Seit 01:05 Uhr Tonart

Montag, 21.10.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Lange Nacht / Archiv | Beitrag vom 08.12.2018

Eine Lange Nacht über die Schriftstellerin Gioconda BelliGuerilla-Kämpferin und Feministin

Von Nina Bust-Bartels

Gioconda Belli 2010. (imago / Leslie Searles El Comercio)
Schriftstellerin Gioconda Belli war früher Mitglied der nicaraguanischen Guerilla. (imago / Leslie Searles El Comercio)

Weil sie die Armut Nicaraguas ungerecht fand, schloss sich Gioconda Belli mit 23 Jahren einer Guerilla an, die den Diktator stürzte. Doch auch die Revolution war chauvinistisch. Heute ist sie eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Lateinamerikas.

Mit 23 Jahren schließt sich Gioconda Belli der revolutionären Guerilla an, die 1979 den Diktator Somoza in Nicaragua stürzt. Die junge Idealistin Belli kämpft und sie liebt. Ihre Geliebten sind Freiheitskämpfer der Revolution, ihre Ehe zerbricht daran. Aber auch die Revolution ist chauvinistisch und als Frau ist es nicht leicht, anerkannt zu werden.

Befreit von den Fesseln ihrer bürgerlichen Herkunft

Bellis autobiografisch inspirierter Roman "Die bewohnte Frau" verarbeitet diese Erfahrungen. Befreit von den Fesseln ihrer bürgerlichen Herkunft entdeckt Gioconda Belli ihr politisches Selbst, ihr literarisches Ich und ihre Sexualität. Ihre Gedichte sind politisch und sie sind eine Hommage an die weibliche Lust. Im katholischen Nicaragua der 70er-Jahre sind sie ein Skandal. Heute gehört Gioconda Belli zu den bekanntesten Schriftstellerinnen Lateinamerikas, ihre Romane und Lyrikbände wurden in 20 Sprachen übersetzt.

Revolution der Frauen

In ihrem Roman "Die Republik der Frauen" (2012) scheint Belli ihre Erfahrungen mit den chauvinistischen Guerillas zu verarbeiten. Sie erzählt von dem Land Faguas, in dem einige Frauen rückständigen Machos die Macht entrissen haben. Mit ihrer "Partei der Erotischen Linken" regieren sie das Land und sorgen für Wohlstand. Selbst die Männer sind begeistert. Doch dann schießt ein Attentäter auf die Präsidentin Viviana.  

Auch im realen Leben schweigt Belli nicht, wenn es darum Männer an der Macht zu kritisieren. 2018 sagte sie Nicaraguas Präsidenten Daniel Ortega habe das Land in eine Klientelwirtschaft verwandelt und kontrolliere das ganze Land. "Ich finde, wir werden schlimmer unterdrückt als unter Somoza. Daniel Ortega und Rosario Murillo sind ein zügelloses und ein wenig psychopatischen Paar, das sein eigenes Volk unterdrückt."  

Mehr zum Thema

Nicaragua - Das dröhnende Schweigen der Linken
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 16.11.2018)

Proteste in Nicaragua - Mit Lippenstift gegen die Regierung
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 13.11.2018)

Diktatur und Literatur in Südamerika - Eine Reise ins schwarze Herz des Verbrechens
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 11.04.2018)

Lange Nacht

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur