Seit 23:05 Uhr Fazit
Samstag, 16.10.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.01.2017

Ehrenpreis beim Max Ophüls FestivalFilmproduzent Peter Rommel sieht sich vor allem als Coach

Moderation: Korbinian Frenzel

Der Produzent Peter Rommel bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2011 (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Der Produzent Peter Rommel freut sich über den Ehrenspreis des Max Ophüls Festivals: Dieser sei eine "große Ehre", sagt er (dpa / picture alliance / Tobias Hase)

Der Produzent Peter Rommel ist ein großer Förderer von Talenten beim Film – dafür bekommt er beim Max Ophüls Festival, das heute beginnt, den Ehrenpreis. Rommel sieht sich in seiner täglichen Arbeit vor allem als Coach: "Ähnlich wie beim Fußball".

"Peter Rommel steht mit unbedingter Leidenschaft und großem Mut hinter seinen Projekten und vor allem auch hinter den Filmschaffenden. Mit Liebe und Begeisterung entstehen Werke, die Grenzen ausloten."

So begründet das Max Ophüls Festival die Vergabe des diesjährigen Ehrenpreises an den Produzenten.

Rommel gilt als Entdecker von Andreas Dresen – er produzierte "Halbe Treppe", "Sommer vorm Balkon" und "Halt auf freier Strecke". Und auch David Wnendts "Feuchtgebiete" entstanden mit Rommel im Hintergrund.

Den Produzenten bei Filmprojekten sieht Rommel als eine Art Coach und Trainer, ähnlich wie beim Fußball – "der alle Leute zusammenbringt und sie bestmöglich motiviert". Filmemachen ist für ihn Teamarbeit – es gehe um ein "gemeinschaftliches Ringen", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Insgesamt gibt es laut Rommel viele begabte Filmemacher und Talente in Deutschland, die auch viele gute Geschichten im Köcher haben:

"Die Problematik besteht eher darin, dass man diese Filme kaum noch außerhalb der Festivals sieht, weil die Leinwände doch sehr blockiert sind von anderen, größeren Filmen und es letzten Endes immer (nur) um den kommerziellen Erfolg geht."

(ahe)



Das Gespräch im Wortlaut:

Korbinian Frenzel: Heute beginnt in Saarbrücken das Filmfestival, das alle die im Blick hat, die noch nicht alle im Blick haben: junge Filmemacher – das Filmfestival Max-Ophüls-Preis für den jungen deutschsprachigen Film, und dort wird in diesem Jahr auch ein Mann geehrt, der, so sagt es die Jury, "eine ansteckende Leidenschaft hat, die Talente für ihre künstlerische Entwicklung so dringend brauchen". Die Rede ist von Peter Rommel, Produzent vieler, vieler Filme. Ich habe ein paar gerade genannt – "Halbe Treppe", "Sommer vorm Balkon", "Sie haben Knut". Peter Rommel, guten Morgen, und herzlichen Glückwunsch zu diesem Ehrenpreis!

Peter Rommel: Herzlichen Dank und auch guten Morgen! Das ist wirklich frühe Stunde, nenne ich sowas.

Frenzel: In der Tat, in der Tat! Nichtsdestotrotz können Sie uns vielleicht auch zu dieser frühen Stunde noch vor dem ersten Kaffee sagen, was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Rommel: Zunächst mal ist es eine große Ehre und auch eine große Freude, und man wundert sich im allerersten Moment, wenn man den Anruf bekommt, also wie alt ist man jetzt gerade worden, ah, 60. Jetzt kommen diese Preise, diese Ehrenpreise. Für mich ist schon schade, dass ich noch ein paar Jahre meine Geschichten, also die Geschichten der Filmemacher erzählen will, und dass es das noch nicht war, aber ich nehme ihn heute Abend wirklich sehr gerne und mit voller Stolz entgegen, auch gerade in Anwesenheit meiner Familie, gerade meiner Mutter, meiner 91-Jährigen. Das ist schon eine ganz besondere Geschichte für mich heute hier in Saarbrücken.

