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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.09.2007

Ein Leben zwischen Küche und Kamera

Johann Lafer: "L: Lafer. Die Autobiografie", Collection Rolf Heyne, München 2007, 320 Seiten

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Johann Lafer ist wohl der bekannteste Fernsehkoch in Deutschland. Zum seinem 50. Geburtstag hat er seine Biografie vorgelegt. In "L: Lafer" zeichnet er seinen Weg vom heimwehgeplagten Lehrling bis zum Leiter eines florierenden Gourmetunternehmen nach.

Kochen liegt im Trend, je edler und aufwändiger umso besser. Zumindest könnte man den gegenwärtigen Boom an TV-Kochsendungen, den immensen Umsatz an Kochbüchern und die kaum zu befriedigende Nachfrage nach Kochkursen so verstehen.

Mitverantwortlich für diesen Gourmetaufschwung und zweifellos wohl auch einer der Väter dieses Kochbooms ist der österreichische Sternekoch Johann Lafer, der seit zwei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Köchen in Deutschland gehört. Lafer profilierte sich nicht nur als kompetenter Koch, sondern mit seiner ruhigen und freundlichen Ansprache auch als unterhaltsamer und eloquenter Experte, der von den Zuschauern schnell akzeptiert wurde.

Dabei ist Johann Lafer, der nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK Deutschlands bekanntester Koch ist, mittlerweile nicht mehr nur Fernsehkoch und vielfach ausgezeichneter Patron eines Sternerestaurants, sondern auch Dienstleister verschiedenster kulinarischer Angebote auf höchstem Niveau. Ein Unternehmer der recht früh erkannt hat, dass gute Küche auch eine gute Basis für ein Lifestyleunternehmen der Extraklasse sein kann.

In seiner Autobiografie "L: Lafer" erzählt Johann Lafer, anlässlich seines 50. Geburtstages, seine Lebensgeschichte, die ihn vom heimwehgeplagten Lehrling einer mittelmäßigen Gaststätte in Graz zu Deutschlands bekanntestem Fernsehkoch führte. Dabei ist kein Kochbuch mit Rezepten und feiner Foodfotografie herausgekommen, sondern die unterhaltsame Geschichte eines erfolgreichen Kochs und Genussmenschen, der mit großer Ausdauer und immensem Talent ein florierendes Gourmetunternehmen aufgebaut hat. Und so ganz nebenbei erlaubt die Biografie auch einen Blick hinter die Kulissen der Sternegastronomie und der Produktion seiner aktuellen Kochsendungen.

Johann Lafer wurde auf einem abgelegenen Bauernhof in der Nähe der österreichischen Stadt Graz geboren und half schon als Kind seiner Mutter auf dem kleinen Bauernhof und vor allem mit größter Freunde in der Küche. Schon als Neunjähriger versuchte er sich an Biskuitrolle und betätigte sich mit Ausdauer als Zuckerbäcker.

Bei diesem Talent war es nur folgerichtig, dass er mit 16 eine Ausbildung zum Koch in einer Brauereigaststätte in Graz annahm, die er nach drei Jahren mit Auszeichnung abschloss. Nach dem Wehrdienst und den für Starköche üblichen Stationen in verschiedenen Nobelrestaurants landete Lafer, nach Engagements in Kärnten, Hamburg, Berlin und Wertheim-Bettingen in der legendären Aubergine bei Eckart Witzigman in München. Eine wichtige Zeit bei einem der einflussreichsten Köche Europas, der Lafer als Chef-Patissier verpflichtete.
Nach einem erneuten Aufenthalt in Berlin lernte er den Grand Seigneur der Patisserie Gaston Lenotre kennen, der ihn nach Paris holte und bei dem er sich den letzten Schliff holte.

1983 entschloss sich Lafer, nicht nur als Patissier Furore zu machen, sondern endlich ein Restaurant als Küchenchef zu übernehmen. Sich nicht in einem der bekannten Sternrestaurants zu bewerben, sondern in dem kleinen, aber feinen Le Val d‘Or in Guldental bei Bingen, stellte sich als die Entscheidung seines Lebens heraus. Le Val d‘Or Patronin Silvia Buchholz wurde Jahre seine später seine Frau.

