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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 06.12.2016

Eckart von Hirschhausen"Alles dem Diktat der Ökonomie unterworfen"

Moderation: Susanne Führer

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Eckart von Hirschhausen im Studio von Deutschlandradio Kultur am 6. Dezember 2016. (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)
Eckart von Hirschhausen in der Sendung "Im Gespräch" (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)

Der Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen vermisst in den deutschen Krankenhäusern die Nächstenliebe. Keiner sorge sich um die seelischen Bedürfnisse der Patienten. Verwunderlich sei, "warum der Aufschrei der Ärzteschaft nicht größer ist".

Lange bevor er mit seinem "medizinischen Kabarett" bekannt wurde, stand er als Zauberer auf der Bühne – Eckart von Hirschhausen.  

"Die Zauberei ist für mich eine Unterhaltungskunst und nichts Schwarzmagisches. Ich habe schnell kapiert, dass die Tricks gar nicht das Wichtige sind, sondern die Verpackung, und ich habe als Kind schon angefangen, Witze zu sammeln und mich für Humor schon sehr früh interessiert. So bin ich durch das Zaubern auf die Bühne gekommen und Kabarettist geworden."

In seinem neuen Buch "Wunder wirken Wunder" knüpft Deutschlands bekanntester Arzt an die frühe Zauberleidenschaft an und behauptet, Magie und Medizin können sich ergänzen: "Wir sollten mehr auf die Kraft des Rituals vertrauen – warum sonst wirkt ein Placebo?"

"Warum heißt ein Krankenhaus Hospital? Weil es von hospitality, Gastfreundschaft kommt. In welchem deutschen Krankenhaus hat man heute, wenn man durch die Tür kommt, das Gefühl: oh ein Ort der Nächstenliebe und Gastfreundschaft? Wir haben alles dem Diktat der Ökonomie unterworfen, und das finde ich ein Fehlentwicklung. Die Menschen spüren das. Keiner sieht mehr den Patienten von A- Z und nimmt die seelischen Bedürfnisse wahr. Zuwendung ist ein Medikament, das ist in dem Fallpauschalensystem in den Krankenhäusern überhaupt nicht mitgedacht. Das wurmt mich, und da wundert mich, warum der Aufschrei der Ärzteschaft nicht größer ist."

"Eines der besten Mediensysteme der Welt"

Sein kritisch-humorvolles Plädoyer für einen wohldosierten Schuss Magie im Medizinbetrieb kommt gut an: "Wunder wirken Wunder" hat es auf Anhieb an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft – so wie auch schon "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", "Glück kommt selten allein…" und "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?" Ob Buch, Kabarettprogramm oder TV-Show – die spezielle Wissensvermittlung des Mediziners Eckart von Hirschhausen hat seit Jahren Konjunktur. Er plädiert außerdem vehement für mehr Verteidigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - ein Gut, das es zu bewahren gelte.

"Wir brauchen in der offenen Gesellschaft eine unabhängige Berichterstattung, die zwei wichtige Kriterien hat, nämlich wichtig und unwichtig unterscheiden und wahr und gelogen. Und wie wir an der Wahl in Amerika gesehen haben, ist die Katastrophe ziemlich nahe. Nämlich wenn Menschen sich auf Facebook informieren und glauben, sie wissen Bescheid, dann ist die Demokratie wirklich in Gefahr. Und wenn ich lese, dass die AFD als erstes den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen will, dann finde ich, müssten wir alle, die wir in den Medien arbeiten, viel klarer darstellen, was es für einen Wert darstellt. Bei aller berechtigten Kritik an ARD, ZDF, Deutschlandradio kann man immer noch sagen: Wir haben eines der besten Mediensysteme der Welt. Wenn wir keine unabhängigen Journalisten mehr haben, fehlt eine korrigierende Kraft in dieser Demokratie." 

Eckart von Hirschhausen im Studio von Deutschlandradio Kultur am 6. Dezember 2016. (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)Eckart von Hirschhausen im Studio von Deutschlandradio Kultur am 6. Dezember 2016. (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)

Lachen und gute Gedanken halten uns gesund, propagiert Eckart von Hirschhause auf allen Kanälen, und das Publikum liebt ihn für diese Botschaft.

"Ich würde, so lange ich kann und so lange es Menschen gibt, die das sehen wollen, immer auf die Bühne gehen. Das ist mein Ursprung, das ist meine intensivste Form von Begegnung mit den Zuschauern. Da würde ich viele andere Dinge für sein lassen. Das ist mein Lebenselixier und da sagen auch viele, das ist der Moment, wo sie mich am intensivsten und authentischsten erleben."

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