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Thema / Archiv | Beitrag vom 25.06.2008

"Ein genialer Schilderer der Macht"

Verleger Klaus Wagenbach würdigt Franz Kafka anlässlich seines 125. Geburtstages

Franz Kafka, Schriftsteller (AP)
Franz Kafka, Schriftsteller (AP)

Es sei "eine ganz klare Sprache, in der die seltsamsten Dinge passieren", sagt der Verleger Klaus Wagenbach über das Werk von Franz Kafka. Er sei vor allem "ein genialer Schilderer der Macht" gewesen, betonte der Verfasser mehrerer Kafka-Bücher. Der 125. Geburtstag des Schriftstellers jährt sich am 3. Juli.

Jürgen König: Am 3. Juli jährt sich der Geburtstag des Schriftstellers Frank Kafka zum 125. Mal. Wir werden in den nächsten Tagen bis zum 3. Juli immer wieder darauf eingehen. Heute beginnen wir mit einem Gespräch mit der dienstältesten Witwe Franz Kafkas. Der Verleger Klaus Wagenbach hat sich selbst mal scherzhaft so genannt. Wir haben ihn in seinem Verlag besucht. Klaus Wagenbach, der über Kafka promovierte. Sein Buch "Frank Kafka Biografie seiner Jugend", das sorgte 1957 für ziemliches Aufsehen, weil da jemand, nicht nur Kafka interpretiert hatte, sondern wie ein Journalist seinen Lebensspuren nachgegangen war, in der Tschechoslowakei, in Israel, was bis dahin, weil kompliziert, noch niemand je so getan hatte.

Dieses Buch hat Klaus Wagenbach vor zwei Jahren in überarbeiteter Form neu herausgegeben. Der Band enthält auch mehrere Essays, u.a. einen, in dem Wagenbach von Beginn seiner Liebe zu Kafka erzählt, 1950 war das. Da drückte Herr Hirschmann vom Verlag S. Fischer dem Buchhändlerlehrling Wagenbach ein, Zitat, "braunes, schäbig gedrucktes Buch für eine Umfangschätzung" in die Hand und sagte, Bub, schätz das mal. Und der 20-jährige Klaus Wagenbach nahm dieses Buch, begann die Zeilen zu zählen und las folgenden Satz. Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Morgens verhaftet. Nach diesem Satz, nach der Lektüre dieses Satzes, habe ich Klaus Wagenbach als Erstes gefragt. Herr Wagenbach, was hatte dieser Satz damals für Sie, dass Sie sich sofort in den Autor dieser Zeilen verliebten?

Klaus Wagenbach: Na, so schnell ging es nicht. Es kam mir nur sehr seltsam vor, weil man las damals nach dem Krieg die heißen, scharfen, verbotenen Sachen von Hemingway bis Seghers und (…) und Faulkner. Es war irgendwie merkwürdig. Ich habe mir einfach erst mal beschafft, was der so noch geschrieben hat. Und da war glücklicherweise der "Landarzt" dabei, mit mir damals schon vielen entrutschten Lachern. Und ich dachte, seltsam, was mag das wohl sein. Ein Autor, der ein so wunderbares, das hat mich natürlich fasziniert, sofort, ein wunderbares Deutsch, ganz klar, nur mit der allerobersten Klasse zu vergleichen, ganz sauber, rein, fast naiv, eine ganz klare Sprache, in der die seltsamsten Dinge passieren, Affen reden, Mäuse singen, Pferde kommen aus dem Schweinestall.

König: Man findet sich in einen Käfer verwandelt morgens.

Wagenbach: Ja, morgens wacht man auf, in einen Käfer verwandelt. Eine Maschine macht sich selber kaputt, seltsame Bilder. Und dann habe ich mir gedacht, was mag das für ein Mann sein. Das ist ja häufig, wenn man sich für einen Autor interessiert, dann will man ein bisschen was über sein Leben wissen. Das ist Lesernatur.

König: Lesen Sie Kafka heute noch regelmäßig?

Wagenbach: Ja, ja. Natürlich. Ich lese ihn auch gerne vor, strafweise, nicht. Wenn einer zum Beispiel sagt, bei Kafka muss man nicht lachen. Da habe ich schon hartleibige Lehrerkollegien bestehend aus 40 Köpfen, habe ich schon zum Lachen gebracht.