Bereits vier Jahre nach Lafers Einstellung wurde das Le Val d‘Or mit zwei Sternen im Restaurantführer Guide Michelin ausgezeichnet, was in der Branche nicht nur einem Ritterschlag gleicht, sondern das kleine, aber sehr feine Restaurant in der Provinz für die nachfolgenden Jahre zu einem Wallfahrtsort der Gourmetszene machte.

Dennoch, oder wohl gerade wegen des großen Erfolges, übernahm das Paar 1994 im Hunsrück die Burg des Hans Elias Michael von Obentraut, der als Deutscher Michel in die Geschichte einging. Die Lafers machten daraus die Stromburg, die heute ein florierendes mittelständisches Gourmet-Unternehmen mit Hotelbetrieb, zwei Restaurants, eigenem Fernsehstudio, Kochschule und Edel-Cateringbetrieb darstellt.

Mittlerweile hat Lafer mit seiner Crew auch die höchsten Weihen der internationalen Politik, Show- und Sportszene und verschiedener gekrönte Häuser erhalten. Mit Stolz berichtet der Sternekoch von Bankettveranstaltungen für die UNO-Vollversammlung in New York und für das Königshaus in Schweden und Politiker wie Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Kurt Beck und Klaus Kinkel sowie für Stars wie José Carreras, Boris Becker, Günther Jauch, James Last, Armin Müller-Stahl und viele andere.

Dass Johann Lafer, der seinen vielen Verpflichtungen am liebsten mit dem eigenen Helikopter nachkommt, bei all dem Erfolg Bodenhaftung behalten hat, bescheiden blieb und treu sorgender Familienvater ist, zeigt sich in den Passagen, in denen er über seine Eltern, Ehefrau, Kinder und Mitarbeiter schreibt. Fast zurückhaltend berichtet er auch über sein soziales Engagement für verschiedene Kinderhilfsprojekte.

Daneben hält Lafer aber mit seiner Meinung über die schlechte Ernährungsweise des überwiegenden Teils der Konsumenten nicht zurück. Und in diesem Teil, am Ende des Buches, wird Lafer ganz emotional, verlangt Steuern auf Zusatz- und Aromastoffe in Fertignahrung und wettert gegen Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und künstliche Farbstoffe.

"Obwohl wir Profis seit Jahren Aufklärungsarbeit leisten und predigen, wie schlecht und schädlich die industriell produzierten Lebensmittel sind, hat sich am Ernährungsverhalten wenig verändert. Das finde ich schockierend! Ich bin der Meinung, dass der Staat eine Steuer auf alle künstlichen Zusatz- und Aromastoffe erheben sollte, ähnlich der Tabaksteuer."

Lafer macht sich keine Illusionen über die Resonanz seiner kulinarischen Aufklärungsarbeit im Fernsehen und predigt unermüdlich die Vorzüge guten Essens für die Gesundheit und Lebensqualität.

"Nur zwei bis drei Prozent aller Zuschauer einer Kochsendung kochen die Gerichte tatsächlich selbst nach. Viele holen sich im Fernsehen nur verschiedenen Anregungen für ihre täglichen Eßgewohnheiten."

"L: Lafer" ist ein Buch für alle Lafer-Fans und für die, die nicht der Ansicht sind, dass Kochen schnell gehen, keine Arbeit und satt machen muss. Lafer zeichnet darin nicht das Bild eines abgehobenen Küchenstars, sondern lässt in seiner offenen und selbstkritischen Betrachtung über sein Leben und seine Karriere auch die Probleme, Misserfolge, Pannen und Selbstzweifel nicht außen vor und ist bis heute der steirische Bub geblieben, der immer noch über sein Glück staunen kann.

Rezensiert von Uwe Wohlmacher

Johann Lafer: L: Lafer. Die Autobiografie
Collection Rolf Heyne, München 2007
320 Seiten, 24,90 Euro

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