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Tonart | Beitrag vom 22.06.2017

"Ein Traum von Weltmusik"Klassische Komponisten - multikulturell interpretiert

Jochen Kühling im Gespräch mit Carsten Beyer

Musiker beim Soundckeck für die Konzerte "Ein Traum von Weltmusik" im Berliner HAU 1 (Foto: Veit Tresch)
Soundcheck im Berliner HAU für die Konzerte "Ein Traum von Weltmusik" am 23.6. und 24.6.2017. (Foto: Veit Tresch)

Was passiert, wenn ein marokkanischer Gnawa-Musiker Kompositionen von Karlheinz Stockhausen spielt? Solche musikalischen Begegnungen multikultureller Art hat sich das Projekt "Heimatlieder aus Deutschland" ausgedacht: "Ein Traum von Weltmusik" könnte wahr werden.

Was bedeutet eigentlich der Begriff "Heimatmusik"  in Deutschland im Jahr 2017 und wo kommt sie her? Damit beschäftigt sich seit einigen Jahren das Projekt "Heimatlieder aus Deutschland". Dahinter stehen Musikerinnen und Musiker aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen, die alte und neue Songs aus ihrer Heimat gesammelt und dann auf sogenannten "Heimatlieder-Abenden" vorgestellt haben.

Jetzt begeben sich die "Heimatlieder" mit einem Doppelkonzert  auf ein neues Terrain. Es findet morgen und übermorgen im Berliner Theater "Hebbel am Ufer" unter dem Titel "Ein Traum von Weltmusik" statt. Die Musiker – etwa aus Serbien, Vietnam, Kuba, Indien oder Marokko – spielen Werke von klassischen Komponisten aus den 60er- und 70er- Jahren des 20. Jahrhunderts.  Darunter sind auch Kompositionen von Karlheinz Stockhausen, Hans Otte oder Grete von Zieritz.

Spiegelung der Kulturvielfalt

Initiator dieser ungewöhnlichen Konzerte ist der Berliner Produzent Jochen Kühling. Es gehe ihm und seinem Partner Mark Terkessidis um die Spiegelung der hier vorhandenen Kulturvielfalt, sagt Kühling im Deutschlandfunk Kultur. Er ging auch auf die Wahl des Titels "Ein Traum von Weltmusik" ein:

"Das war dann reizvoll, einfach zu sagen: Was passiert denn, wenn diese Musiker, die Weltmusik machen – heute sagt man zu diesen Musikern Weltmusiker – was passiert denn, wenn die sich mit einer deutschen Kultur beschäftigen? Und was kommt dann am Ende heraus?"

"Wir haben ergebnisoffen gearbeitet"

Bei der Arbeit an dem Projekt habe man diese Kompositionen der 60er- und 70er-Jahre gleichsam wieder entdeckt, meint Kühling – es sei eine Musik, die die meisten Deutschen nicht kennen würden. Damals habe es den multikulturellen Alltag von heute gar nicht gegeben:

"Das waren nichts anderes als Vorstellungen oder Träume von einer Musik. Das war einfach sehr reizvoll zusagen: Wie packen wir das jetzt in eine Geschichte? Und was kommt dabei heraus? Das ist einfach ergebnisoffen gewesen. Wir wussten ja gar nicht, was dabei passiert."

Die ausgewählten Musiker stammten aus dem Pool der "Heimatlieder aus Deutschland"-Konzerten, sagt Kühling. Eine bestimmte Gruppe habe sich von vornherein gut verstanden und sei auch neugierig auf das Projekt gewesen:

"Wir mussten natürlich bei der Auswahl eines berücksichtigen: Wer traut sich überhaupt? Wenn ein Musiker, der Gnawa-Musik aus Marokko spielt, wenn der eine Stockhausen-Komposition hört, wo irgendwie nichts mit Melodie oder so vorhanden ist, dann ist das in erster Hinsicht ein Schock. Und das muss man ja überleben."

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