Zeitfenster nutzen, denn zwischen Juli und August sind sich der rote Planet und die Erde so nah, dass der Flug nur sechs bis zehn Monate dauert. Neben der US-amerikanischen NASA und der europäischen Weltraumorganisation ESA wollen auch China und die Vereinigten Arabischen Emirate an den Start gehen.

Verballhorntes Kinderlied löst heftige Kritik aus

Der WDR hat ein verballhorntes Kinderlied über die Umweltsünden der Großeltern-Generation nach heftiger Reaktion gelöscht. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sah die Grenzen des Stils und des Respekts gegenüber Älteren überschritten. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, dagegen nannte die Vorwürfe "überzogen". Das Video hatte WDR 2 am Freitagnachmittag auf seiner Facebook-Seite gepostet. Etwa 30 Mädchen sangen darin unter anderem die Zeilen: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau." Nach hunderten kritischen bis beleidigenden Kommentaren entschied sich der WDR den Post zu löschen. Die Satire habe "sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst" und man bedaure, dass sie "die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat". Es sei der Redaktion lediglich darum gegangen, "den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen."

"Lolita"-Darstellerin Sue Lyon gestorben

Die US-Schauspielerin Sue Lyon, die als 14-Jährige als "Lolita" in Stanley Kubricks gleichnamigen Film berühmt wurde, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Lyon starb am Donnerstag in Los Angeles, wie die "New York Times" nun unter Berufung auf einen Freund der Schauspielerin berichtete. Für ihre Rolle in Film "Lolita" (1962) über die pädophile Faszination eines Mannes für eine Zwölfjährige war Lyon mit einem Golden Globe ausgezeichnet worden. "Lolita"-Autor Vladimir Nabokov hatte sie seinerzeit in Anspielung auf die Wortwahl seines Ich-Erzählers als "perfektes Nymphchen" bezeichnet. Nach "Lolita" spielte Lyon in rund 20 weiteren Filmen mit. 1980 beendete sie ihre Karriere.

Wiederaufbau Notre-Dame braucht wohl Jahrzehnte

Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner glaubt, dass der Wiederaufbau nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame noch einige Jahrzehnte dauern kann. Zwar habe sich der Brand im Wesentlichen auf den Dachstuhl beschränkt, so die Koordinatorin der deutschen Hilfe beim Wiederaufbau gegenüber dem WDR, doch durch herabfallende brennende Teile sei auch im Innenraum vieles durch Ruß beschädigt. Immer noch fielen Steine aus den Gewölben, und auf den Mauern lägen tonnenschwere verbrannte Balken, berichtete Schock-Werner weiter. Ein anderes Problem sei das verwendete Löschwasser, man gehe man davon aus, dass es mindestens zehn Jahre dauern werde, bis das alte Gemäuer wieder ganz trocken sei. Trotz allem, so die frühere Dombaumeisterin, sei sie optimistisch, dass die berühmte Kathedrale eines Tages wieder so da stehen werde, wie sie einmal war.

Spotify verbietet vorübergehend politische Anzeigen

Spotify wird im kommenden Jahr wegen der US-Präsidentenwahl keine politische Werbung ausstrahlen. Der Streamingdienst begründete dies mit Sorgen vor der Verbreitung von Falschinformationen. Gegenwärtig sei das Unternehmen nicht in der Lage, den Inhalt von politischer Werbung zu überprüfen. Der Verkauf von politischen Werbeannoncen werde deswegen Anfang 2020 vorübergehend ausgesetzt.

60 Prozent der registrierten Auschwitz-Häftlinge identifiziert

Die Gedenkstätte des national-sozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz hat in einem Forschungsprojekt inzwischen gut 60 Prozent der dort damals registrierten rund 400 000 Gefangenen identifiziert. Das berichtet das Museum auf seiner Homepage. Nicht erfasst sind rund 900.000 Juden, die in Massentransporten nach Auschwitz kamen und unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden. Ihre Identitäten könnten möglicherweise mit Hilfe von Transportlisten rekonstruiert werden, sagte Museumsdirektor Piotr Cywinski. Nach Auschwitz wurden mindestens 1,3 Millionen Menschen deportiert. 1,1 Millionen von ihnen wurden ermordet, davon waren 90 Prozent Juden.