König: Geben Sie uns ein Beispiel für Kafkas Humor.

Wagenbach: Na ja, dieser zum Beispiel Artist, oben in der Zirkuskuppel, der da sitzt und nicht runter will. Und die armen Zirkusleute, die ziehen ihm sogar das Essen hoch. Und er bleibt da immer auf seiner Stange sitzen. Und plötzlich fällt der Satz, na, da oben war auch die Luft besser. Und sehen Sie, diese Erzählung, die strotzt vor Komik. Ein Zirkus muss ja umziehen, also werden Rennautos bestellt, die ihn sozusagen oben von der Stange holen, in rasendem Tempo zum Bahnhof fahren und dort klettert er sofort ins Gepäcknetz, damit er wieder irgendwo oben ist. Und dann, da es ihm doch nicht genug oben ist, weint er. Und der Impresario fragt ihn, was weinst du denn. Und dann sagte er den im Übrigen auch ein bisschen schweinischen Satz, wie soll ich denn leben mit nur einer Stange in der Hand. Ich möchte eine zweite. Es ist wirklich eine saukomische Geschichte.

König: Und da haben die 40 Pädagogen, die Sie erwähnten, auch gelacht?

Wagenbach: Ja, ich habe sie streng angeguckt.

König: Und da mussten sie?

Wagenbach: ... ordnungsgemäß gelacht.

König: Wenn man Kafka heute liest, meinetwegen den "Prozess" oder "Das Schloss" oder den "Verschollenen" oder den "Heizer" oder was auch immer liest, dann hat man oft den Eindruck, so einen Kosmos vor sich zu haben, ein in sich fast geschlossener, verschlüsselt. Man ist natürlich immer begierig zu deuten, und dann meint man es auch gefunden zu haben. Aber der Sinn entzieht sich einem gleich wieder. Wäre das eine Art, den Sog zu beschreiben, den diese Texte ausüben, dass man tatsächlich da hineingezogen wird, obwohl man eigentlich an konkretem Grund nie so sehr viel bekommt?

Wagenbach: Nein, nein. Das ist sicher, dieses Gespinst aus vielen Fäden, zum Beispiel hier Odradek, "Die Sorge des Hausvaters", wo der Hausvater sieht, da gibt es irgend so ein seltsames Tier im Haus. Man weiß aber nicht, ob es ein Tier ist, weil es sieht eigentlich aus wie eine Zwirnspule. Sie hat so Fetzen hinter sich herziehend, und sie spricht aber in so einem ganz hohen Fistelton. Und wenn man sie fragt, wie heißt du, dann sagt sie, Odradek. Und wenn du sagst, wo wohnst du, unbestimmter Wohnsitz. Wenn Sie das jemanden nur, wie ich es eben gemacht habe, erzählen, dann fallen Ihnen schon zwölf Fragen ein, warum, wieso, warum ist der so, und warum redet der überhaupt, wenn er gar kein Tier ist, oder ist er doch ein Tier und nicht ein Zwirn. Das ist ein klassischer Text von Kafka, ungeheuer anregend, nach allen Seiten offen und ein freies Feld für Spekulationen. Die Literatur ist riesig.

König: Wurde über irgendjemanden noch mehr geschrieben und gedeutet?

