Seit 05:05 Uhr Aus den Archiven

Samstag, 21.07.2018
 
Seit 05:05 Uhr Aus den Archiven

Klangkunst / Archiv | Beitrag vom 15.11.2013

Dry Haze - Das Jahr ohne Sommer

Das Anthropozän 2 (Ursendung)

Von Werner Cee

Podcast abonnieren
Dry Haze - Komposition von Werner Cee (Werner Cee)
Dry Haze - Komposition von Werner Cee (Werner Cee)

Im Jahre 1816, nach dem Ausbruch eines indonesischen Vulkans, verschleierte trockener Nebel den Himmel über weiten Teilen Europas und schirmte die Sonneneinstrahlung ab.

Auch literarisch hatte die eingetrübte Atmosphäre Folgen, und inspirierte Lord Byron zu seinem berühmten Gedicht "Darkness". Heute dienen die Erfahrungen aus diesem "Jahr ohne Sommer" Vertretern des Geoengineering als Vorbild, wenn sie daran denken, die Atmosphäre mithilfe eines künstlichen Vulkanausbruchs abzukühlen.

"Dry Haze" ist der Soundtrack zu dieser abgeschatteten Welt.

Nach Texten von Lord Byron
Weitere Texte: Ausschnitte aus US-Patenten; "Cloud Songs" von Juna Robin.

Mit: Rachel Unthank, Becky Unthank, Adrian McNally, Neville Tranter, Alf Terje Hana
Produktion: DKultur 2013
Länge: 47’31

Zum Nachhören: Dry Haze - Das Jahr ohne Sommer


Werner Cee, geboren 1953, begann seine künstlerische Laufbahn mit dem Studium der Malerei, arbeitete in den 1980er-Jahren als Bildender Künstler und gleichzeitig in der experimentellen Rockmusikszene. Klang- und Lichtinstallationen.

Übersicht Klangkunstreihe Das Anthropozän

George Gordon Lord Byron: Darkness


I had a dream, which was not all a dream.
The bright sun was extinguish'd, and the stars
Did wander darkling in the eternal space,
Rayless, and pathless, and the icy earth
Swung blind and blackening in the moonless air;
Morn came and went--and came, and brought no day,
And men forgot their passions in the dread
Of this their desolation; and all hearts
Were chill'd into a selfish prayer for light:
And they did live by watchfires--and the thrones,
The palaces of crowned kings--the huts,
The habitations of all things which dwell,
Were burnt for beacons; cities were consumed,
And men were gathered round their blazing homes
To look once more into each other's face;
Happy were those who dwelt within the eye
Of the volcanos, and their mountain-torch:
A fearful hope was all the world contain'd;
Forests were set on fire--but hour by hour
They fell and faded--and the crackling trunks
Extinguish'd with a crash--and all was black.
The brows of men by the despairing light
Wore an unearthly aspect, as by fits
The flashes fell upon them; some lay down
And hid their eyes and wept; and some did rest
Their chins upon their clenched hands, and smiled;
And others hurried to and fro, and fed
Their funeral piles with fuel, and looked up
With mad disquietude on the dull sky,
The pall of a past world; and then again
With curses cast them down upon the dust,
And gnash'd their teeth and howl'd: the wild birds shriek'd,
And, terrified, did flutter on the ground,
And flap their useless wings; the wildest brutes
Came tame and tremulous; and vipers crawl'd
And twined themselves among the multitude,
Hissing, but stingless--they were slain for food.
And War, which for a moment was no more,
Did glut himself again;--a meal was bought
With blood, and each sate sullenly apart
Gorging himself in gloom: no love was left;
All earth was but one thought--and that was death,
Immediate and inglorious; and the pang
Of famine fed upon all entrails--men
Died, and their bones were tombless as their flesh;
The meagre by the meagre were devoured,
Even dogs assail'd their masters, all save one,
And he was faithful to a corse, and kept
The birds and beasts and famish'd men at bay,
Till hunger clung them, or the dropping dead
Lured their lank jaws; himself sought out no food,
But with a piteous and perpetual moan,
And a quick desolate cry, licking the hand
Which answered not with a caress--he died.
The crowd was famish'd by degrees; but two
Of an enormous city did survive,
And they were enemies: they met beside
The dying embers of an altar-place
Where had been heap'd a mass of holy things
For an unholy usage; they raked up,
And shivering scraped with their cold skeleton hands
The feeble ashes, and their feeble breath
Blew for a little life, and made a flame
Which was a mockery; then they lifted up
Their eyes as it grew lighter, and beheld
Each other's aspects--saw, and shriek'd, and died--
Even of their mutual hideousness they died,
Unknowing who he was upon whose brow
Famine had written Fiend. The world was void,
The populous and the powerful--was a lump,
Seasonless, herbless, treeless, manless, lifeless--
A lump of death--a chaos of hard clay.
The rivers, lakes, and ocean all stood still,
And nothing stirred within their silent depths;
Ships sailorless lay rotting on the sea,
And their masts fell down piecemeal: as they dropp'd
They slept on the abyss without a surge--
The waves were dead; the tides were in their grave,
The moon their mistress had expir'd before;
The winds were withered in the stagnant air,
And the clouds perish'd; Darkness had no need
Of aid from them--She was the Universe.



