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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.05.2018

Edouard Louis polarisiert in Frankreich Ein neomarxistisches Pamphlet

Moderation: Sigrid Brinkmann

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Der französische Autor Edouard Louis (imago stock&people)
Der französische Autor Edouard Louis (imago stock&people)

"Wer meinen Vater getötet hat". - so lautet der Titel des dritten Romans des erst 25-jährigen französischen Autors Edouard Louis. Das Buch sei eine klare Anklage, meint Kritiker Dirk Fuhrig - gerichtet unter anderem an Staatspräsident Emmanuel Macron.

Es ist sein dritter Roman: Edouard Louis "Wer meinen Vater getötet hat", auf französich "Qui a tué mon père" (Deutsche Übersetzung gibt es noch nicht). Und damit hat Louis eine ausgesprochen radikale Anklage gegen die Gesellschaft in seinem Land, in Frankreich, verfasst: Sie töte Menschen, so Louis Vorwurf. Mindestens genauso schwer wie dieser Vorwurf wiegt auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung: ein Jahr nach der Amtseinführung von Emmanuel Macron, mit dem viele Franzosen sehr große Hoffnungen verbunden hatten. Dem Volk sei der Zugang zu Geld und Bildung versperrt und die Politik Macrons sei "extrem gewaltsam", so Louis Attacke. 

Er sagt: Schuld hat die Haltung der Gesellschaft

Für Deutschlandfunk-Kultur-Literaturkritiker Dirk Fuhrig ist Edourd Louis neuestes Werk nun eine klare Schuldzuweisung an die Adresse der Politik und an die Adresse von Präsident Macron: "'Wer meinen Vater getötet hat' - dieser Titel seines neuen Buches ist keine Frage sondern bereits eine Antwort. Er sagt: Schuld hat die Haltung der Gesellschaft, Schuld haben die Politiker und ganz konkret eben auch bestimmte Politiker." In Interviews zu seinem aktuellen Roman nenne Louis hier eben auch die Namen von Politikern, darunter immer wieder Sarkozy und Macron. 

Für Louis sei der politische Kampf auch ein "Kampf der Körper" und er erkenne in der aktuellen Politik "eine Art von Vernichtung der Körper der Arbeiterklasse, und zwar ihrer wirtschaftlichen Existenz aber auch ihrer wirklich physischen Existenz".

Für Fuhrig ist diese Sicht Edourd Louis' geradezu eine "neomarxistische Weltsicht" und dabei auch sehr "einseitig": "Eine direkte Anklage, ein Pamphlet - das ist dieses Buch!"

Sehr viel Beifall für Aufrufe zur Revolte

Fuhrig beobachtet aktuell, dass Louis sowohl für sein Werk aber auch für seine in Interviews geäußerten direkten Aufrufe zur Revolte sehr viel Beifall bekommt von den Linken, von "La France insoumise" unter Jean-Luc Mélenchon. Dabei sage er klar, dass er Autor sei, aber als solcher eben für die Sache der Entrechteten kämpfen wolle. "Er verachtet die bürgerliche Literatur, die sich nur mit nebensächlichen Mittelstandsproblemen befasst. Er geht nicht auf die Straße, aber er versucht, ein engagierter Literat zu sein zusammen mit seinen Freunden Didier Eribon und Geoffroy de Lagasnerie, das sind seine Weggefährten." Diese drei spielten sich in diesem literarischen Aufruf zum Kampf und zur Revolte auch immer die Bälle zu, so Fuhrig. 

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