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Konzert / Archiv | Beitrag vom 28.11.2019

Educationprojekt "Rapauke" des Rundfunk-Sinfonieorchesters BerlinDie Würde des Menschen ist hörbar

Von: Stefan Lang

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Ein junger Mann schaut beim Laufen in die Gesetzessammlung des Grundgesetzes. (imago / JOKER / Hartwig Lohmeyer)
Auch Paragraphen können musikalisch verarbeitet werden. (imago / JOKER / Hartwig Lohmeyer)

Schüler der Sophie-Scholl-Schule Berlin haben mit Orchestermusikern die Artikel des Grundgesetzes in Songs verwandelt.

Es erscheint zunächst eine absurde Idee zu sein, Gesetzestexte vertonen zu wollen. Was haben trockene Paragrafen mit Musik zu tun? Das fragten sich auch die Musiker des Rundfunksinfonieorchesters und deren Musikvermittler, als der Vorschlag vom Deutschlandfunk Kultur aufkam. Die Idee entstand in Zusammenhang mit dem Aufruf des "Denkfabrik"-Projektes des Senders für das große Jubiläum zum Grungesetzes. Die Idee kam zur Umsetzung im Rahmen des Education-Programmes des Rundfunk-Sinfonieorchesters "Rapauke". 

Wie "klingt" ein Gesetz?

Die Aufgabe schien zunächst absurd. Doch desto kreativer wurde die Lösung von den Schülern der Sophie-Scholl-Schule in Berlin Schöneberg angepackt. Eine 7., eine 10. und ein Musik-Leistungskurs der 13. Klasse sowie eine Willkommensklasse beschäftigten sich an erster Stelle mit dem Text des Grundgesetzt.

Mit dabei die Komponisten Steffi Weismann, Bernadette La Hengst, Christoph Coburger und der Musiker des Orchesters Rudolf Döbler. Gemeinsam entwickelten sie Klang- und Geräuschmomente, Melodien und Instrumentalbegleitungen für die Gesetze, die so zu Songtexten wurden. Am Ende stellten alle fest: das war ein großer Spaß an der Musik – und den Paragraphen. Stefan Lang hat das Projekt begleitet.

Dieser Beitrag wurde ausgestrahlt im Rahmen folgender Konzertübertragung

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Mario Venzago
Himmlischer Trost nach irdischen Schrecken

Krieg und Schrecken hinterlassen ihre Spuren auch in der Musik. Trost findet der Mensch dabei in der Religion oder in der unbändigen Kraft der eigenen Lebenslust. All diese Lebenslagen werden in Werken von Messiaen, Saint-Saëns, Honneger und Bach gespiegelt.

Ein dichtes Programm menschlicher Emotions- und Empfindungszustände prägt das Programm, das das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Mario Venzago spielte.

Zuerst ein Werk Olivier Messiaens. Der zutiefst gläubige Katholik schrieb kaum ein Werk, ohne die Verherrlichung des Göttlichen mit hinein zu komponieren. Die "Hymne au Saint-Sacrement" ist ein frühes Orchesterwerk, das 1933 entstand. Nach dem Krieg musste er es allerdings restaurieren, weil die Partitur verloren gegangen war.

Reiselust in Musik gefasst

Im Kontrast folgt das ausgelassene 5. Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns mit dem Beinamen "Das Ägyptische". Geschrieben hat er es auf einer großen Reise durch Nordafrike, bei der er auch eine ausgedehnte Nilfahrt unternahm. Im dritten Satz hört man, wie die Schaufelräder des Schiffes sich stampfend in die Wellen des Nils rammen. Im zweiten Satz ist es eine alte nubische Weise, die hier besonders sehnsuchtsvoll von der Oboe übernommen wird. Ein Werk eines Komponisten voller Abenteuer- und Lebenslust. Der elegante Ton von Jean-Yves Thibaudet gibt dem Konzert immer eine besonders raffinierte Note.

Der Pianist steht vor seinem Flügel. (Jean-Yves Thibaudet / Andrew Eccles)Der extravagante Pianist Jean-Yves Thibaudet wird gern zum Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin eingeladen. (Jean-Yves Thibaudet / Andrew Eccles)
Arthur Honeggers 3. Sinfonie bringt Liturgisches in den Konzertsaal. Der Komponist war Schweizer Komponist mit französischer Ausprägung. Am Ende des zweiten Weltkrieges trieb ihn sein Gefühl der Gottverlassenheit zu einem sinfonischen Gebet. Und so ist die Sinfonie mit "Liturgique" überschrieben und die Sätze tragen Titel wie "Dies irae" oder "Dona nobis pacem".

Musikalische Großleinwand

Dem folgen zwei Bearbeitungen von Leopold Stokowski, der sowohl dem Lutherchoral, als auch der berühmten Toccata und Fuge d-Moll eine großsinfonische Bearbeitung geschenkt hat. Stokowski hat bei beiden Werken seine unbändige Lust an großen Klangflächen und schillernden Orchesterfarben ausgelebt. Die Musiker vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin können hier alle Register ihres Orchesterapparates ziehen.

Das Orchester steht auf der Bühne des großen Sendesaales des Berliner Funkhauses in der Masurenallee. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)Der "Große Sendesaal" im Haus des Rundfunks ist eine Heimat für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)

Aufzeichnung vom 24. November 2019 aus der Philharmonie Berlin

Olivier Messiaen
"Hymne au Saint-Sacrement" für Orchester

Camille Saint-Saëns
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur op. 103

Arthur Honegger
Sinfonie Nr. 3 ("Liturgique")

Johann Sebastian Bach
"Ein feste Burg ist unser Gott" – Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung in der Orchesterfassung von Leopold Stokowski

Johann Sebastian Bach
Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, Orchesterfassung von Leopold Stokowski

Jean-Yves Thibaudet, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Mario Venzago  

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