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Konzert / Archiv | Beitrag vom 29.05.2019

Dresdner MusikfestspieleHimmelsmusiken

Moderation: Ruth Jarre

Der Chor steht am Ende einer Treppe, hinter ihm eröffnet sich ein großer blauer Himmel. (Dresdner Kammerchor /  Johannes Windolph)
Der Dresdner Kammerchor hat Himmelsmusiken und Gebetswerke im Programm (Dresdner Kammerchor / Johannes Windolph)

Ein Programm voll himmelwärts gerichteter Musik bietet der Dresdner Kammerchor: Sehr verschiedene Vorstellungen vom Sehnsuchtsort Himmel hatten Brahms, Reger und Martin. Der eine verband damit das Paradies, der andere einen Ort der inneren Stille.

Im 42. Jahrgang der Dresdner Musikfestspiele ist auch der Dresdner Kammerchor eingeladen, dessen Programm Musiken fasst, die mit der Suche nach Gott, dem Göttlichen oder dem Spirituellen verbunden sind. Jeder der im Programm vertretenen Komponisten hatte seine ganz eigene Sicht auf Tod und Erlösung, verbunden mit ganz individuellen Vorstellungen über einen paradiesischen, gottnahen Ort. Werke darüber aus der Spätromantik bis zur Moderne hat der Dirigent Hans-Christoph Rademann ins Programm aufgenommen.

Porträt des Dirigenten, der himmelwärts schaut. (Hans-Christoph Rademann / Martin Förster)Hans-Christoph Rademann gründete 1985 den Dresdner Kammerchor. (Hans-Christoph Rademann / Martin Förster)

Mahlers Werk "Ich bin der Welt abhanden gekommen" kann als stilles Gebet gelten, in dem der Komponist sich verinnerlicht, etwas für sich selbst zu schaffen, fern vom "Weltgetümmel". Brahms persönlich bezeichnete seine Motette Opus 74 Nummer 1 als "kleine Abhandlung über das große 'Warum'". Max Reger formte seine "Acht geistlichen Gesänge" ganz nach seinem großen Vorbild Bach. Seine traditionelle protestantische Sicht wird darin klar. 

John Cage sitzt seitlich auf einem Stuhl und blickt in die Kamera (imago)Der Amerikanische Komponist John Cage im Jahr 1992 (imago)
John Cages "Four2" ist ein spätes Werk, das den einzelnen Stimmgruppen Tonhöhen und Tonlängen vorschreibt, die sich peu á peu zu einem großen Klangraum entwickeln und zum Teil an alte Kirchen- und Glaubensgesänge erinnern. Große innere Ruhe scheint in dieser Musik greifbar zu werden.

Frank Martin, der Sohn eines Priesters, suchte bei der Komposition seiner Messe einen ganz private Zwiesprache zu Gott. Das Werk erschien ihm schließlich so privat, dess er es 1922 beendete, aber unter Verschluss hielt: "Ich hatte gar nicht den Wunsch nach einer Aufführung, denn ich befürchtete, dass die Messe einzig unter ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt werden könnte." Als sie zufällig in den 60er Jahren entdeckt und uraufgeführt wurde, gewann das Publikum eines der klangschönsten geistlichen Werke des 20. Jahrhunderts. Es wurde zu einem seiner beliebtesten Werke.

(cdr)

Aufzeichnung des Konzertes vom 26. Mai 2019 in der Annenkirche Dresden

Gustav Mahler
"Ich bin der Welt abhanden gekommen" für 16-stimmigen gemischten Chor
(Bearbeitung: Clytus Gottwald)

Johannes Brahms
"Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen", Motette, op. 74. Nr. 1

Max Reger
Acht geistliche Gesänge op. 138

Johan Cage
Four²

Frank Martin
Messe für Doppelchor

Dresdner Kammerchor
Leitung: Hans-Christoph Rademann

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