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Im Gespräch | Beitrag vom 18.05.2020

Ehemaliger Diplomat Martin Kobler„Ich bin eher auf der abenteuerlustigen Seite“

Moderation: Marco Schreyl

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Der Diplomat Martin Kobler spricht mit Migranten in Tripolis, Libyen, 21. Februar 2017.  (picture alliance / Photoshot / Hamza Turkia)
Das Spätzle-Brett und die Rezepte seiner Mutter waren immer dabei: Martin Kobler im Einsatz, hier 2017 in Tripolis. (picture alliance / Photoshot / Hamza Turkia)

Kongo, Libyen, Pakistan – Martin Kobler hätte es in seinem Diplomatenleben auch geruhsamer, einfacher und vor allem sicherer haben können. Doch ihn reizten eher Krisenherde und humanitäre Einsätze als eine Karriere in Washington oder Paris.

Das Gefühl von Zuhause – das kann in Addis Abeba auch eine Käsespätzle-Reibe sein. Der ehemalige Diplomat Martin Kobler, gebürtiger Schwabe, hatte das Küchenutensil bei all seinen Auslandsaufenthalten dabei, ob in Pakistan, Kongo, Libyen oder jetzt in Äthiopien, wo seine Frau die deutsche Botschaft leitet:

"Die Schaber habe ich alle mitgebracht. Das Spätzle-Brett und die Rezepte meiner Mutter. Das war immer im Gepäck."

Demnächst werden die Käsespätzle nun wieder in Deutschland zubereitet - wenn auch seine Frau Brita Wagener ihren diplomatischen Dienst beendet und es zurück nach Europa geht.

Kinshasa und Islamabad statt Washington

Über Jahrzehnte war Martin Kobler als Diplomat in der Welt unterwegs - als deutscher Botschafter in Ägypten, im Irak und in Pakistan, als UN-Sonderbeauftragter für den Irak, als Leiter der UN-Friedensmission im Ostkongo und UN-Sondergesandter in Libyen.

"Mich haben von Anfang an eher die herausfordernden Situationen interessiert", erzählt Kobler. Es habe ihn nie an die prestigeträchtigen Arbeitsplätze in Paris oder Washington gezogen. Das sei auch eine Typ-Frage: "Ich bin eher auf der abenteuerlustigen Seite und wollte deswegen auch zum Auswärtigen Amt."

"Man muss natürlich mit der Gefahr leben", sagt Kobler. "Der Missionsleiter hat seine Linie, die nicht allen passt." Er selbst war Ziel eines geplanten Anschlags: "Wenn man Islamisten bekämpft, muss man natürlich damit rechnen, dass sie sich gegen einen selbst stellen."

Geduld und Respekt sind wichtig

Einige Eigenschaften, die für das Diplomatenleben hilfreich sind, habe er erst lernen müssen, räumt Kobler ein: So sei er von der "Grundstruktur" her eher ein ungeduldiger Mensch.

Anderes wiederum kann man sich laut Kobler nicht aneignen, sondern muss es mitbringen. "Das Wichtige ist, dass man Respekt vor jedem hat und dass man das auch authentisch rüberbringt. Das können Sie nicht lernen, das müssen Sie haben."

Das heiße aber nicht, dass man "jeden Mist, den die Verhandlungspartner manchmal von sich geben, akzeptiert. Im Gegenteil." Man könne rote Linien trotzdem sehr klar ziehen, das hätten die Vereinten Nationen beispielsweise in Libyen gemacht:

"Wir reden mit Milizen, wir reden auch mit Menschenrechtsverletzern, aber wir haben nie mit dem Islamischen Staat geredet."

Die harte Schule des Joschka Fischer

Besonders prägend war für den 1953 in Stuttgart geborenen Kobler die Zeit als Büroleiter des damaligen Bundesaußenministers Joschka Fischer. Den 11. September 2001, den Afghanistan-Krieg, den Irak-Krieg und die schwierigen politischen Entscheidungen, die mit alldem einhergingen, hat Kobler unmittelbar an Fischers Seite miterlebt. Er sei dem Grünen-Politiker bis heute dankbar:

"Diese Posten in Afghanistan, im Irak, in Libyen  und im Kongo, die hätte ich nie ohne die harte Schule, durch die wir bei Joschka Fischer gegangen sind, so bewältigt."

(era)

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