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Thema / Archiv | Beitrag vom 22.10.2013

Einfach mal schmökern

Die finanzielle Lage der öffentlichen Bibliotheken ist schlecht

Von Anke Petermann

Häufig trifft in Büchereien eine hohe Nutzerkonjunktur auf spärliche Angebote. (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)
Häufig trifft in Büchereien eine hohe Nutzerkonjunktur auf spärliche Angebote. (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)

Bibliotheken sind nicht nur Leseorte, sie fungieren auch als letzte verbleibende nicht-kommerzielle Treffpunkte. Obwohl die Nutzerzahlen steigen, soll in Städten und Kommunen an solchen kulturellen Aufgaben gespart werden. Erste Büchereien wurden schon geschlossen.

Elf Millionen Menschen nutzen die deutschen Bibliotheken im Jahr, Tendenz steigend, und damit boomen anhaltend auch die Ausleihzahlen. An den Hochschulen sind die Bibliotheken begehrte Lern- und Rückzugsorte. Teilweise fungieren Stadt-Büchereien und ihre Filialen als letzte verbleibende nicht-kommerziellen Treffpunkte in den Kommunen, hält der Deutsche Bibliotheksverband fest. Umso dramatischer, findet Frank Simon-Ritz als Verbandsvorsitzender, dass die Städte mit ihren knappen Haushalten von den Ländern im Zuge kommunaler Rettungsschirme noch mehr unter Druck gesetzt werden, bei den freiwilligen kulturellen Aufgaben wie den Büchereien zu sparen.

"Von daher haben wir gerade bei den Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Hessen diese Diskussion darüber, dass größere Bibliothekssysteme Stadtteilbibliotheken schließen müssen. Diese Diskussion gibt es in Essen und genauso in Kassel. Und wir haben erste Beispiele dafür, dass Bibliotheken in größeren Kommunen geschlossen werden."

Im nordhessischen Kassel scheiterte ein Bürgerentscheid für die Erhaltung von Stadtteilbüchereien am hohen Quorum schon im Vorfeld. Öffnungszeiten und Veranstaltungen wie Autorenlesungen würden ausgedünnt, Bestände nicht mehr ausreichend aktualisiert. Besonders betroffen von den Sparzwängen sind die Großstädte, hat der Bibliotheksverband in einer Umfrage ermittelt. Hohe Nutzerkonjunktur, so klagt Geschäftsführerin Barbara Schleihagen, trifft auf spärliche Angebote, …

"… gerade wo sie besonders gebraucht werden. Wir haben ja in den vergangenen Jahren immer wieder Studien gehabt, wie erschreckend schlecht es um die Lesekompetenz bei unseren Schülern steht, und da hat die Bibliothek eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen, und wir sehen im Gegenteil, dass hier mehr Mittel notwendig wären, um das grundlegend anzupacken."

Bundesweite Bibliothekswoche

Nur teilweise werde das vom Bundesbildungsministerium aufgefangen. Leseförderung mit Hilfe digitaler Medien ist eines der punktuellen Projekte, die es finanziert. Geld gibt es auch für die bundesweite Bibliothekswoche. Ab Donnerstag zeigen die Büchereien mit 5000 Veranstaltungen, was sie können, so Frank Simon-Ritz - vom Bilderbuchkino für die Kleinsten bis zum Angebot für Senioren, …

"… wo Bibliotheken seit Jahren eine tolle Arbeit darin leisten, Senioren, aber genauso Kindern und Jugendlichen Schwellenangst vor dem Internet zu nehmen. Und auch die Hochschulbibliotheken beteiligen sich an diesem Programm und zeigen insbesondere natürlich ihrer Krengruppe, den Studierenden, was mit Bibliotheken alles zusätzlich möglich ist. Wir sind ja zum Glück nicht darauf angewiesen und damit allein gelassen, nur drei Wörter bei Google einzugeben, sondern es gibt ja noch andere Recherchemöglichkeiten, …"

… weiß der Verbandschef, der die Uni-Bibliothek Weimar
leitet. Büchereien als Recherche-Orte, so meint Barbara Schleihagen, sollten schon Schüler kennenlernen dürfen, doch da mangelt es an einem flächendeckenden soliden Angebot an den Schulen. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland schlecht da. Trotz der wachsenden Zahl von Ganztagsschulen, wo Schüler Pausen-Orte bräuchten.

"Einfach mal stöbern, ein bisschen schmökern, sich anregen lassen, vielleicht auch ihr Projekt, ihr Unterrichtsprojekt gemeinsam vorbereiten, vielleicht auch mal ne Unterrichtsstunde vorbereiten. Und vor allem, was uns sehr wichtig ist, lernen, wie man gut recherchiert auch für die Hausarbeiten, wie man lernt zu unterscheiden, was ist richtig, was falsch, denn nicht alles was im Internet steht, ist ja per se richtig."

Wie diese Lese- und Lern-Orte an den Schulen zu finanzieren seien, darauf müssten sich Bund, Länder und Kommunen verständigen.


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