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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.04.2007

Ein Sturm aus Bielefeld

Wiederentdeckung einer tschechischen Oper

Shakespeares Totenmaske (AP)
Shakespeares Totenmaske (AP)

Oft sind es die kleineren Bühnen, die sich um Ausgefallenes der Musikgeschichte kümmern. Kaum zu glauben, aber wahr, die Produktion der Oper "Der Sturm" von Zdenek Fibich ist die deutsche Erstaufführung. Der Dirigent Leo Siberski hat das Stück entdeckt, sich lange gefragt, warum eine so eingängige und für die tschechischen Nachbarn wichtige Oper aus den 90ern des 19. Jahrhunderts nie den Sprung über die Grenze gepackt hat. Er hat nicht lange gezögert und ist das Projekt mutig angegangen. Wir können uns auf eine Wiederentdeckung freuen.

Musik ist eine Art Zaubermittel, mit dem der Luftgeist Ariel für seinen Herrn Prospero die Geschicke lenkt. Sie ist überhaupt eine magische Macht, mit ihr wird verführt und verlockt, mit ihr gelingen zauberhafte Dinge – Shakespeares Stück ist für die Oper faktisch prädestiniert und hat auch viele Komponisten angeregt. Für den Tschechen Zdenek Fibich war die Auseinandersetzung geradezu fundamental - er hat gleich zwei "Sturm-Adaptionen" vorgelegt: 1880 eine sinfonische Dichtung, in den 90ern dann die abendfüllende Oper. Die gelingt ihm als ein spätromantisches Zauberstück. Der verbannte Prospero hat sich auf der einsamen Insel in eine Bücherwelt geflüchtet. Das Bücherwissen nutzt er und führt seine Gegner fortan nach allen erlernten Regeln an der Nase herum. Die von ihm geführte Geisterschar erweist sich als höchst dienstbeflissen, voran der luftige Vorarbeiter Ariel, der seines Herren Wünsche in geradezu entwaffnender Weise erfüllt. Raum erhalten in Fibichs Oper auch die ungemütliche Welt Kalibans und die Liebesgeschichte zwischen Miranda und Fernando – Menschliches und Magisches, Naturgewalt und Poesie halten sich in etwa die Waage. Fazit am Schluss: Eine Zauberwelt ist nur um den Preis der Verbannung zu haben, im wirklichen Leben stehen die Kalibans und Ariels, die Antonions und Gonzalos dieser Welt mehr oder weniger unversöhnt nebeneinander.


Theater Bielefeld
Aufzeichnung vom 31.3.2007

Zdenek Fibich
"Der Sturm", Oper in drei Akten nach "TheTempest" von Shakespeare
in tschechischer Sprache

Alonso - Sung-Kon Kim, Bariton
Sebastiano - Lassi Partanen, Tenor
Fernando - Luca Martin, Tenor
Antonio - Vladimir Lortkipanidze, Tenor
Gonzalo - Tae-Woon Jung, Bariton
Adriano - Paata Tsivtsivadze, Bariton
Prospero - Maik Schwalm, Bariton
Miranda - Melanie Kreuter, Sopran
Kaliban - Jacek Janiszewski, Bass
Trinkulo - Simeon Esper, Tenor
Stefano - Mark Coles, Bass
Arien - Cornelie Isenbürger, Sopran
Chor und Extra-Chor des Theaters Bielefeld
Bielefelder Philharmoniker
Leitung: Leo Siberski


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