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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 02.03.2009

Ein literarisches Experiment

"Klick! Zehn Autoren erzählen einen Roman", Hanser Verlag 2009, 224 Seiten

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Roddy Doyle (1996 in Philadelphia) (AP-Archiv)
Roddy Doyle (1996 in Philadelphia) (AP-Archiv)

Viele Köche verderben den Brei - so sagt das Sprichwort. Diese goldene Regel wird allerdings von einem Jugendroman aufgehoben, an dessen Entstehung sich zehn englischsprachige Schriftsteller beteiligt haben, darunter der irische Booker-Preisträger Roddy Doyle, der englische Bestsellerautor Nick Hornby, die Jugendbuchautoren Tim Wynne-Jones oder David Almond.

Der amerikanische Verleger Arthur Levine hat zehn international bekannte Autoren eingeladen, zusammen einen Jugendroman zu schreiben. Keine chronologische Geschichte, sondern eine Reihe von Erzählungen, die eng miteinander zusammen hängen. Entstanden ist ein Geschichten-Geflecht, dessen einzelne Kapitel selbständig sind und zugleich miteinander verbunden durch ein Motiv oder eine Person.

In der stimmungsvollen Ausgangsgeschichte von Linda Sue Park ist der international bekannte Fotoreporter George Keane gerade gestorben. Für Maggie und Jason war er der geliebte Grandpa Gee, ein anregender Erzähler und geduldiger Zuhörer. Er hinterlässt Jason einen Stapel von signierten Fotos prominenter Sportler und Maggie ein geheimnisvolles Kästchen mit sieben Muscheln. Sie stammen von den sieben Kontinenten und Maggie soll sie an ihrem Fundort wieder zurückwerfen ins Meer.

Ausgehend von dieser Geschichte entwickeln die neun folgenden Kapitel bzw. Autoren ganz verschiedene Motive weiter. Zwei erzählen von Jason, schildern ihn als schwierigen jungen Mann und begeisterten Fotografen. Andere spüren Gees Vergangenheit nach, erzählen, wie einige seiner berühmten Fotografien entstanden sind. Und wieder andere erzählen von Maggie, die in Frankreich das Doppelleben des Großvaters aufdeckt oder in Australien die vorletzte Muschel ins Meer werfen will. Im Schlusskapitel von Gregory Maguire schließlich werden alle Erzählfäden noch einmal zusammengefasst.

David Almonds wunderbar magische Erzählung von dem Meermädchen Annie, Deborah Ellis’ verstörender Bericht aus einem russischen Gefängnis, Roddy Doyles Portrait einer irischen Kindheit oder Nick Hornbys verunsichernde Geschichte über Opa Gees Doppelleben – sie sind literarisch auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen. Sie "passen" nicht zusammen, sondern zeigen vielmehr, was alles möglich ist an Tönen und Themen in der Jugendliteratur, und das auf hohem Niveau. Der Roman "Klick" ist eine Art Fotomontage, eine Collage von zehn unterschiedlichen Momentaufnahmen, aus zehn Perspektiven und in zehn Farben. Alle vereint das Thema, dass das Leben kostbar ist und ein großes Geheimnis dazu.

Dass die zehn "Klick"-Autoren sich mit großer Begeisterung in dieses Projekt gestürzt haben, erfährt man nicht nur in den Nachbemerkungen. Gut komponiert und auf den Punkt geschrieben strahlen die Geschichten wie kleine Kunstwerke. Zwischen ihnen gibt es keine Ruhephasen, keine Entspannung wie in einem traditionellen Roman. Darum ist es sicher besser, "Klick" Kapitel für Kapitel zu lesen und zwischendurch eine Pause einzulegen. Erst so kann jede Geschichte ihren eigenen Duft und ihre besondere Dimension ganz entfalten.

Rezensiert von Sylvia Schwab

Klick! Zehn Autoren erzählen einen Roman
Übersetzt aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Hanser Verlag 2009
224 Seiten, 14,90 Euro

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