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Kommentar | Beitrag vom 03.09.2020

Düsseldorfer Karnevalsauftakt ohne AlkoholDas richtige Signal

Von Vivien Leue

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Zwei bunt geschmückte Karnevalistinnen feiern auf dem Düsseldorfer Rathausplatz das Hoppeditz-Erwachen.  (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)
Karnevalistinnen können auch in diesem Jahr in Düsseldorf den Karnvevalsauftakt feiern. (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)

In Düsseldorf soll der Karnevalsauftakt auch in diesem Jahr stattfinden – allerdings alkoholfrei. Enthemmte Feierende, die sich umarmen und fremdknutschen, das gehe während der Corona-Pandemie nicht, begrüßt Vivien Leue die Entscheidung.

Aufatmen bei den Karnevalisten in Düsseldorf am Rhein: Ihr Sessionsauftakt, das traditionelle Hoppediz-Erwachen, am 11.11. um 11 Uhr 11 auf dem Düsseldorfer Marktplatz – es kann stattfinden. Na Gott sei Dank.

Entschuldigung, das ist ein wenig sarkastisch – denn die Reaktionen darauf, dass dieses Event stattfinden kann, die sind bisher, na ja, durchwachsen. Denn: Der Karnevals-Start muss ohne Alkohol beginnen – und das habe es, so schreiben es viele Lokalzeitungen, in der rund 150-jährigen Geschichte des Comitee Düsseldorfer Carnevals, noch nie gegeben. Karneval ohne Alkohol – geht das überhaupt, fragen nun viele. Und ich frage mich: Ist das nicht übertrieben?

Gut, ich bin geborene Berlinerin und Karneval, dieser kollektive Frohsinn, dieses Ausrasten in bunten Kleidern und mit bemalten Gesichtern, ist mir nicht in die Wiege gelegt. Aber ich habe die fünfte Jahreszeit doch auch lieben gelernt. Es ist einfach nett, wenn Menschen fröhlich sind, viel lachen und über Alters- und Sozialgrenzen hinweg miteinander feiern. Und letztlich ist der Karneval ja auch mehr als das: Zwischen November und Februar finden unzählige Sitzungen statt, auf denen es auch um die großen Fragen der Politik, unserer Gesellschaft und Wirtschaft geht.

Das ist viel zu gefährlich!

Das muss doch auch ohne Alkoholpegel möglich sein. Natürlich verstehe ich den Wunsch, nach monatelangen Entbehrungen, den Pandemie-Alltag einfach mal zu vergessen und sich im Rausch auch des Alkohols dieser kollektiven Fröhlichkeit hinzugeben, ohne Kompromisse.

Aber: Das ist viel zu gefährlich! Denn die Pandemie ist ja noch lange nicht vorbei. Das Coronavirus grassiert – auch in Düsseldorf, Köln und Mainz. Und wenn ich mir vorstelle, dass enthemmte Feiernde wie jedes Jahr fröhlich schunkeln, sich umarmen und fremdknutschen – dann ist doch klar, dass das unter den aktuellen Voraussetzungen auf keinen Fall geht.

Und das sollte ehrlich gesagt nicht das Comitee Düsseldorfer Carneval entscheiden – sondern die Politik, und zwar bundesweit. Karneval – ja, stickige Kneipenparties und Alkohol – nein.

Ja, dann wird das eine ganz andere Session, ein ganz anderer Karneval als sonst. Wahrscheinlich etwas ruhiger, bedächtiger, weniger ausgelassen. Aber die Alternative wäre doch den gesamten Karneval inklusive des Hoppediz-Erwachens in Düsseldorf und anderer lieb gewonnener Brauchtümer in diesem Jahr abzusagen. Und dann finde ich, sollten die Karnevalisten jetzt einfach mal aufatmen: Der Karneval darf stattfinden, nur eben etwas anders als sonst.

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