Der deutsch-französische Regisseur Max Ophüls - aufgenommen im Jahr 1952. (dpa - Bildarchiv - Kurt Rohwedder)Der deutsch-französische Regisseur Max Ophüls (1952) (dpa - Bildarchiv - Kurt Rohwedder)

Frenzel: Es ist ja auch ein Ehrenpreis, sicherlich mit einer stärkeren Begründung als wenn es jetzt, ich sage mal, nur das Lebenswerk wäre. Ich habe es anfangs gesagt, die Begründung der Jury, wie Sie arbeiten, dass das jungen Filmemachern Inspiration geben kann und geben soll. Was ist Ihnen wichtig, was sollen sich junge Filmemacher bei Ihnen abgucken?

Filmemachen ist gemeinschaftliches Ringen

Rommel: Zum allerersten Mal, dass Filme eigentlich als Teamarbeit und als gemeinschaftliches Ringen um den bestmöglichen Film geht, dass man die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken als großen Bestandteil, festen Bestandteil dieser Arbeit sieht, dass es weniger darum geht, einen Film zu machen oder den Film muss ich machen, sondern dass im besten Fall der Regisseur oder Autor-Regisseur mit dem Produzenten und seiner Produktionsfirma, den Leuten, dem Team einen Film gemeinsam über eine lange Wegstrecke herstellt. Das ist nicht so einfach an sich.

Frenzel: Welche Jobbeschreibung, welche spezielle Rolle hat dabei der Produzent, welche Rolle sollte er haben?

Rommel: Ähnlich wie beim Fußballtrainer, der Coach, der alle Leute zusammenbringt und sie motiviert und sie bestmöglich aufstellt, um dann bei den Dreharbeiten die Geschichte umzusetzen und dann auch möglichst alle gemeinsam den Film bei der Uraufführung, wie zum Beispiel den Max-Ophüls-Preis, zu feiern.

Frenzel: Sie haben viele Filme gemeinsam mit Andreas Dresen gemacht, Sie gelten als sein Entdecker. Das kann man bestimmt auch von David Wnendt sagen, mit dem Sie ja "Feuchtgebiete" zusammen gedreht haben. Wie entdeckt man Talent, woran erkennen Sie es?

Rommel: Neugier und Offenheit. Man kann diese Begegnungen, glaube ich, nur bedingt hervorzaubern oder zwingend gestalten. Es ist schon so, dass man eine eigene persönliche Neugierde für bestimmte Themen, auch für Menschen haben muss, und dann begegnen einem solche Menschen, solche großen Talente, wie zum Beispiel ganz am Anfang Andreas Dresen, den ich über seine Kurzfilme kennengelernt habe von der HFF Potsdam-Babelsberg und extrem neugierig geworden bin, was hat dieser Mensch sonst noch zu erzählen, und so hat eine lange und eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit ihren Anfang genommen, und wir sind bis heute ja gut befreundet und arbeiten auch eng zusammen. Das ist schon was Besonderes, also das gibt es nicht so alle Tage.

Frenzel: Wenn wir aufs Heute schauen: Wie steht es aus Ihrer Sicht um den deutschen Filmnachwuchs, der sich ja jetzt auch in den nächsten Tagen in Saarbrücken da versammeln wird?

Viele gute Filmemacher, viele gute Geschichten

Rommel: Insgesamt kann ich sehen, dass es sehr, sehr viele begabte Filmemacher gibt in ganz Deutschland, im ganzen deutschsprachigen Raum. Die Problematik besteht eher darin … Also wir haben viele Talente, gute Geschichten. Die Problematik besteht darin, dass man diese Filme kaum noch außerhalb der Festivals sieht, weil die Leinwände doch sehr blockiert sind von anderen größeren Filmen und es letzten Endes immer um den kommerziellen Erfolg geht, und deswegen verschwinden diese tollen und intensiv gemachten Filme schnell von der Kinoleinwand wieder, und das normale Publikum kriegt sie einfach nicht zu sehen.

