Das Feature, vom 09.07.2021, 20:35 Uhr

Eine Flucht, die kein Ende nimmtSeehofers 69 - (4/4) Rückkehr

Tausende Euro Abschiebekosten, Ausbildungsvertrag, Visaanträge und Behördengänge in Deutschland, Indien und Pakistan: Wer zurück nach Deutschland möchte, muss viele Hürden überwinden. Alleine schafft das kein Abgeschobener.

Ein Flugzeug landet auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) vor rotem Abendhimmel. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache)
Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache)

Alle kennen "Frau Steiger". Eine 66-jährige Rentnerin, deren ehrenamtliche Arbeit jeden Tag um sieben Uhr beginnt.  Fast ihr ganzes Leben hat sie für die Industrie- und Handelskammer gearbeitet und weiß, dass Deutschland Fachkräfte braucht.

Kurz nach dem Abschiebeflug an Seehofers 69. Geburtstag sieht sie einen Fernsehbericht über einen der Abgeschobenen. Er hat in Deutschland unbefristet im Krankenfahrdienst gearbeitet. Damals denkt sie sich: Es muss doch einen Weg geben.

Und tatsächlich: Über ein Ausbildungsvisum können auch bereits Abgeschobene wieder einreisen. Doch die Hürden dafür sind hoch. Und ob sie bleiben dürfen, ist dann noch längst nicht klar. Geschichten einer Flucht, die kein Ende kennt. 

Bildergalerie zur Feature-ReiheNach der Abschiebung flieht Abdul mit seiner Familie erneut und landet im Flüchtlingslager Moria. Die 6 Monate alte Kissana leidet wie tausende andere im Lager an Krätze. Duschen oder warmes Wasser gibt es monatelang nicht.Abdul lebte vor der Abschiebung im bayrischen Altenstadt, war ehrenamtlich in der Jugendhilfe aktiv, machte seinen Berufsschulabschluss und unterschrieb kurz vor seiner Abschiebung einen Ausbildungsvertrag als Altenpflegehelfer.Das eigentlich provisorische Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos im September 2020. Die BewohnerInnen dürfen nur einmal pro Woche aus dem Lager. Rund 10.000 Menschen wohnen dort nach den Brand von Moria. Auch Abdul Sultani.Am 3. Juli 2018 kurz vor Mitternacht hebt das gecharterte Flugzeug vom Flughafen München Richtung Kabul ab. Mit 69 jungen Männern an Bord ist es bis heute die größte Sammelabschiebung nach Afghanistan. Bundesinnenminister Horst Seehofer lenkte mit einem vermeintlichen Scherz alle Aufmerksamkeit auf den Abschiebeflug und die Schicksale der 69 Abgeschobenen.  Amir Jafari hat eine Ausbildung als Elektrotechniker in Aussicht, als er abgeschoben wird. In Afghanistan lädt er sich ein deutsches Elektrotechnik-Lehrbuch herunter. Zwei Jahre später ist er zurück in Bamberg und beginnt seine Ausbildung.Josephine Steiger arbeitete fast ihr ganzes Leben lang für die IHK Augsburg. Heute hilft sie abgelehnten Asylbewerbern dabei, legal in Deutschland eine Ausbildung beginnen zu dürfen. Basir und Nawid sind beste Freunde. Sie sollten zusammen abgeschoben werden, doch Basir versteckt sich. Und während Nawid in Kabul landet, taucht Basir unter. Heute machen beide eine Ausbildung zum Hotelfachmann - im gleichen Hotel.

Seehofers 69 - (4/4) Rückkehr
Feature-Serie von Armin Ghassim und Annette Kammerer

Regie: Dörte Fiedler
Es sprachen: Bettina Hoppe, Toni Jessen, Urs Winiger, Armin Ghassim und Annette Kammerer
Musik: Chico Mello
Dank an: Emran Feroz und Massih Hoseini
Ton: Jean Szymczak
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Deutschlandfunk/NDR 2021

Armin Ghassim (31) und Annette Kammerer (28) sind Autoren bei Panorama im Ersten. Sie haben beide beim NDR volontiert und mit Stipendien in London und Belfast studiert. Kammerer war Marion-Dönhoff-Stipendiatin der IJP, Ghassim ist Träger des Helmut-Schmidt-Journalistenpreises.

Feature-Reihe "Seehofers 69"

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