Wagenbach: Sehr wenig, ja, weil er auch so offen ist. Es gibt zum Beispiel eine ganz bestimmte Fraktion unter den Kafkologen, die wollen immer feststellen, ob nun diese Tür, an der er jeden Tag vorbeigegangen ist, ob die nun tatsächlich dem Hausarzt gehörte oder nicht, weil Kafka solche Möglichkeiten bietet im Tagebuch. Tagebücher von Schriftstellern sind ja etwas Gefährliches. Das wissen manche Philologen nicht. Aber ich weiß es, weil ich Verleger bin. Die lügen nämlich auch, und zwar sich selbst auch an, erstens. Zweitens schreiben sie keineswegs alles auf. Im Gegenteil, sie verschweigen manches, was ganz wichtig ist. Drittens, der Text, der da steht, ist oft der Ansatz für eine Erzählung, das heißt für etwas ganz anderes. So kommen dann solche berühmten Notizen zusammen, hier zum Ersten Weltkrieg, Kriegserklärung an Serbien, nachmittags Schwimmschule. Hach, haben sich die Philologen natürlich aufgeregt und gesagt, das ist aber eine Schweinerei. Der geht einfach auf die Schwimmschule, während der Krieg ausbricht. Alles Quatsch. Seine Antwort auf den Ersten Weltkrieg ist die zweite Monate später entstandene "Strafkolonie" und der vier Wochen später entstandene "Prozess". Das sind seine Antworten unter anderem natürlich, während Hoffmannsthal oder Thomas Mann da die Jubelschreie losgelassen haben.

König: Wenn man heute "Das Schloss" liest oder den "Prozess", dann hat man auch als Nichtphilologe sofort dieses Gefühl der Vereinzelung der Ohnmacht gegenüber einem Apparat, einer Macht, die man nicht näher definieren kann. War das Kafkas Lebensgefühl? Meinte er das, wenn er von seiner ständigen Unsicherheit spricht?

Wagenbach: Also eines ist sicher, das hat Canetti ja auch sehr genau beschrieben, er ist ein genialer Schilderer der Macht. Und das ist natürlich, da wir alle in einem viel größerem Umfang, als wir es uns wünschen, der Macht unterliegen, welcher auch immer, ist es ein Massenschicksal. Das berührt uns daran. Was die Unsicherheit betrifft, so war das auch ein Generationsschicksal. Das waren alles diese Söhne von Kaufleuten im expressionistischen Jahrzehnt dann, von Sternheim über Werfel, gerade seine engere Umgebung, Max Brod. Es waren alles Söhne, die keine Kaufleute werden wollten, sondern was anderes. Das passte nicht in den Lebensplan ihrer Väter. Da gab es natürlich Unsicherheit. Eine Unsicherheit ganz anderer Art war die durch die Texte selber. Denn durch seinen Lebensstil und seine Texte gehörte er in einem Maße der Moderne an, die auch vereinzelt, das ist das Problem jeder Avantgarde, die sich gegen die Gesellschaft stellt, ist sie erst mal einsam, logisch. Und Kafka war in irgendeiner Weise in dieser Lage. Denn, wie Sie wissen, er hat ja vegetarisch gegessen, er hat den ganzen Unsinn mitgemacht, wie wir heute sagen. Aber das war der Beginn der Moderne, Freikörperkultur, frische Luft, im Leben sitzen, die Sachen 37-mal kauen, keine Korsetts, moderne Möbel. Kafka wollte Möbel haben von Hellerau, da gab es die deutschen Werkstätten ein Jahr, sofort. Das waren die einzigen modernen Möbel. Das wird unterschätzt. In der Regel wird unterschätzt, dass er ein Mann der Moderne war. Und das Letzte ist natürlich sein Beruf. Der Beruf hat ihn in einer Weise mit der Macht in Zusammenhang gebracht, die nicht deutlicher hätte sein können. Er saß mitten als Beamter der Arbeiterunfallversicherungsanstalt. Jede Biografie, die auch nur weniger als 30 oder 50 Seiten über die Arbeiterunfallversicherungsanstalt schreibt, ist erlogen, weil das war seine Tätigkeit. Es nützt ja nichts zu wissen, wie er ins Büro kam und wie er wieder rausgeht, sondern was hat er im Büro gemacht, und was hat er in Nordböhmen gemacht bei seinen Kontrollgängen, und in welcher Weise ist ihm da das Kapital entgegengetreten.