Frenzel: Was müsste denn da passieren? Ich meine, Deutschland ist ja ein Land, das eine recht großzügige Filmförderung hat im Vergleich zu anderen Ländern. Bräuchten wir auch eine Art Kinoförderung?

Rommel: Da bräuchte ich jetzt wirklich den Kaffee vorher, weil das ist ein zu komplexes Thema, um das so schnell zu beantworten, aber ich weise noch mal darauf hin, dass die Leinwände es sind, die einfach von den sehr kommerziell orientierten Filmen – das ist ja auch nichts Schlechtes, darf ja auch ruhig sein – aber das Miteinander, das ist in diesem Rahmen im Moment nicht so deutlich zu sehen, und auch noch mal ganz klar: 80, 90 Prozent der Leinwände gehören den amerikanischen Majors und sind eben im Besitz, im Abspielbesitz der amerikanischen Majors, mehr oder weniger indirekt, und deswegen besteht da nur eine minimale Chance, andere europäische Filme, auch deutsche Filme, auf diese Leinwände zu bringen.

Frenzel: Herr Rommel, eine Frage zum Schluss, auch wenn ich riskiere, dass Sie vielleicht einen Kaffee brauchen dafür, aber ich glaube es nicht, denn wenn es so ist, dann können Sie das direkt beantworten: Gibt es eine Geschichte, die Sie im Kopf haben, die Sie gerne noch produzieren würden?

Sein Traum: Eine Komödie a la Lubitsch

Rommel: Im Moment nicht. Das ist wirklich zu früh, aber ich habe sehr viele Geschichten noch im Kopf, die ich alle noch produzieren würde und sie auch in die Gesellschaft reingeben, weil es so viele Themen da draußen gibt und die Menschen schon auch noch ins Kino wandern, was ich toll finde, um im Kino ihr eigenes Leben zu reflektieren, zurzeit auch wieder mehr über die Komödie, und ich würde gerne, grundsätzlich kann man sagen, eine engagierte witzige Komödie a la Lubitsch bringen. Das wäre schon noch mal was, was ich gerne schaffen würde, aber das ist eine Meisterleistung. Also geben Sie mir noch ein bisschen Zeit.

Das Gaunerpaar Lily (Miriam Hopkins) und Gaston (Herbert Marshall) im Film "Ärger im Paradies / Trouble in Paradise" von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1932 (imago / United Archives)Das Gaunerpaar Lily (Miriam Hopkins) und Gaston (Herbert Marshall) im Film "Ärger im Paradies" von Ernst Lubitsch (1932) (imago / United Archives)

Frenzel: Machen wir! Zum sechsten Mal vergibt das Filmfestival um den Max-Ophüls-Preis einen Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film. Er geht in diesem Jahr an den Produzenten Peter Rommel. Herr Rommel, genießen Sie die Tage in Saarbrücken und besten Dank für das frühe Gespräch!

Rommel: Vielen Dank Ihnen und liebe Grüße! Jetzt erst mal einen Kaffee, okay! Ciao!

Frenzel: Genießen Sie ihn!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Mehr zum Thema

Deutsche Filmbranche - Die Misere der Filmförderung
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 22.06.2016)

Bundeskabinett ändert Filmförderung - "Kreative an den Rand gedrängt"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 23.03.2016)

Deutsche Filme - Gefeiertes Debüt – und dann?
(Deutschlandradio Kultur, Wortwechsel, 12.02.2016)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Maler Werner BüttnerEin "junger Wilder" geht in Rente
Für das Gemälde "Rosenscharmützel" wählte Werner Büttner die Umsetzung mit Öl auf Leinwand (2007). (Werner Büttner / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Egbert Haneke)

Seit den 1980er-Jahren mischte Werner Büttner mit provozierenden Bildern das Kunst-Establishment auf. 32 Jahre lang lehrte er zudem als Kunstprofessor in Hamburg. Zum Abschied widmet ihm die Kunsthalle Hamburg eine Retrospektive: "Last Lecture Show".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur