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Echtzeit | Beitrag vom 16.08.2014

Echtzeit-ReiheLa vie en rose

Vom Leben und Überleben in Paris

Von Tom Heithoff

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Blick auf Paris vom 18. Stock des Rathauses im Vorort Gennevilliers (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman ecomedia)
Ein Deutscher in Paris - er lebt in der Innenstadt und pendelt täglich zur Arbeit in die Vorstadt. (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman ecomedia)

Er wollte eigentlich eine Unilaufbahn einschlagen. Jetzt arbeitet er irgendwo in einem Pariser Vorort im Vertrieb. Seit 20 Jahren lebt er in Paris, und mehr als 18 Quadratmeter Wohnfläche sind nicht drin.

Aber zu Hause ist er eh selten, denn er verbringt drei bis vier Stunden pro Tag in Metro, Bus oder S-Bahn, um zur Arbeit zu fahren. In manchen Belangen ist er ein Deutscher aus der Provinz geblieben. Während die Franzosen sich langen Abendessenritualen hingeben, liebt er sein Essen kalt und aus der Dose. Und er jammert auch nicht, wenn er drei Mal im Jahr von den hochprofessionellen Pariser Dieben nach allen Regeln der Kunst ausgenommen wird. Er ist eben ein Leichtgewicht. Das hat auch seine Vorteile in dieser Stadt ...

Der Held dieser Feature-Serie wird von Lorenz Eberle gespielt. Er schlüpft in eine Rolle, die in vielen Belangen mit seinem eigenen Leben zu tun hat, aber dennoch über das rein Dokumentarische hinausgeht. "La vie en rose - Vom Leben und Überleben in Paris" erzählt von einem Menschen, der in einer engen, lauten, überfüllten Stadt nicht unterzugehen versucht, und zeichnet über eine mitunter ins Groteske kippende Perspektive das Porträt einer Stadt, die es einem nicht leicht macht, aber der man dennoch verfallen kann.

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Vor 20 Jahren ist er aus Deutschland nach Paris gekommen. Und genauso lange spielt er Rapido in seinem Stammlokal am Gare de l´Est. Zeit, endlich mal einen Treffer zu landen. Hoffen wir, dass es heute klappt.

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Wohnen in Paris verlangt einiges Geschick. Alle Lebensfunktionen müssen auf winzigsten Raum untergebracht werden. Dazu kommt im Fall unseres Helden die Lagerung diverser Lieblingskonserven. Ein neuer Schrank muss her. Doch plötzlich gibt es da ein Problem ...

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Dass die Pariser Wohnung nicht dafür geeignet ist, dort viel Zeit zu verbringen, haben wir in der letzten Folge gelernt. Unserem Helden bleibt das erspart: Drei bis vier Stunden täglich verbringt er zum Beispiel in der S-Bahn (RER) auf dem Weg zur Arbeit. Er versucht die Zeit sinnvoll zu nutzen und zu lesen - aber das ist gar nicht so einfach.

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Auch den Firmen ist es in der Pariser Innenstadt zu teuer, also ziehen sie an den Rand. Die Karawane treuer Berufspendler folgt ihnen. Die nächste Schikane wartet am Arbeitsplatz. Unser Held, der in der Sales Abteilung einer Softwarefirma arbeitet, muss erleben, wie ihm der Chef buchstäblich auf die Pelle rückt. Eigentlich sollte das eh nur ein Nebenjob sein, um die Doktorarbeit fertig zu kriegen. Aber irgendwas ist da außer Kontrolle geraten.

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Klar ist es nicht persönlich gemeint: Aber 22 Kreditkarten in 20 Jahren, das hält einen auf Trab. Die Tricks der Pariser Diebe sind Weltklasse und unser Held, ein Zugereister aus der deutschen Provinz, ihr geborenes Opfer. Sich in Paris „durchzuwurtschteln" heißt für ihn, das zu akzeptieren.

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Sport ist Mord. Vor allem in Paris. Doch wer den ganzen Tag in der Bahn und am Schreibtisch hockt, bekommt früher oder später einen strengen Blick vom Hausarzt. Man wird ja auch nicht jünger. Also hüpft auch unser Held in Joggingschuhen von einem Boulevard zum anderen und versucht nicht zu tief einzuatmen. Außerdem hat er in seiner 18 qm-Wohnung ein Reck aufgehängt. Soll ja gut sein für den Rücken.

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20 Jahre Paris, das heißt 20 Jahre Stop and Go. Unser Held will irgendwie vorankommen. Aber ein unbekannter Widerstand steht dem entgegen. Nach seinen schlechten Erfahrungen mit der S-Bahn (RER), probiert er es heute mal mit dem Bus.

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Bei uns ist es frisch, im Paris unseres Helden noch hochsommerlich heiß. Zeit in den Jardin zu Luxembourg zu gehen, den Blick schweifen zu lassen und Bilanz zu ziehen. Nach all den Schikanen und Mühseligkeiten, von denen wir in den letzten Wochen gehört haben: Bringt es das eigentlich, dieses Leben an der Seine?

 

Der Hörspiel- und Feature-Autor Tom Heithoff hat Lorenz Eberle 2007 für das Hörspiel entdeckt und seitdem mehrere Stücke mit ihm produziert, u.a. "Gelöst, entspannt und locker", das den Internationalen Hörspiel-Nachwuchspreis der Leipziger Buchmesse 2007 gewann, "Idiot des Jahres", das für den ARD-Hörspielpreis "Premiere im Netz" 2007 nominiert war, und "Hundelebensberatung", das 2009 gleich zwei erste Preise (beim Leipziger Hörspielsommer und beim Berliner Hörspielfestival) gewann.

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