Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Sonntag, 24.03.2019
 
Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Tonart | Beitrag vom 11.01.2018

Ein Jahr ElbphilharmonieEin Haus der zu vielen Möglichkeiten?

Jürgen Kesting im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Wechselndes Farbenspiel der Elphi-Fassade je nach Sonnenlicht. (imago/ Markus Tischler)
Ein Jahr "Elphi": Viele Lobeshymnen für das imposante Konzerthaus (imago/ Markus Tischler)

Ein Jahr Elbphilharmonie – Zeit für eine Bilanz. Der Bau wurde um ein Vielfaches teurer und die Bauzeit um sieben Jahre verlängert. Doch heute ist die Elbphilharmonie ein Touristenmagnet. Aber stimmt die künstlerische Qualität?

Am 11. Januar 2017, also heute vor einem Jahr, eröffnete der neue Touristenmagnet Hamburgs endlich seine Pforten, die Hamburger Elbphilharmonie – sieben Jahre später als geplant und um ein Vielfaches teurer.

Doch aus dem ehemaligen Sorgenkind ist mittlerweile ein Touristenmagnet geworden: Bereits 850.000 Menschen haben im letzten Jahr ein Konzert in der Elbphilharmonie besucht.

"Das Programm ist zu sehr gemischt"

Aber wird das Musikprogramm und die oft beschworene Akustik des Konzertsaals tatsächlich dem Ruf des "neuen Wahrzeichens" der Hansestadt gerecht? Journalist und Buchautor Jürgen Kesting sagt dazu:

"Ich habe eher das Gefühl, dass das Programm zu sehr gemischt ist. Dass neben den großen Stars eben auch sehr viel Mittelmaß angeboten wird, was wahrscheinlich nicht anders geht, wenn man so viele Besucher bekommt. Man muss jeden Tag manchmal zwei, manchmal sogar vier Konzerte anbieten. Wie will man da eine konstante Qualität entwickeln können? Was ich vermisst habe, ist eine gewisse Dramaturgie von Konzerten."

Ist der Saal oder die Musik von Interesse für das Publikum? Kesting erklärt, dass es im Publikum viele Menschen gebe, die bereits in der Pause eines Konzertes gingen, weil ihr Interesse am Saal größer sei als das an der Musik selbst.

Das sieht Christoph Lieben-Seutter anders. Der Intendant der Elbphilharmonie sagte:

"Wenn 40 gehen, sind zumindest 400 oder 500, die sonst nie da waren, zu dem Konzert gekommen – was ein Erfolg ist."

Mit Staunen habe Kesting gesehen, wie die Wiener Philharmoniker lächelten, als nach dem ersten Satz einer Mahler-Symphonie bereits geklatscht wurde. Ein beträchtlicher Teil des Publikums scheint keine Konzerterfahrung zu besitzen.

"Es sind eben viele, die neu sind."

Scholz: Ein für alle zugängliches Kulturangebot

Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz sagte vor der Eröffnung, die Elbphilharmonie solle ein Haus für alle werden. Diese Forderung habe die Elbphilharmonie tatsächlich eingelöst, meint Kesting:

"Ich denke schon, dass es ein Haus für alle geworden ist, auch weil sich die Preise doch in einem vernünftigen Rahmen halten. Insofern ist der Vorwurf des Elitären, der ja immer allzu leichtfertig erhoben wird, nicht berechtigt. 'Kultur für alle' war bereits vor 40 Jahren in Frankfurt und Nürnberg bei Glaser und Hofmann ein Programm in der SPD-Regierungszeit: Wir wollen ein Kulturangebot haben, das für alle zugänglich und erreichbar ist."

Ein Jahr Elbphilharmonie - hören Sie dazu auch unser Gespräch mit dem Hamburger Linken-Politiker Norbert Hackbusch. Er kritisiert: "Ich hätte mir unter einem 'Haus für alle' vorgestellt, dass man dort auch unterschiedliche kulturelle Genüsse hat - nicht nur die Musik."
Mehr zum Thema

Architekturdebatten 2017 - Von Elbphilharmonie bis Brutalismus
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 24.12.2017)

100 Tage Elbphilharmonie - Haben sich die hohen Erwartungen an die Akustik erfüllt?
(Deutschlandfunk, Streitkultur, 22.04.2017)

Elbphilharmonie - Niemand wird in 20 Jahren von den Kosten reden
(Deutschlandfunk Kultur, Kommentar, 14.01.2017)

Tonart

Lucy Rose live Musik tröstet - einen selbst und andere
Die Sängerin hat ihre Gitarre auf dem Schoß und blickt in die Kamera. (Lucy Rose / Laura Lewis)

Die englische Songwriterin Lucy Rose hat sich getraut, auch Songs ohne Worte in ihr neues Album "No Words Left"aufzunehmen. Die Arbeit daran war ihr Trost und Hoffnung in einer schwierigen persönlichen Situation: Die Erfahrung des Trosts will sie weitergeben.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur