Das Feature, vom 02.06.2009

Von Jost Baum und Dieter Jandt

Sie war eine der erfolgreichsten Fliegerinnen des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig verkörperte Hanna Reitsch wie kaum jemand die unselige Verbindung zwischen Talent, politischer Unbedarftheit und Hörigkeit gegenüber dem NS-Regime. Als Versuchspilotin unternahm sie Testflüge für Militärmaschinen und wurde mehrmals schwer verletzt. Adolf Hitler schlug sie den Einsatz von Kamikaze-Flugzeugen vor.

Die Ju 87 Stuka der Wehrmacht (AP Archiv)
Die Ju 87 Stuka der Wehrmacht (AP Archiv)

Kurz vor Kriegsende flog sie in die belagerte Hauptstadt zum Führerbunker. Zwei Tage später gelang es ihr sogar, wieder auszufliegen. Was trieb diese Frau zu solchen Manövern, zu denen sie keinesfalls verpflichtet war?

Von den Amerikanern wurde Hanna Reitsch nach 18 Monaten Gefangenschaft entnazifiziert. John. F. Kennedy empfing sie Jahre später im Weißen Haus. Sie stellte Segelflugrekorde auf und leitete Flugschulen in Indien und Ghana. 1979 starb sie. Zu einer kritischen Selbstreflexion hat es nie gereicht.

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