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Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.06.2019

DSO Berlin spielt Mahler und DebussySymphonik für die Vergänglichkeit

Moderation: Ulrike Klobes

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Blick von unten auf eine Ruine mit Sternenhimmel (Imago / Photocase)
Sternenhimmel über einer Ruine (Imago / Photocase)

Anziehend mystische Musik, die die geheimnisvolle Welt des Todes beschreibt: Debussys Oper steuert auf die Totenwelt zu, in der sich "Pelléas und Mélisande" frei begegnen dürfen. Mahlers Liederzyklus ist der Vergänglichkeit gewidmet.

Das Deutsche Symphonieorchester Berlin hat zwei spätromantische Großwerke auf dem Programm. Beide nähern sich dem Thema Vergänglichkeit. 

Debussy wendet sich mit seiner Oper "Pelléas et Mélisande" einem zutiefst romantischen Stoff zu, der weit in einer geheimnisvollen Vergangenheit liegt. Die beiden Protagonisten begegnen einander und verlieben sich, auch wenn Mélisande bereits gebunden ist. Beide wahren die Grenze, und doch kommt der Mann Mélisandes hinzu, der voller Eifersucht Pelléas tötet.

Vereint und frei im Reich des Todes

Als Mélisande wenig später im Kindbett stirbt, weiß sie, dass sie Pelléas zutiefst geliebt hat. In der Vergänglichkeit liegt der Trost in dieser Geschichte und Debussy hat ein unendlich fließendes Musikband für diese Geschichte erdacht. Er schrieb selbst: "Ich wollte, dass die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht." Marius Constant hat aus der Oper eine Sinfonische Suite zusammengestellt. 

Dem Fluch enteilen

Gustav Mahler beschäftigte nach der Vollendung seiner achten Sinfonie das Trauma der Neunten. Hatte Beethoven eine Neunte komponiert, nach der er starb. Auch Bruckner ereilte dieses Schicksal. Um diesem "Fluch" zu entgehen, schrieb Mahler großsinfonische Musik, die Gesangsstimmen integrierte und in mehreren Teilen das Erscheinen, Wachsen, die Freuden und das Vergehen des Lebens beschreibt. Die Texte entnahm er einer Sammlung von Nachdichtungen altchinesischer Lyrik.

Porträt der Sängerin, die in die Kamera lächelt. (Karen Cargill / Nadine Boyd Photography)Die schottische Sängerin Karen Cargill erhielt im Juli 2018 die Ehrendoktorwürde vom Royal Conservatoire of Scotland. (Karen Cargill / Nadine Boyd Photography)

Mahler schuf mit diesem Zwitter, der sich zwischen Orchesterlied und Orchesterwerk bewegt, eine Art Sinfonie. Doch die Ziffer Neun schreibt er nicht dazu. Seine Neunte schrieb er erst ein Jahr später.

David Robertson im Gespräch mit Ulrike Klobes:

Aufzeichnung des Konzertes vom 5. Juni 2019 in der Philharmonie Berlin

Claude Debussy
Sinfonische Suite aus der Oper "Pelléas et Mélisande" (zusammengestellt von Marius Constant)

Gustav Mahler
"Das Lied von der Erde" für Mezzosopran, Tenor und Orchester

Karen Cargill, Mezzosopran
Simon O’Neill, Tenor
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: David Robertson

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