Freistil, vom 15.09.2019, 20:05 Uhr

Ein kleiner RatgeberDie hohe Kunst der Beleidigung

Blödmann. Trottel. Arschloch. Einen Polizisten so zu nennen, kann teuer werden. Besser: subtil beleidigen. Dabei sind die Grenzen zur legitimen Meinungsäußerung fließend, sie sind weitaus kreativer und interessanter.

Eine junge Frau schimpft hinterm Autosteuer. (imago / Rolf Kremming)
A...! Beim Autofahren wird besonders oft geflucht und beleidigt. (imago / Rolf Kremming)

Um strafrechtlich als Beleidigung zu gelten, muss die Äußerung ehrverletzend sein. Sie kann dann sogar „mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe“ geahndet werden, nach § 185 StGB. Interessanter sind subtile Beleidigungen wie die sogenannten ‚Schmähkritiken‘, ‚ehrverletzende Tatsachenbehauptungen‘ oder satirische Zeichnungen. Sie bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn die Beleidigung ist nicht immer eindeutig und der Beleidigte fühlt sich nicht immer beleidigt. Das ist der Nachteil.

Öffentliche Persönlichkeiten müssen sich hier - die Rechtsprechung zeigt dies - einiges gefallen lassen. Denn im eher robusten Feld der Politik entwickelt sich die Beleidigung selten zur hohen Kunst, eher schon bei Philosophen und Schriftstellern.

Die hohe Kunst der Beleidigung
Ein kleiner Ratgeber
Von Rolf Cantzen

Regie: Rita Höhne
Es sprachen: Peggy Lucac, Viktor Neumann, Tonio Arango und
Ilka Teichmüller
Ton und Technik: Alexander Brennecke
Redaktion: Klaus Pilger
Produktion: Dlf 2010

Rolf Cantzen, 1955 im niedersächsischen Lingen an der Ems geboren, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Hannover und Berlin. Er liebt Mehrdeutigkeiten, Irritationen, und Anarchistisches. Seine Art Kultur- und Geistesgeschichte lebendig, frech und ironisch zu erzählen, ist einzigartig im deutschen Radio. Egal ob er Sendungen über Einhörner macht, über die Arschkriecherei, die Schlaflosigkeit, Beleidigungen, den Giftmord – oder das Nichts: Der "Cantzen-Sound" ist sofort zu erkennen. Seine Radiosendungen leben von schnellen Anschlüssen, harten Schnitten, kurzen prägnanten Musiken und  von seiner speziellen Art Umgangssprachliches neben Wissenschaftlichem zu platzieren und dadurch so manchen Aha-Effekt zu erzielen.
Drei von Rolf Cantzens schönsten Features werden als DREIERPACK an drei Septembersonntagen jeweils um 20.05 Uhr bei "Freistil" ausgestrahlt.

Am 8. September heißt es "Sexy, nett und sie kocht auch gut – Die künstliche Frau – Kulturgeschichte einer Männerphantasie", eine Sendung aus dem Jahr 2005, als es zwar noch keine Alexas oder KI-Geschöpfe gab, aber genug erstaunenswerte Ideen für ein großes Feature. In "Die hohe Kunst der Beleidigung – Ein kleiner Ratgeber" aus dem Jahr 2010, Sendetermin am 15. September, erfährt man viel über die Feinheiten mancher Unverschämtheiten. 
In "Die hohe Kunst der Arschkriecherei – Eine geschmeidige Einführung", am 22. September im Programm, führt Rolf Cantzen schließlich in die unendlichen Tiefen menschlicher Abgründe.

Die Hohe Kunst der Beleidigung - Ein kleiner Ratgeber (PDF)

Die hohe Kunst der Beleidigung - Ein kleiner Ratgeber (Textversion)

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