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Interview | Beitrag vom 17.09.2019

Edward SnowdenDie gemischte Bilanz des Whistleblowers

Markus Beckedahl im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Das Foto zeigt eine Kölner Laterne, aber der ein Aufkleber klebt, der das Konterfei von Edward Snowden mit der Forderung nach Asyl für den Whistleblower zeigt. (dpa / picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)
An einer Kölner Laterne: Konterfei von Edward Snowden mit der Forderung nach Asyl. (dpa / picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)

Edward Snowden hat seine Biografie geschrieben. Aber was hat der Whistleblower wirklich erreicht? Computer seien sicherer geworden, sagt Netzpolitik.org-Chefredakteur Markus Beckedahl. Doch die Befugnisse der Geheimdienste wurden massiv ausgebaut.

Edward Snowden ist weltbekannt – doch er hat nicht viel davon. Snowden lebt in Moskau, er kann Russland nicht verlassen.

Nun erscheint Snowdens Biografie. Was hat der Whistleblower erreicht? Der Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org, Markus Beckedahl, zieht eine gemischte Bilanz.

Mehr Verschlüsselungen, mehr Geheimdienstbefugnisse

"Auf der einen Seite hat Snowden mit seinen Enthüllungen erreicht, dass die IT-Welt, dass die Computer sicherer geworden sind. Dass sie mehr Verschlüsselungen eingebaut haben", sagt er.

Auf der anderen Seite hätten die Enthüllungen aber auch dazu geführt, dass viele Regierungen mehr Geld in die Geheimdienste gesteckt und über den Ausbau von deren Befugnissen die Überwachung massiv ausgebaut hätten.

"Befriedigend ist die Situation im Moment nicht", betont Beckedahl.

Kein faires Verfahren für Snowden in den USA

Beckedahl hat Verständnis für Snowdens Wunsch nach Asyl in Westeuropa. In den USA erwarte den Whistleblower kein faires Verfahren, sagte der Journalist.

Snowden würde dort nach dem Espionage Act belangt werden, sagt Beckedahl. Das amerikanische Bundesgesetz wurde 1917 erlassen:

"Es würde alles von Geheimgerichten entschieden werden. Er könnte sich nicht richtig verteidigen. Und ich kann verstehen, dass er dann sagt, unter diesen Bedingungen bleibt er lieber in Russland in einer Diktatur. Weil: Da kann er sich wenigstens noch frei bewegen. In den USA hätte er wahrscheinlich noch nicht mal richtig Kontakt zu seinen Anwälten."

Snowden hatte ehemals für die CIA gearbeitet. Seine Enthüllungen sorgten 2013 für einen tiefen Einblick in die Arbeit der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste.

Das Ausmaß der Enthüllungen habe ehemals alle überrascht, sagt Beckedahl. Zwar hätten Experten geahnt, was an Überwachung möglich sei. Man habe aber vor Snowdens Enthüllungen Angst gehabt, in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gesteckt zu werden.

(ahe)

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