Finsternis


Mir kam ein Traum - es war nicht ganz ein Traum.
Die schöne Sonne war verglüht; die Sterne
Verdunkelt kreisten in dem ew'gen Raum,
Weglos und ohne Strahl; blind zog die Erde
In mondesleerer Luft. Der Morgen kam
Und ging und kam, und brachte keinen Tag.
Die Menschen, grausend in der kalten Öde,
Vergaßen ihre Leidenschaften, schrien
Nicht Licht, selbstsüchtig betend, und sie lebten
Um offne Feuer - königliche Throne,
Paläste, Hütten, jede Wohnstatt wurde
Verbrannt, damit das Dunkel sich erhelle;
Volkreiche Städte wurden eingeäschert -
Und bei den Flammen drängten sich die Menschen,
Nur einmal noch ins Antlitz sich zu schauen.
Die Nachbarn der Vulkane waren glücklich,
Weil Licht verstreuten ihres Kraters Fackeln:
Angstvolles Hoffen nur war in der Welt.
Der Brand flog in den Wald - und Stund' um Stunde
War grasser die Verwüstung; Äste krachten
Und Stämme stürzten nieder - schwarz war alles.
Die Menschen sahen nicht mehr irdisch aus
Im schaudervollen Schein, der hin und wieder
Auf ihre Stirnen fiel. Die einen weinten,
Ihr Aug' verhüllend; andre preßten auf
Geballte Hände fest ihr Kinn und lachten;
Und andre rannten hin und her und nährten
Die Scheiterhaufen für die Toten, und
Mit Wahnsinns Unruh' blickten sie zum Himmel,
Dem Leichentuch der Welt. Dann warfen sie
Sich fluchend in den öden Staub, und Heulen
Und Zähneknirschen war. Raubvögel fielen
Erschrocken auf den Grund und schlugen um
Sich mit gelähmten Schwingen. Bestien kamen,
Einst wild, nun zahm und zitternd. Vipern krochen
Inmitten der geknäulten Menge, zischend,
Doch ohne Zahn - erschlagen wurden sie
Und aufgezehrt. Der Krieg, nach kurzem Stillstand,
War übersatt. Mit Blut war jede Mahlzeit
Erkauft; und jeder saß einsam und düster
Und schlang im Finstern -: Liebe war nicht mehr.
Nur ein Gedanke war auf Erden und
Der war - ruhmloser Tod. Der grimm'ge Biß
Des Hungers nagte an den Eingeweiden.
Die Menschen starben, unbegraben blieb
Das Fleisch; von Magern nährten sich die Magern,
Die Hunde selbst zerrissen ihre Herrn.
Treu blieb nur einer einem armen Leichnam
Und war sein Hüter — Tier und Mensch verscheucht' er,
Bis sie der Hunger trieb und jener Tote
Die dürren Kiefern reizte. Doch der Hund
Nahm nichts. Verzweifelt klagend und mit kurzem
Wehschrei die Hände leckend, die nicht mehr
Wie einst liebkosend Antwort gaben - starb er.
Des Hungertodes Beute wurde jeder.
Lebendig waren zwei zuletzt aus einer
Gewalt'gen Stadt, zwei Feinde, die sich fanden
An eines Altars ausgelöschter Asche,
Wo heilige Geräte lagen zu
Unheiligem Gebrauch. Sie scharrten schauernd
Mit ihren kalten Knochenhänden in
Der schwachen Asche, und ihr schwacher Atem
Gab ihr ein fahles Leben, eine Flamme,
Die Spott nur war. Dann hoben sie die Augen -
Es war nun heller, und sie sahen sich
Ins Antlitz - kreischten auf vor Angst und starben;
Sie starben an dem grauenhaften Anblick,
Unwissend, wer der war, auf dessen Stirne
Die Hungersnot geschrieben hatte: Teufel...
Die Welt war leer, ein Ballen Arm und Reich,
Der Jahreszeit beraubt und ohne Leben,
Ein Klumpen Toter und des Staubes Chaos.
Die Flüsse standen still und alle Meere,
Nichts regte sich in ihres Schweigens Tiefe.
Die Schiffe lagen unbemannt und faulten,
Stückweis' zerfielen ihre morschen Masten
Und schliefen ruhig in dem starren Abgrund.
Die Wellen tot, im Grabe die Gezeiten;
Der Mond, ihr Meister, war schon längst erloschen.
Der Wind war aus, die Luft erstickt, die Wolken
Waren verschwunden; ihre Hilfe hatte
Die Finsternis nicht not - sie war das All.


Übersetzung: Fritz Lemmermeyer

Klangkunst

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur