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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 01.05.2012

Ein leidenschaftliches Plädoyer für Artenschutz

Hélène Rajcak / Damien Laverdunt: "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren", Jacoby & Stuart

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Nahezu weltweit sind Flussdelfine bedroht. Der Chinesische Flussdelfin ist bereits ausgerottet.  (picture alliance / dpa)
Nahezu weltweit sind Flussdelfine bedroht. Der Chinesische Flussdelfin ist bereits ausgerottet. (picture alliance / dpa)

Wollhaar-Mammuts, Seekühe und Flussdelfine: Die Autoren stellen Tiere vor, denen der Mensch den Garaus gemacht hat. Ein trauriges Thema, aber alles andere als deprimierend aufbereitet. Denn Rajcak und Laverdunt haben ihre Porträts mit Witz und Fantasie angelegt.

Jahrzehnte hatte das eigenartige Tier im nördlichen Pazifik gelebt. Von Japan bis zum Golf von Alaska. Dann wurde es vom Menschen entdeckt: 1741 waren Georg Wilhelm Steller und Vitus Bering während ihrer legendären Expedition auf Seekühe gestoßen. Keine 30 Jahre später war die Art ausgerottet; hemmungslos gejagt als Fett- und Öllieferant, wegen ihrer Milch und ihres Fleisches.

Damit wir sie nicht völlig vergessen, erinnern Hélène Rajcak und Damien Laverdunt nun mit einem außergewöhnlichen Kinderbuch an die Stellersche Seekuh und 26 ihrer Schicksalsgenossen. In Wort und Bild erzählen die beiden Zeichner und Autoren "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren" und setzen damit jedem einzelnen ein Denkmal.

Manche von ihnen sind schon vor über 10.000 Jahren verschwunden: etwa das Glyptodon, das Wollhaarmammut und der Langschnabel-Ameisenigel. Andere sind vor gar nicht so langer Zeit ausgestorben: beispielsweise um 1700 das Tretretretre und der Dodo, der Riesenalk um 1840, Anfang des 20. Jahrhunderts die Wandertaube und jüngstens, 2006, der Chinesische Flussdelphin. Nicht allen, doch den meisten machte der Mensch den Garaus.

Jedes dieser ausgestorbenen Tiere wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Rechts im großen, fast Seiten füllenden Porträt - wunderschön gezeichnet und mit kurzen sachlichen Texten und einem Piktogramm begleitet, das Größe, Gewicht, Lebensort und Datum des Aussterbens angibt. Und links im Comic. Hier erzählen die Autoren wahrlich unglaubliche Bilder-Geschichten: Legenden, Mythen und Märchen ebenso wie mögliche Begebenheiten oder tatsächliche Geschehnisse.

So sehen wir den Maler Jean-Jacques Audubon im 19. Jahrhundert auf seiner Reise durch die Neue Welt den Riesenalk suchen. Da dieser jedoch schon ausgestorben war, behalf sich Audubon für seine Zeichnungen mit einem ausgestopften Exemplar. Wir begegnen Charles Darwin in Begleitung des Falklandfuchses, der zu Unrecht einen mörderischen Ruf hatte und hier eher zahm auf ein Leckerli des Biologen hofft. Oder wir erfahren, dass der Elefantenvogel wohl die Legende vom sagenhaften Vogel Roch begründet hat. Im Comic sieht man Sindbad den Seefahrer an dessen Riesenklauen in die Lüfte entschwinden.

Ein erstaunliches Buch! Es hat ein trauriges Thema, und ist doch alles andere als deprimierend. Denn Rajcak und Laverdunt haben ihre Porträts mit Witz und Fantasie angelegt. Wenn der einst in Australien lebende Schweinsfuss-Nasenbeutler von den mit den europäischen Siedlern eingereisten "Touristen-Kaninchen" nach dem Weg zur Toilette gefragt wird, muss man einfach lachen.

Doch Vorsicht: harmlos ist dieses Buch nicht! Wer die Geschichte der Karolinasittiche Lady Jane und Incas gelesen hat - 1918 als letzte ihrer Art im Zoo von Cincinnati verstorben -, wird diese Tiere nie wieder vergessen und sich vielleicht in Zukunft für den Artenschutz engagieren. Tatsächlich ist dieses so liebevolle wie poetische Buch ein leidenschaftliches Plädoyer, die Natur zu achten. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Herausragend!

Besprochen von Eva Hepper

Hélène Rajcak / Damien Laverdunt: Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren
Aus dem Französischen von Sarah Pasquay
Ab 10 Jahren
Jacoby & Stuart
77 Seiten, 18,95 Euro

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