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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.02.2014

Dunkle Träume, helle Farben

Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker

Simon Rattle, britischer Dirigent (AP)
Simon Rattle, britischer Dirigent (AP)

Brahms und Debussy – Gegensätze ziehen sich an. Ergänzt wird dieses aparte Duo um eine Uraufführung des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas. Ein Konzert der Berliner Philharmoniker, ganz nach dem Geschmack ihres Chefdirigenten Simon Rattle.

Ein Höhepunkt der vergangenen philharmonischen Spielzeit in Berlin war die Aufführung des musikalisch und logistisch extrem aufwändigen Ensemblestückes „in vain“ von Georg Friedrich Haas. Sir Simon Rattle hatte dieses Projekt gegen manche Widerstände durchgesetzt; die Aufführung des Werkes fand mit den Solisten der hauseigenen Orchester-Akademie zu nächtlicher Stunde im teilweise völlig abgedunkelten Großen Saal der Berliner Philharmonie statt (Deutschlandradio Kultur hat dieses Konzert damals zeitversetzt übertragen).

Nun kann der 1953 in Graz geborene Haas seine Klagvisionen für die Berliner Philharmoniker auch in großer Orchesterbesetzung Realität werden lassen: „dark dreams“ heißt das etwa 20 Minuten dauernde Werk, das Sir Simon an diesem Abend aus der Taufe heben wird – ein Werk, das selbst die mit allen Wassern gewaschenen Philharmoniker vor große Herausforderungen stellen wird, da es über weite Strecken mikrotonal geschrieben ist. Das heißt, es werden Klangspektren dargestellt, deren Töne sich außerhalb des uns bekannten Systems von Halb- und Ganztonschritten bewegen. Eine Musik, die zunächst „unrein“ klingen mag, die aber ganz neue Perspektiven des Klangs eröffnen kann.

Eingerahmt wird diese spannende Premiere durch zwei Stücke des Kernrepertoires, die man indes üblicherweise kaum in einem Konzertprogramm verbindet: die 3. Sinfonie von Johannes Brahms und „La mer“ von Claude Debussy. So unterschiedlich die Sprachen von Brahms und Debussy auch sind, so sehr ähneln sich die Werke in manchem Detail ihres Verlaufs – überdies wirkte Brahms‘ Dritte in Frankreichs Musikkultur weit hinein: Der Komponst Georges Auric bediente sich hier, um seine genial-freche Musik zum Film „Lieben Sie Brahms“ (1961) zu komponieren.


Live aus der Philharmonie Berlin

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90

ca. 20:45 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
„Aimez-vous Brahms?"
Olaf Wilhelmer im Gespräch mit Georg Friedrich Haas

Georg Friedrich Haas
„dark dreams" für Orchester (Uraufführung)

Claude Debussy
„La Mer" - Trois esquisses symphoniques

Berliner Philharmoniker
Leitung: Sir Simon Rattle

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