Grütters: Verhandlungen mit Hohenzollern gekippt

Die Verhandlungen der öffentlichen Hand mit den Hohenzollern über mögliche Rückgaben und Entschädigungen stecken fest. Kulturstaatsministerin Grütters sprach von verlorenem Vertrauen. Nach Jahren der Verhandlungen lägen die Positionen immer noch sehr weit auseinander, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Das Wohnrecht in einzelnen Häusern wie Schloss Cecilienhof zu beanspruchen, war anmaßend. Das hat in der öffentlichen Wahrnehmung, auch wenn zwischenzeitlich hier zurückgerudert wurde, die Stimmung kippen lassen." Der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg verhandeln seit 2014 mit den Nachfahren der letzten Monarchie in Deutschland. Ziel ist eine gütliche Einigung über Kunst- und Sammlungsobjekte, die teilweise als Leihgaben in Schlössern und Museen ausgestellt sind. Den Hohenzollern geht es nach eigenen Angaben um eine "umfassende gütliche Einigung". Zur Information der Öffentlichkeit wurde jüngst die Homepage der Familie aktualisiert und um zahlreiche Erläuterungen ergänzt.

Kurator Christoph Vitali gestorben

Der Kurator Christoph Vitali ist tot. Neben Zürichs Kulturpolitik prägte er große Institutionen wie die Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main oder die Fondation Beyeler. Wie heute bekannt wurde, starb Vitali bereits vor Weihnachten, am 18. Dezember. Der Zürcher kuratierte Ausstellungen, über die in der Kunstszene noch heute gesprochen wird. Dazu gehört die Ausstellung mit Werken von Marc Chagall 1992 in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt. Dort wurden Wandgemälde gezeigt, die Chagall in den 1920er-Jahren für das Jüdische Theater in Moskau angefertigt hatte. Auf Vitalis Bestreben hin waren sie aus einem Depot vor dem Zerfall gerettet worden. Vitali setzte häufig mit Erfolg auf große Publikumsausstellungen: In Frankfurt am Main zeigte er eine Kandinsky-Retrospektive, die 200.000 Besucherinnen und Besucher anzog.

Regisseurin kritisiert Golden-Globe-Nominierungen

Die US-Regisseurin und Schauspielerin Greta Gerwig zeigte sich enttäuscht, dass bei den Golden Globes keine Regisseurin nominiert ist. "In diesem Jahr gab es so viele schöne Filme von Frauen", sagte Gerwig. Dennoch sei keine einzige für die Auszeichnung im Rennen. In Hollywood wird darüber gestritten, warum in der 77-jährigen Geschichte der Golden Globes überhaupt nur fünf Filmemacherinnen nominiert wurden. Barbra Streisand ist die einzige Regisseurin, die den Preis gewann - mit dem Film "Yentl" von 1984.

Reporter von türkischer Oppositionszeitung verurteilt

Ein Gericht in Istanbul hat sechs Journalisten der türkischen Oppositionszeitung "Sözcü" zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Angeklagten, darunter auch Chefredakteur Metin Yilmaz, wurden zu zwei bis dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, wie ihr Anwalt mitteilte. Sie haben nach Überzeugung des Gerichts die als Terrororganisation verbotene Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen unterstützt, die für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Der Anwalt der Journalisten hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Kulturnachrichten hören

Dezember 2019
MO DI MI DO FR SA SO
25 26 27 28 29 30 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

Fazit

Schriftsteller Uwe TimmDer Alt-68er wird 80
Der Schriftsteller Uwe Timm vor dem Brandenburger Tor in Berlin. (imago images / gezett)

Der Tod ist ein Leitmotiv in seinen Büchern, mit ihm beschäftigt sich Uwe Timm schon seit seiner Kindheit, seit sein Bruder im Zweiten Weltkrieg starb. Nun wird der Autor 80 Jahre alt – und er sagt, er sei neugierig auf sein eigenes Sterben.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

Lebewohl, "Lindenstraße"Revolutionär gewöhnlich
In einer Küche serviert ein junger Mann einer älteren Frau, die am Küchentisch sitzt, Spiegelei in der Pfanne. (WDR / Eckbert Reinhardt)

Ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen: Als die "Lindenstraße" 1985 startete, war das ein geradezu avantgardistisches Konzept für eine Fernsehserie. Nun endet Deutschlands erste und dienstälteste Soap. Was bleibt nach 1758 Folgen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur