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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.10.2018

DSO Berlin live aus der PhilharmonieKent Nagano dirigiert Mahlers Neunte

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Kent Nagano (Felix Broede/DSO Berlin)
Der Dirigent Kent Nagano (Felix Broede/DSO Berlin)

Seinen kleinen Zyklus mit Sinfonien Gustav Mahlers setzt Kent Nagano mit der letzten Vollendeten des Meisters fort, der neunten Sinfonie. Ein gewaltiges quasi-Schlusswort, Bilanz, Ausblick und beklemmendes Bekenntnis.

Gleich zweimal leitet der ehemalige Chefdirigent Kent Nagano in dieser Saison das Deutsche Symphonie-Orchester. Der erste von zwei Abenden fügt sich ein in einen lockeren Zyklus - der kalifornische Dirigent und derzeitige Generalmusikdirektor in Hamburg widmet sich den Sinfonien Gustav Mahlers, in diesem Fall der mit der magischen Zahl Neun.

Das DSO Berlin in der Philharmonie (Kai Bienert/DSO Berlin)Das DSO Berlin in der Philharmonie (Kai Bienert/DSO Berlin)

Durchbruch mit Mahler

Ein besonderes biografisches Element spielt an diesem Abend eine Rolle - mit der neunten Sinfonie Gustav Mahlers und einem Dirigat beim Boston Symphony Orchestra begann Kent Naganos Weltkarriere. 1984 war er dort für den erkrankten Kollegen Seiji Ozawa eingesprungen.

Wegbereiter der Moderne

Die Auseinandersetzung mit dem Gesamtschaffen des Komponisten prägt seitdem Naganos Karriere - er begreift Mahler als Wegbereiter der Moderne, nicht nur der Zweiten Wiener Schule. Und mit spontaner Neugier geht Nagano auch jedes Mal wieder an einen sinfonischen Koloss heran, sei es nun ein frühes Werk wie die Zweite Sinfonie im vergangenen Juni oder jetzt Mahlers Schwanengesang an diesem Oktoberabend.

Rückblick und Grenzenlosigkeit

Gustav Mahler wusste, dass es um seine Gesundheit schlecht bestellt war, als er begann, seine neunte Sinfonie zu komponieren. Wie alle Musiker hing er dem Zahlenmythos an, der seit Ludwig van Beethoven galt: Kein großer Sinfoniker kommt über ein Werk mit der Ordnungsnummer Neun hinaus. Das traf für Anton Bruckner zu, und auch der tschechische Landsmann Antonín Dvořák war bei dieser Zahl stecken geblieben. Dennoch ist Mahlers Neunte kein Werk der Resignation und des Abschieds, eher des wehmütigen Rückblicks und eines Ausblicks in die Zukunft. Mahler zitiert sich selbst und treibt den harmonischen Verlauf über alle Grenzen und Möglichkeiten hinaus. Dass diese Sinfonie mit einem vierten langsamen Satz und im Pianissimo endet, ist kein Versehen oder Zeichen von Ratlosigkeit, sondern bewusstes Programm. Wie fast alles bei diesem Komponisten, der seiner Zeit voraus war.

Live aus der Philharmonie Berlin

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 9 D-Dur

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Kent Nagano

Dolby Digital 5.0

Konzert

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