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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 09.09.2014

DürreWassermangel bedroht Kenia

Projekte zur Wasseraufbereitung greifen bisher nicht

Von Linda Staude

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Der Nakuru Nationalpark in Kenia (picture-alliance/ dpa / Andreas Gebert)
Eigentlich regnet es genug in Kenia - aber nur im Durchschnitt. (picture-alliance/ dpa / Andreas Gebert)

Jederzeit genug sauberes Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen - davon können viele Kenianer nur träumen. Besonders auf dem Land und in den Slums ist Wasser knapp, schwer zu beschaffen und oft unerschwinglich teuer. Dabei steht das Recht auf Zugang zu Trinkwasser sogar in der Verfassung.

Eine Gruppe von jungen Frauen drängt sich lachend um einen sprudelnden Wasserhahn in einem engen Wellblechverschlag. Eine nach der anderen füllt einen leuchtend gelben Kanister.

20 Liter passen in so einen Jerrican, wie die Wasserbehälter in Kenia genannt werden. Frisches, sauberes Wasser, das die Frauen nur ein paar Schritte zu ihren Hütten tragen müssen.

"Im Moment ist es nicht schlecht hier, seit wir dieses Projekt haben. Man braucht nur den Hahn aufdrehen und hat Wasser. Selbst wenn das Wasser im Rohr abgestellt ist. Sie haben Tanks und deshalb immer Wasser."

Everlyn Kaleche lebt schon seit Jahren in Kibera, dem größten Slum von Nairobi. Genau wie ihre Nachbarin Mary Muthoki.

"Krankheiten wie Durchfall und Erbrechen und sogar Cholera gab es früher überall. Jetzt gibt es sie nicht mehr, weil wir gechlortes Wasser benutzen. Selbst wenn man pleite ist, hat man Wasser zum putzen und Kleider waschen."

Slumbewohner betreiben Wasserkioske

Zwei Shilling kostet ein voller Jerrican Wasser, das sind nicht einmal zwei Cent für 20 Liter. Viel weniger, als man bei den Wasserverkäufern zahlt, die überall in den Slums ihre Geschäfte machen, sagt Irene Gai, von KWAHO. Die Kenyan Water for Health Organisation hat die so genannten Wasserkioske nach Kibera gebracht.

"Die Wasserverkäufer haben die Leute ausgenommen. Sie verlangen 15 bis 25 Shilling für einen Jerrican. Für die armen Leute hier ist das eine Menge, weil sie ihr weniges Geld ja auch noch für andere Bedürfnisse ihrer Familien brauchen."

Die Wasserkioske werden von den Slumbewohnern selbst betrieben. Das gibt ihnen ein regelmäßiges Einkommen und sorgt dafür, dass die Anlagen immer bestens in Schuss sind. Anders als die in Mathare, einem Slum am anderen Ende der Stadt.

"Für uns hat sich nicht viel verändert. Zwar hat die Regierung Wasserkioske gebaut. Je einen für zehn Haushalte. Aber sie werden nie repariert. Wenn also irgend etwas kaputt geht, dann haben zehn Haushalte kein Wasser. Weil die Hähne geklaut werden oder Kinder sie kaputt machen."

Jeder dritte Kenianer kann von ständigem Zugang zu frischem, sauberen Wasser nur träumen, obwohl das Recht darauf sogar in der neuen Verfassung verankert ist. Das sind 16 bis 18 Millionen Menschen. Viele davon leben in den zahlreichen Slums in den Städten. Aber noch schlechter sieht es auf dem Land aus. Dort muss sich knapp die Hälfte der Bevölkerung ihr Wasser mühsam beschaffen.

"Es sind die Mütter, die mit dem 20-Liter-Jerrican fünf Kilometer laufen müssen. Manchmal sogar 10 Kilometer."

Mary Kaoni ist Samburu, ein Volk, die von der Viehzucht lebt. Wie überall auf dem Land ist Wasserholen bei den Samburu Frauensache. Die schweren Jerricans werden je nach Tradition der Volksgruppe auf dem Rücken getragen, auf dem Kopf oder mit einem breiten Band quer über die Stirn über den Rücken geschlungen.

"Manchmal haben Frauen Fehlgeburten. Andere erleiden Rückenverletzungen."

Das oft schmutzige und schlammige Wasser muss zum Trinken reichen, zum Kochen und auch für die Tiere. Zum Waschen bleibt da nichts übrig, weder für Gesicht, Hände und Körper noch für die Kleidung. Zweimal gehen ist bei den Entfernungen zur nächsten Wasserstelle unmöglich, besonders in der Trockenzeit, sagt Jumwa Kesi

"Wir brauchen den ganzen Tag. Wir sind immer müde, wir können oft nicht mal zu Hause schlafen. Wir können unsere Felder nicht bestellen, und die Kinder gehen nicht zur Schule. Das alles, weil das Wasser knapp ist."

Kenia zwischen Überschwemmung und Trockenheit

Eigentlich regnet es genug in Kenia. Im Schnitt mehr als in Deutschland. Aber eben nur im Durchschnitt. In den beiden Regenzeiten schüttet es so heftig, dass ganze Landstriche überfluten und kostbares Ackerland weggeschwemmt wird. Im Rest des Jahres herrscht Trockenheit. Die bedroht Farmer und Viehzüchter gleichermaßen und führt häufig zu Auseinandersetzungen, klagt Japron Lenguris

"Bei der letzten Dürre haben wir unsere Tiere zur nächsten Wasserstelle getrieben. Aber wir finden keinen Platz für uns ohne diese Konflikte."

Es gibt reichlich Ansätze, das kostbare Wasser aus dem Überfluss der Regenzeiten in die langen Trockenperioden hinüberzuretten. Die Menschen bohren tiefe Brunnen, sie beschaffen sich solarbetriebene Pumpen, sie stellen Netze auf, die Nebeltröpfchen auffangen. Und sie bauen Dämme an den Flüssen. In Turkana, der berüchtigten Dürreregion im Norden des Landes, ist darüber hinaus ein riesiges Wasserreservoir entdeckt worden. Genug, um ganz Kenia für die nächsten 70 Jahre zu versorgen. Theoretisch. Aber das ist bereits zehn Monate her, und es gibt erst ein einziges Bohrloch, um einem winzigen Teil der von einer neuen Hungersnot bedrohten Bevölkerung das dringend benötigte Wasser zur Verfügung zu stellen.

Ein unerfreuliches Zeichen dafür, dass es wohl noch Jahre dauern wird, bevor jeder Kenianer wirklich jederzeit genug sauberes Wasser bekommt. 

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