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Tonart | Beitrag vom 30.10.2014

DuetteStimmen aus dem Grab

Barry Manilow: "My Dream Duets"

Von Bettina Brecke

Der Sänger Barry Manilow steht in der ZDF-Show "Willkommen bei Carmen Nebel" am Samstag (24.03.2012) in Berlin auf der Bühne.  (dpa / picture alliance)
Ein Traum wurde für ihn mit seinen Dream Duets wahr: Barry Manilow. (dpa / picture alliance)

Für sein neues Album hat sich Barry Manilow prominente, aber mausetote Unterstützung gesucht: Er nahm posthume Duette mit Künstlern wie Whitney Houston oder Marilyn Monroe auf. Das sei ein langgehegter Traum von ihm gewesen, sagt Manilow - doch oftmals stehen hinter solchen Projekten auch ganz andere Interessen.

Barry Manilow und Marylin Monroe singen gemeinsam. Gegen dieses Duett wehren konnte sich Marilyn Monroe nicht. Denn schließlich ist sie schon mehr als 50 Jahre tot. Aber darf Barry Manilow sich einfach seine verstorbenen Wunschmusiker suchen und mit ihren Namen sein Album schmücken?

Würde Manilow einfach nur die Originale nachspielen, wären seine Aufnahmen waschechte Coverversionen und dann würde man diese Frage ganze einfach mit "Ja" beantworten. Das war zum Beispiel so bei dem Volkssänger Heino, der auf seinem Album "Mit freundlichen Grüßen" Songs von den Ärzten und anderen Deutschrockern nachsang.

Manilow hat seine ganz eigenen Versionen erschaffen

Manilows nachträglich geschaffene Duette sind jedoch Bearbeitungen der Originale. Er hat die Stücke neu orchestriert, ein paar Passagen dazu komponiert und so seine ganz eigenen Versionen erschaffen. Dafür brauchte er die Zustimmung der Rechteinhaber. Wenn man sich die Platte anhört, dann kann man sich nur wundern, wie ihm das gelungen ist...

Barry Manilow ist nicht der erste, der die Toten zu einem Duett auffordert und er wird wohl auch nicht der letzte sein! Aber es geht auch anders als bei Manilow: In der Geschichte der posthumen Duette gibt es auch Songs, die schöne und persönliche Geschichten haben, wie die Aufnahme von Natalie Cole und ihrem Vater Nat King Cole. Die Jazzlegende Nat King Cole verstarb 1965. Anfang der 90er Jahre hat seine Tochter eine Version des Songs "Unforgettable" veröffentlicht, in der man sie und ihren Vater zusammen singen hört.

Ein richtiger Star in Sachen posthume Duette ist Frank Sinatra. Nach seinem Tod hat er schon mit einigen Musikern zusammen gesungen. So hat sich zum Beispiel Robbie Williams bei Sinatras Stimme bedient und ebenso Celine Dion.

Noch recht neu: Justin Timberlake hat in diesem Jahr mit seinem großen Vorbild Michael Jackson gemeinsame Sache gemacht.

Immer irgendwie auch Marketing

Aber ist das einfache Covern eines Songs denn nicht genug? Kann Timberlake nicht ohne Jackson und Manilow nicht ohne Whitney Houston und Co.? Marc Pendzich ist Komponist und Dozent an der Universität Hamburg. Er hat ein Buch mit dem Titel "Von der Coverversion zum Hit-Recycling" geschrieben und sich auch mit posthumen Duetten befasst.

"In erster Linie ist es für mich im Regelfall in irgendeiner Form Marketing, weil sie brauchen ja immer einen Aufhänger, eine Nachricht, damit ihre Platte auch zum Beispiel rezensiert wird, und das ist mit sowas natürlich relativ leicht gegeben. Ja, dadurch, dass sie einen Aufhänger haben und damit eben auch besprochen werden, und sowas wie ein Tagesthema sind, erhöhen sich natürlich automatisch ihre Verkäufe und ihr Nachrichtenwert, und letzten Endes auch ihr Backkatalog."

"Ich singe mit Toten", das ist auf alle Fälle eine schlagzeilenträchtige Aussage. Ist Barry Manilow letzten Endes eben doch ein echter Geschäftsmann?

Technik macht's möglich

"Jetzt im Falle von Barry Manilow, denke ich, werden viele Leute sagen: Ach ja, da war ja was und vielleicht kauft man sich deswegen auch mal wieder ne ältere Platte. Und es ist auch marketingtechnisch natürlich gar nicht schlecht, für die Leute, die dort eben wieder hervorgekramt werden, so erinnert man sich doch eben mal wieder an Judy Garland und wer da eben noch so auftaucht."

Eines muss man diesen posthumen Duetten lassen: Heutzutage sehen die auch ziemlich toll aus! Technik macht es möglich und auf der Bühne erscheinen die toten Musiker lebensecht als bewegte Hologramme und und sorgen für Beifallsstürme. Auf CD kann sich in einigen Fällen eine solche Bearbeitung auch ganz gut anhören. Das kommt eben auch immer auf die Duett-Konstellation an. Aber bei der kann man in manchen Fällen auch einfach ziemlich daneben liegen.

Barry Manilow hat sich nach eigenen Aussagen einen Traum erfüllt, mit seinem neuen Album. Ob seine Duett-Partner jedoch den gleichen Traum hatten, das würde man wohl eher bezweifeln. Barry Manilow scheint bei dieser Leichenfledderei aber eine Menge Spaß gehabt zu haben. Ironischerweise veröffentlicht Manilow seine Dream Duets genau zur Halloween-Zeit, irgendwie passend, oder?

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