König: Sie gehen in Ihrem Buch in einem Essay sehr darauf ein, betonen auch immer wieder, dass Kafka der Einzige gewesen wäre, der zu dieser Zeit die Fabriken die Fabriken auch tatsächlich kannte und über die Arbeiterschaft substanzielle Aussagen machen konnte, Texte schrieb wie "Die besitzlose Arbeiterschaft". War Kafka ein Linker?
Wagenbach: Das ist die berühmte Frage, die sozusagen den Kalten Krieg durchzog. Das Unglück fing damit an, dass ein sehr netter, langjähriger, ich habe ihn gut gekannt noch, Hugo Bergmann, ein Schulkamerad von ihm, dem es glückte, nach Israel zu entkommen, der hat sehr schöne Erinnerungen, einen kleinen Text. Und da hat er gesagt, Kafka habe als Sozialist, hat immer die rote Nelke getragen, natürlich nur außerhalb der Schule, und ist einmal, als wir irgendwie in einer vorstudentischen Vereinigung waren, als (…) ist er sitzen geblieben bei Absingen der "Wacht am Rhein", das war so ein nationalistisches Lied, flogen sie raus, beide. Der Mann, der das geschrieben hat, ist ein äußerst unverdächtiger Herr, ein liberal-konservativer, sehr netter, freundlicher Mann und mit hervorragendem Gedächtnis. Es ist einfach Blödsinn, das zu bestreiten. Andererseits, natürlich war Kafka kein Parteimann. Der ist zu sozial-demokratischen Massenversammlungen gegangen wie zum Beispiel die von Soukup, dem Chef der sozialdemokratischen Parteien, der tschechischen, er sprach ja gut tschechisch, über Amerika, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung usw. Zu so was ist er hingegangen. Oder wenn es um Erziehungsfragen ging, es wurde noch 1910 ein bedeutender Pädagoge Francisco Ferrer in Spanien von der Justiz einfach zum Tode verurteilt und umgebracht. Dagegen gab es eine große Protestversammlung in Prag. Dann hat er an Freunde, alle Freunde, hat er immer die Memoiren einer Sozialistin von Lily Braun oder er hat Kropotkin gegenseitige Hilfe im Menschen- und Tierreich, solche Sachen. Wir legen die Frage ab.

König: Das machen wir. Wenn Sie heute jemandem, der interessiert, aber sich, sagen wir ruhig mal, an den Kafka noch nicht so richtig herantraut, irgendeinen Zugang empfehlen sollten, was würden Sie nennen, die Einstiegsdroge?

Wagenbach: Sie treffen ins Herz. Natürlich den "Landarzt". "Der Landarzt", ich meine jetzt den Band "Landarzt", ein wunderbares Buch. Aber da sieht man, was mich natürlich auch berührt als Verleger, man sieht das Schicksal von Büchern. "Der Landarzt", meiner Meinung sein schönstes Buch zu Lebzeiten. Da sind alle diese vor dem Gesetz und Richter der Akademie und der Landarzt und die kaiserliche Bourgeoise, die sind da alle drin. Dieses Buch hat nicht eine einzige Rezension bekommen, das muss man sich mal vorstellen, 1920, nicht eine. Es wurden, weiß ich, 300 Exemplare verkauft. Das Buch war lieferbar bis in die Nazizeit, dann wurde es eingestampft. Aber wenn man darüber nachdenkt, auch das erste Buch von Kafka, da wissen wir die Auflage, 800 Exemplare.

König: Aber noch mal zurück zu dem Leser, der ja nun wissen möchte, warum "Der Landarzt" so schön ist. Wie würden Sie die Schönheit dieser Geschichten oder eine vielleicht nahe bringen?

Wagenbach: Ja, ich würde den "Landarzt" wählen, weil er so disparat ist. Da sind Legenden drin, da sind kurze Anekdoten drin, das nächste Dorf, man erreicht es nie. Da sind Parabeln drin vor dem Gesetz. Da zeigt Kafka wirklich, was er kann. Da ist diese wunderbare Rede des Rotpeter vor akademischem Publikum. Da ist der seltsame Landarzt selber mit dieser rätselhaften Stelle am Ende, "ich, Landarzt, da zu Hause, sitzt der Pfarrer, Priester und er zupft die Messgewänder, und ich soll reisen hier ohne Pelz durch die Kälte des unglückseligsten Zeitalters". Da denkt man immer, die Sprichwortähnlichkeit, auch im "Landarzt" selber, "freut euch ihr Patienten, der Arzt ist euch ins Bett gelegt". Ja, was soll man damit anfangen? Es ist ein sehr erheiternder, und da zeigt Kafka wirklich, was er kann.
König: Wären die Briefe auch ein Mittel, an seine Verlobten? Wie würden Sie überhaupt Kafkas Verhältnis zu den Frauen charakterisieren?

