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Profil / Archiv | Beitrag vom 05.09.2006

Eine Marke für die Queen

Die Motive des Illustrators Olaf Hajek erinnern an naive Malerei

Von Bettina Ritter

Hajeks Bilder sind bunt, aber nie grell. (Stock.XCHNG)
Hajeks Bilder sind bunt, aber nie grell. (Stock.XCHNG)

Alles fing an mit einem Auftrag des holländischen Playboy. Inzwischen ist Olaf Hajek einer der erfolgreichsten jüngeren Illustratoren Deutschlands. Er arbeitet für den New Yorker, das SZ-Magazin und gestaltet Werbung großer Konzerne. Jetzt durfte der 40-Jährige sogar eine Briefmarke für die britische Post entwerfen.

Ein großer, heller Raum im Erdgeschoss eines Altbaus in Berlin-Mitte. Fröhliche Country-Musik schallt durch das Atelier von Olaf Hajek. Er sitzt an seinem Arbeitstisch vor einem hohen Fenster. Vor sich eine Palette mit Klecksen von bunten Acrylfarben und ein Stück Pappe.

"Ich habe gerade verschiedene Aufträge hier auf dem Tisch. Einmal für das Manager Magazin und das Fortune Magazine in New York. Ich mache ein Book-Cover für einen englischen Verlag. Und ich bin gerade gefragt worden für ein Grafik-Magazin. Die möchten, dass ich deren Cover gestalte, das ist ein aufklappbares Cover, und da muss ich mir ein ganz tolles jetzt Konzept einfallen lassen."

Über zu wenige Aufträge kann sich Olaf Hajek derzeit nicht beklagen. Der große, sportliche 40-Jährige mit den kurzen, angegrauten Haaren, Drei-Tage-Bart und trendy türkis-beige-braun-gestreiftem Pullunder kommt kaum hinterher. Positiver Stress, meint er lächelnd.

"Für mich ist diese Arbeit halt ne Selbstverständlichkeit, es gehört zum Leben dazu, ich muss mich dazu nicht zwingen. Deswegen gibt es auch keinen Stundenplan, den ich mir mache, sondern das gehört wie Zähneputzen dazu."

Hajek stampft einen Pinsel in ein Wasserglas, kratzt damit schwarze und blaue Farbe von der Palette und vermischt beides auf einem Karton zu einer nachtblauen Grundierung. Auf seinen Bildern tummeln sich meist Menschen, oft in der Großstadt. Für die Werbekampagne einer Coffeeshop-Kette malte er sie im Café sitzend. Für die Plakate eines Getränkeherstellers ließ er vor einer Skyline im Sonnenuntergang Latinos tanzen.

"Ich mag unglaublich gerne afrikanische Kunst, südamerikanische Kunst, liebe American Folk Art. Das sind die Einflüsse, die ganz stark ne Rolle spielen. Grundsätzlich damals auch die amerikanischen Illustratoren. Christian Northeast, Calif Brown, Josh Gosfield, das sind die damaligen großen Stars der amerikanischen Illustration, die sehr frei, sehr wild mit dem Thema umgegangen sind."

Olaf Hajeks Bilder sind bunt, die Farben trotzdem nie grell. Die Menschen und Tiere sind naturalistisch, sein Stil erinnert an naive Malerei. Im Atelier stapeln sich großformatige Kunstbücher, afrikanische Frisörbilder und Nachschlagewerke mit Tier- und Pflanzenabbildungen.

Oft reist Hajek in die USA. Er muss, denn hier ist er ein kleiner Star. Zweimal hat er schon einen Preis des Art Directors Club gewonnen, seine Arbeit wurde im American Illustration veröffentlicht, der Bibel der Illustratoren. Außer in London, Münster, Tokio und Paris hat er auch in New York eine Agentin. Die schickt ihn zu allen wichtigen Events, sagt er.

"Man geht auf jeden Fall mehr auf Partys und macht Shake-Hands. Es gibt dort auf jeden Fall mehr Gründe, sich zu treffen. Ob das jetzt Buchveröffentlichungen sind, Galerieeröffnungen, oder die Agenten und die Art-Direktoren an den Tisch holen und zum Essen einladen. Da ist ein Networking. Das ist hier nicht so stark ausgeprägt."

Die Gesichtspflege zahlt sich aus. Schon ein Dutzend Mal hat er Geschichten für den New Yorker bebildert. Sein erster Job für das renommierte Magazin: Die Illustration zu einer Theaterkritik.

"Man guckt sich das an, macht ne Skizze und hat dann lange Diskussionen mit den Art-Direktoren dort, weil das sehr, sehr strenge Menschen sind, die dort sitzen. Es ist ein schwieriger Job, aber natürlich ist es immer, weil man denkt, oh Gott, Ruhm und Ehre, man muss das unbedingt machen. Und wenn man das ein paar Mal gemacht hat, ist das auch wunderbar. Und dann reicht's auch."

Schon als Schüler belegte Olaf Hajek an der Volkshochschule Kurse in Ölmalerei und Aktzeichnen. Er kommt aus einem Beamtenhaushalt. Ein Kunststudium fanden die Eltern nicht konkret genug, deshalb lernte Hajek Grafik-Design. Den Studienplatz hatte er bereits vor dem Abitur in Bonn wegen besonderer Begabung in der Tasche.

Nach der Ausbildung lebte er ein paar Jahre in Amsterdam und schickte Kopien seiner Bilder an alle großen Magazine. Sein erster Auftrag: Eine Illustration für den holländischen Playboy. Danach ging alles ziemlich schnell.

"Eigentlich hat mich das SZ-Magazin entdeckt. Da hab ich dann schon das Cover bekommen im ersten Jahr und pro Ausgabe zehn Illustrationen. Das war als junger Illustrator natürlich phantastisch."

Seit elf Jahren lebt Hajek nun in Berlin. 2007 wird seine Arbeit sogar geadelt. Für die Königlich Britische Post entwarf er eine Briefmarke. Das Motiv: Eine Champagner sprudelnde Flasche auf einer Blumen-Wiese, erzählt er schmunzelnd.

"Ich finde, egal jetzt, ob man so sehr zu der Illustration sogar selber steht, es ist einfach ein phantastisches Gefühl, für England ne Briefmarke zu machen. Ich finde es ganz toll, dass da oben dann die Queen reingestempelt wird, finde ich ne phantastische Geschichte. Ich kann's kaum erwarten, demnächst dann in England mit meiner Briefmarke meine Post zu versenden."


Service:
Arbeiten von Olaf Hajek sind bis zum 10. September 2006 in der Ausstellung "Illustrative 06" in den Kunsthallen am Pfefferberg in Berlin zu sehen.

Mehr bei deutschlandradio.de

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Olaf Hajek
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