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Im Gespräch | Beitrag vom 01.12.2018

Eine schicksalhafte BeziehungWie Geschwister unser Leben prägen

Moderation: Katrin Heise

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Ein Mädchen trägt einen kleinen Jungen huckepack über eine lichtdurchflutete Wiese. (unsplash/ Jenn Evelyn-Ann)
Die Geschwisterbeziehung ist eine Spielwiese für spätere Bindung, sagt der Geschwisterforscher Hartmut Kasten. (unsplash/ Jenn Evelyn-Ann)

Vertraute, Rivalen, Begleiter – Geschwister können unser Leben bereichern, sie können uns aber auch belasten. Wovon hängt es ab, wie eng unsere Geschwisterbande sind? Und wie verändern sich Geschwisterbeziehungen im Laufe unseres Lebens?

"Geschwister sind in unserem Inneren zu Hause", sagt Susann Sitzler, Autorin des Buchs "Geschwister – Die längste Beziehung des Lebens". Sie ist in einer Patchwork-Familie aufgewachsen: mit einer leiblichen Schwester, zwei Stiefbrüdern und drei Halbgeschwistern, zum Teil mit einem erheblichen Altersunterschied. "Mit einem Bruder oder einer Schwester empfinden wir Gefühlspremieren wie Liebe, Wut, Freude, Eifersucht oder Zusammengehörigkeit. Was wir mit ihnen erleben, wird zum Maßstab für unser späteres Leben."

Die Autorin Susann Sitzler steht vor dem Rias-Gebäude in Berlin. (Deutschlandradio – Laura Lucas)Autorin Susann Sitzler zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio – Laura Lucas)

Geschwister könne man sich nicht aussuchen – und man könne sie auch nicht aus dem Leben verbannen: "So eine Geschwisterschaft kann man nicht kündigen. Das ist – wenn's schlecht läuft – auch quälend, weil man diese Person gern aus dem Leben hätte. Aber auf lange Sicht ist es auch etwas, was immer rarer wird: Wenn man eine Beziehung hat, die man nicht ständig optimieren muss. Und das ist eine große Chance."

Eine Spielwiese für spätere Bindungen

"Das Besondere an der Geschwisterbeziehung ist das Schicksalhafte", sagt der Entwicklungsforscher und Pädagoge Hartmut Kasten. Die Prägung durch Brüder und Schwestern sei mindestens so stark wie durch die Eltern. Oft bleibe auch die Rollenverteilung ein Leben lang erhalten – im Guten wie im Schlechten. 

"In der Kindheit haben die Geschwister den engsten Kontakt. Diese Beziehung ist die Spielwiese für spätere Bindungen. Später entwickeln sich Geschwister aufgrund der Rahmenbedingungen auseinander. Im Alter können sich Geschwister wieder annähern. Allerdings nur, wenn das Verhältnis geklärt ist und es keine offenen Wunden aus der Kindheit gibt. Solche Verletzungen sind wie Tretminen unter dem Teppich. Im Alter ist es oft zu spät, die Folgen dieser Zurückweisungen in der Kindheit aufzuarbeiten."

Der Münchner Geschwisterforscher Hartmut Kasten (Archivbild). (picture alliance / dpa / Frm)Seit Jahrzehnten befasst sich der Psychologe und Pädagoge Hartmut Kasten mit Geschwisterbeziehungen. (picture alliance / dpa / Frm)

Geschwister: Wie prägen sie unser Leben?
Darüber diskutiert Katrin Heise heute von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Hartmut Kasten und Susann Sitzler. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.
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