Wagenbach: Fragen Sie mich doch mal was Einfaches. Ich muss es immer wieder erklären, ich habe es hundertmal gesagt, aber ich sage es gerne 101-mal. Kafka war der festen Überzeugung, dass das Leben und das Schreiben sich nicht miteinander vertragen. Und zum Leben gehörten die Frauen. Und zum Schreiben gehörte ein Keller mit drei Sicherungstüren und halb dunkel und kein Lärm weit und breit. Das war nicht kompatibel.

König: Dafür hat er aber sehr viele und auch sehr schöne Briefe an Milena zum Beispiel geschrieben.

Wagenbach: Das war ein schöner Mann. Die Frauen sind ihm nachgelaufen. Das ist was anderes. Und in der Formulierung seines Unglücks war er Meister. Da gebe ich Ihnen recht, ja.

König: Ich meine nur, wenn Sie sagen, eigentlich wollte er nur seine Ruhe haben.

Wagenbach: Unsereiner sagt, ich bin unglücklich. Kafka brauchte da mindestens 20 Sätze für, eine genaue Beschreibung des Unglücks. Das ist wohl wahr, ja. Wenn man es mag, ja, doch.

König: Haben Sie noch heute Neugier, bei Kafka irgendetwas herausfinden zu wollen, was Sie immer noch nicht ...

Wagenbach: Ja, kommt immer noch was zu.

König: Zum Beispiel?

Wagenbach: Letztens eine Großmutter und ein Tänzerin, hier auch in diesem Buch, im neuen Band ...

König: Dem Bildband?

Wagenbach: ... sind über 100 neue Bilder. Doch, doch es kommt immer noch was hinzu. Manchmal, sogar jetzt, ist ein, wenn auch sehr kurzer Brief von Kafka in Prag noch zutage getreten. Es gibt noch nicht viel. Ich habe nicht die mögliche, aber unwahrscheinliche Hoffnung auf Prager Dachböden.

König: Noch was zu finden?

Wagenbach: Ja, kann sein, aber nicht sehr wahrscheinlich.

König: Auf Ihrem Bücherregal steht Kafka neben Che Guevara in schöner Eintracht. Ist das Zufall?

Wagenbach: Ja, so war es. Und ein Kaninchen, ja. Das ist unser Wappentier. Karnickel ist unser Wappentier, weil es sehr berlinisch ist. Aber es gehört jetzt nicht zur Sache. Es ist proletarisch, viel verbreitet, ist kunstfertig, kann diesen Haken, lebensrettend, ist nicht aggressiv, sondern hat viele Feinde und überlebt durch Angst auch, immer wachsam sein, gibt es auf der ganzen Welt wie Brunnen und hat nur Verteidigungsinstrumente, hauptsächlich natürlich, das Hecken von weiteren Karnickelgenerationen.

König: Wir stehen jetzt kurz vor Kafkas 125. Geburtstag. Was würden Sie ihm schenken, wenn er noch leben würde?

Wagenbach: Was ich ihm schenken würde?

König: Macht man doch so zum Geburtstag. Ich meine, Sie als seine dienstälteste Witwe, sind da doch in einer besonderen Pflicht.

Wagenbach: Ja, ja. Hat mich noch nie jemand gefragt. Ich würde mich mal bei Ohropax schlau machen, wie die neue Entwicklung da aussieht in Schutzvorrichtungen gegenüber größerem Lärm. Und dann würde ich ihm natürlich sofort eine Reise in die Toskana mit leichter Verlängerung bis Orvieto schenken, weil in Orvieto ist ein großes Fresko von Signorelli, was er mochte und nur in einer Abbildung kannte, er ist nie hingekommen. Das wäre, glaube ich, das teurere Geschenk.

König: Der Verleger Klaus Wagenbach im Gespräch über den Schriftsteller Frank Kafka. Dessen 125. Geburtstag jährt sich am 3. Juli. Dieses Gespräch haben wir im Büro von Klaus Wagenbach aufgenommen.

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