Klangkunst, vom 02.04.2021, 00:05 Uhr

Düstere Klangkunst aus BrasilienDYSTOPIE

Von Thom Kubli, Chico Mello und Fernanda Farah
(Thom Kubli)
(Thom Kubli)

Nicht nur in der Fiktion haben Dystopien in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen. Auch in der Realität häufen sich Anzeichen dystopischer Szenarien, ob in autoritär geführten Staaten oder durch die immer drastischeren klimatischen Entwicklungen – und nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Gleichzeitig trägt gerade die fiktionale, künstlerische Dystopie immer auch den Keim der Utopie in sich. So zu hören beim DYSTOPIE sound art festival, dessen dritte Ausgabe 2020 dem Gastland Brasilien gewidmet war.

Wir bringen zwei Konzertmitschnitte aus dem Festivalprogramm:

Brazil Now
Von Thom Kubli
Field Recordings von sozialen Unruhen in den Straßen der Megastadt São Paulo werden mittels künstlicher Intelligenz analysiert. Die Software sucht nach akustischen Memes, Texturen und Rhythmen, tastet die Symptome des Turbokapitalismus ab. Die Ergebnisse werden zur Grundlage für eine Partitur und deren Interpretation durch ein Musikensemble.

De-consolation
Von Chico Mello und Fernanda Farah
De-consolation basiert auf Textfragmenten des zeitgenössischen brasilianischen Schriftstellers André Sant‘Anna: Eine Mischung aus Witz, Ironie und Zynismus. Menschlich verarmte Figuren werden den grausamen Wucherungen unserer hypermedial-geldgierigen Welt gegenübergestellt. Kompositorisch orientiert sich das Stück an den Vokalen: Sie generieren die Abfolge der Tonhöhen, wodurch die starke Musikalität der Texte hörbar wird. In Kooperation mit dem Ensemble Adapter.


Ursendung
DYSTOPIE
Von Thom Kubli, Chico Mello und Fernanda Farah
Produktion: Deutschlandfunk Kultur/ DYSTOPIE sound art festival 2020/2021
Länge: ca. 54'30


Thom Kubli, geboren 1969, lebt als Künstler und Komponist in Berlin. Seine Installationen und Performances sind multidisziplinär und verbinden Elemente von Skulptur, Klang und Konzeptkunst. In seinen Arbeiten nutzt er häufig analytische Technologien, um kulturelle und politische Prozesse zu hinterfragen.

Chico Mello ist Komponist, Performer, promovierter Musikwissenschaftler und Musikpädagoge. Internationale und interkulturelle Arbeit im Bereich der experimentellen, improvisierten Musik sowie des Musiktheaters und der brasilianischen Popularmusik.

Fernanda Farah absolvierte Ausbildungen in Schauspiel, Musik, Tanz und Gesang in Brasilien, Chile, Nicaragua und Berlin. Seit 2000 entwickelt sie eigene Projekte. Sie ist Ko-Kuratorin der Serie "Labor Sonor" im Kunsthaus KuLe, Berlin.

 

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