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Konzert / Archiv | Beitrag vom 28.05.2017

Dresdner MusikfestspieleDas Jahr 1917

Aufzeichnung aus dem Kulturpalast Dresden

(Dresdner Musikfestspiele / Felix Broede)
Herbert Schuch (Dresdner Musikfestspiele / Felix Broede)

"Revolution" steht über dem Abend im Kulturpalast Dresden. Das titelgebende Werk ist im Jubiläumsjahr der Oktoberrevolution die Sinfonie Nr.12 "Das Jahr 1917" von Dmitri Schostakowitsch. Im Klavierkonzert KV 466 von Wolfgang Amadeus Mozart vollzieht sich der grundlegende Wandel in der musikalischen Gattung. Die Dresdner Philharmonie und Michael Sanderling haben sich dafür den gefeierten Pianisten Herbert Schuch eingeladen.

Haben sie doch ihre Kunst im ursprünglichen Multifunktionssaal des 1969 eingeweihten Kulturpalastes Jahrzehnte lang unter Bedingungen an die Hörer bringen müssen, die – vorsichtig gesprochen – suboptimal waren. Das ist nun, wenn man vielen Hörer- und Kritikermeinungen der ersten Konzerte nach Wiedereröffnung glauben darf, anders geworden, und deswegen kann das Orchester unter seinem Chef Michael Sanderling jetzt auch ganz verschiedene Klangkonstellationen ausprobieren.

Zum Beispiel im Konzert, wo mit Herbert Schuch als solistischem Partner und Mozarts d-Moll-Klavierkonzert KV 466 zuerst ein Werk im Programm steht, das seine Kontraste zwischen wühlend-selbstquälerischer Düsternis und Episoden sehnsüchtiger Befreiung einem relativ kleinen, fast intimen Format einschreibt. Nach der Pause geht es in der gleichen Grundtonart weiter, die aber nun ganz andere Züge annimmt: als Basis für eine Art von historischem Breitwandgemälde, mit dem Dmitri Schostakowitsch 1961 in seiner 12. Sinfonie die Ereignisse des russischen Revolutionsjahres 1917 reflektierte, dessen 100. Wiederkehr das zweite große historische Erinnerungsdatum dieses Jahres neben Luthers Thesenanschlag ist. Der Komponist hat diese Sinfonie ausdrücklich als Programmmusik, doch fern von illustrativem Klein-Klein angelegt. Dass ihm die kühnen Weltentwürfe der frühen Revolutionsjahre, die er als Jugendlicher noch selbst miterlebt hatte, nahe waren, darf man annehmen; und vielleicht steckt gerade in ihrer apotheotischen Wiederbeschwörung die Frage, was im damaligen Ostblock inzwischen aus den revolutionären Ideen geworden war…

Dresdner Musikfestspiele
Kulturpalast Dresden
Aufzeichnung vom 26.05.2017

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 d-Moll KV 466

Dmitrij Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 12 d-Moll op. 112 "Das Jahr 1917"

Herbert Schuch, Klavier
Dresdner Philharmonie
Leitung: Michael Sanderling

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