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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 20.07.2013

Eine Ohrfeige für die Seele – Wie können wir mit Kränkungen umgehen?

Gast: Dr. Bärbel Wardetzki / Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin

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Weinender Junge (Stock.XCHNG / T. Rolf)
Weinender Junge (Stock.XCHNG / T. Rolf)

Manchmal genügt ein unachtsam gesprochenes Wort oder ein abschätziger Blick – und wir fühlen uns gekränkt. Es trifft uns, wenn wir nicht zur Party der Kollegin eingeladen werden. Und wenn der Chef unsere Bemühungen nicht anerkennt, fühlen wir uns entwertet.

Kränkungen können uns überall wiederfahren, aber wie sollen wir darauf reagieren? Wie können wir mit unseren "wunden Punkten" umgehen uns wappnen gegen Verletzungen?

"Eine Kränkung ist wie eine Ohrfeige für die Seele",

sagt Bärbel Wardetzki. Die Münchner Psychologin und Psychotherapeutin kennt die Folgen von unbearbeiteten Kränkungen nur zu gut. Je nach Charakter führten sie zu Trauer, Depressionen, Sucht, Wut oder Rachegelüsten. Dennoch seien wir ihnen nicht hilflos ausgeliefert:

"Ob wir etwas als Kränkung erleben und wie stark wir uns verletzt fühlen, haben wir zu einem guten Stück selbst in der Hand. Je mehr wir wissen, was und kränkt, welche alten Wunden durch aktuelle Verletzungen aufgerissen werden und welche Möglichkeiten wir haben, uns zu schützen, umso weniger leiden wir unter Kränkungsgefühlen."

Ihr Rat: "Schlucken Sie nicht alles, was Ihnen vorgesetzt wird."

Gekränkte mahnt die Psychologin zudem zu Gelassenheit. Statt auf spontane Rache zu sinnen, sollte man lieber einen Tag und eine Nacht abwarten und dann reagieren:

"In der Kränkungssituation sind wir blind, blind für uns, blind für den anderen und blind für eine konstruktive Reaktion."

Wichtig auch: "Sich selber zu finden, bei sich aufzuräumen und einen Frieden mit sich zu finden. Nicht immer zu sagen: Die Welt ist schuld, die anderen sind schuld, dass es mir schlecht geht, sondern ich selber übernehme die Verantwortung dafür, dass es mir besser geht."

Gekränkte sollten nicht mit Selbstzweifeln und Selbstabwertung reagieren, sondern sich auf ihre Stärken besinnen. Ihre Überzeugung:

"Ein positives Selbstbild ist der beste Schutz gegen Kränkungen."


Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin (Birgit Lammersen)Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin (Birgit Lammersen)

Wie können wir mit Kränkungen umgehen?

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Dr. Bärbel Wardetzki. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.


Weitere Infos:
Homepage von Dr. Bärbel Wardetzki

Literaturhinweise:
- Bärbel Wardetzki: "Nimm’s bitte nicht persönlich - Der gelassene Umgang mit
Kränkungen", Kösel-Verlag, 5. Auflage 2013
- Bärbel Wardetzki: "Kränkung am Arbeitsplatz - Strategien gegen Missachtung, Gerede und Mobbing", dtv, 2. Auflage 2013

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