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Tonart | Beitrag vom 26.10.2020

Dylan Jones: "Sweet Dreams"Die Karrieristen des Post-Punk

Robert Rotifer im Gespräch mit Andreas Müller

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Die Eurythmics im Konzert (imago images / United Archives)
Die Eurythmics sangen "Sweet Dreams": Nun heißt auch ein Buch so. (imago images / United Archives)

Ein neues Buch des Journalisten und Style-Gurus Dylan Jones erzählt auf 700 Seiten die Geschichte der New Romantics. Robert Rotifer hat es für uns gelesen und erhebliche Schwächen ausgemacht: Viel davon sei schon anderswo berichtet worden.

Ende der 70er-Jahre brach in Großbritannien die Punk-Revolte los. Die hielt allerdings nicht lang. Es gab schnell eine Gegenreaktion, die New Romantics. Der Journalist und Style-Magazin-Guru Dylan Jones hat jetzt ein 700 Seiten dickes Buch geschrieben. Es heißt "Sweet Dreams", frei nach dem Hit der Eurythmics, und will die definitive Geschichte der Blitzkids sein, des Synth-Pop und der Style-Presse von 1975 bis 1985.

Wirklich alle waren da

Dylan Jones sei Kunststudent gewesen und 1977 nach London gekommen, berichtet der Journalist Robert Rotifer. Er schlitterte zuerst in die bereits abschwellende Punk- und danach in die New Romantic-Szene. Diese Szene habe sich vor allem in dem kleinen Lokal "Blitz" getroffen, daher auch die Bezeichnung "Blitzkids".

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Viele derjenigen, die sich damals im "Blitz" trafen, hätten es danach zu großem Erfolg gebracht, so Rotifer: Steve Strange war der Betreiber des Clubs. George O'Dowd, später bekannt als Boy George, war für die Garderobe zuständig: "So tauchen da immer wieder berühmte Figuren auf, bis zu dem Zeitpunkt, wo sogar David Bowie in den Club kommt."

Das Buch von Jones beschreibe viele dieser Begegnungen, sagt Rotifer. Das Problem sei allerdings, dass viele dieser Geschichten bereits erzählt worden seien und darum wie die Bücher klängen, die es schon gebe.

Politischer Wandel und Margaret Thatcher

Eine weiteres Thema, mit dem Rotifer inhaltlich hadert, ist die Zeit des politischen Wandels rund um Margaret Thatcher. Die New Romantic-Szene habe auch damals schon den Ruf gehabt, die Karrieristen des Post-Punks zu sein. Etwas, dem Jones nicht genug nachgehe, so Rotifer:

"Jones selbst distanziert sich zum Teil ein bisschen von Teilen des Thatcherismus. Er präsentiert sie auch als missverstanden, und er lobt den Unternehmergeist der New Romantics. Das ist ein bisschen eine schwierige Sache in dem Buch. Denn all diese Sachen wie zum Beispiel die Riots in Brixton damals, diese großen Straßenkämpfe oder der Miners Strike, die kommen alle vor. Aber in Wahrheit ist es eigentlich die Kulisse für eine unternehmerische Revolution, die hier geschildert wird."

Am Ende, so Rotifer, habe er sich beim Lesen wieder so gefühlt, wie damals als Teenager: "Ich lese dieses Buch und erkenne wieder, warum die Achtziger mir damals auf die Nerven gingen."

(hte)

Tonart

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