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Kulturnachrichten

Donnerstag, 14. Mai 2020

Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Hochhuth starb im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding der Deutschen Presseagentur mitteilte. Hochhuth war einer der erfolgreichsten und umstrittensten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit und gilt als bedeutender Vertreter des dokumentarischen Theaters. Sein Debüt, das Vatikan-Drama „Der Stellvertreter“, das von Erwin Piscator inszeniert wurde, verursachte 1963 einen Skandal. Rolf Hochhuth wurde im hessischen Eschwege als Sohn eines Schuhfabrikanten geboren und arbeitete zunächst als Lektor bei Bertelsmann, bevor er 1963 den Schritt zum freien Autor wagte. Auch in den folgenden Jahrzehnten sorgte Hochhuth mit seinen Dramen und Erzählungen immer wieder für gesellschaftliche Debatten. Er hinterlässt ein umfangreiches dramatisches, lyrisches und essayistisches Werk.

Clearingstelle bestätigt Misshandlungen an Ballettschule

Klima und Methoden an der Staatlichen Ballettschule Berlin und der verbundenen Schule für Artistik sind erneut von Experten heftig kritisiert worden. Die von der Bildungsverwaltung im Februar eingesetzte unabhängige Clearingstelle geht nach einem Zwischenbericht davon aus, "dass sich Kindeswohlgefährdung durch physische und psychische Misshandlung, emotionale Vernachlässigung, Vernachlässigung der Gesundheitsfürsorge sowie der Fürsorge- und Aufsichtspflicht erkennen lässt". Bisher haben der Pädagoge Arthur Kröhnert, langjähriger Bundesgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren, und die Psychologin Elke Nowotny, Ex-Vorstandsmitglied des Kinderschutz-Zentrum Berlin, 108 Gespräche oder E-Mailwechsel mit aktuellen oder ehemaligen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrerinnen und Lehrern geführt. Insgesamt hatten sich 203 Menschen an die Clearingstelle gewandt.

NDR betont nach Kritik Bedeutung von Literatur

Nach der Kritik von Schriftstellern und Verlegern am geplanten Wegfall der NDR-Sendung "Bücherjournal" hat der öffentlich-rechtliche Sender die Bedeutung der Literatur im Programm betont. "Wir werden in Zukunft mehr Bücherbesprechungen im Angebot haben als bisher. Und diese werden mehr Menschen erreichen", teilte der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Joachim Knuth, mit. Es gehe bei Einstellung der Sendung "Bücherjournal" nicht wie befürchtet darum, den Stellenwert der Literatur im NDR zu mindern. Das Gegenteil sei der Fall. Künftig werde es unter anderem in der Sendung "DAS!", bei NDR 2 und im Internet Buchtipps geben.

Kunstfestspiele Herrenhausen werden verschoben

Die Kunstfestspiele Herrenhausen weichen der Corona-Krise und werden auf den Herbst verschoben. Bis auf wenige Ausnahmen und einzelne Spielortänderungen sei es gelungen, den überwiegenden Teil des ursprünglichen Programms zu verlegen, teilte die Veranstalter in Hannover mit. Die Festspiele beginnen am 24. September mit der Laser- und Klanginstallation "Fountain Scan" statt wie geplant an diesem Freitag. Das Bühnenprogramm startet einen Tag später mit Eszter Salamons Mutter-Tochter-Stück "MONUMENT 0.7.: M/OTHERS", das ihre eigentlich für die Eröffnung geplante Produktion ersetzt. Insgesamt ergänzen vier neue Produktionen das Programm. Das große Mahler-Konzert - Intendant Ingo Metzmacher dirigiert die "Symphonie der Tausend" von Gustav Mahler - wird nach Festivalangaben auf 2021 verschoben.

Klassik Stiftung findet rechtmäßige Erbin von NS-Raubgut

Die Klassik Stiftung Weimar hat einen bekannten Fall von während der Nazi-Zeit unrechtmäßig erworbenen Kulturgütern abgeschlossen. Nach längerer Suche konnten Mitarbeiter die rechtmäßige Erbin von 189 Büchern ausfindig machen, teilte die Stiftung mit. Gemeinsam mit der Goethe-Gesellschaft vereinbarte die Stiftung mit der Frau direkt einen Rückkauf. So könnten die Bücher, die für die Weimarer Bestände von Bedeutung seien, weiter in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek verwahrt werden. Hintergrund ist das Schicksal der früheren Besitzerin Susanne Türck. Die Lehrerin wanderte nach 1933 wegen der jüdischen Herkunft ihres Vaters nach Großbritannien aus. Aus Sicht der Stiftungsexperten ist es wahrscheinlich, dass sie zuvor die Privatbibliothek ihres Vaters gezwungenermaßen an ein Antiquariat verkaufte, um ihre Emigration zu finanzieren.

Heiko Maas bedankt sich für "Männerwelten"

Außenminister Heiko Maas hat den Fernsehbeitrag "Männerwelten - Belästigung von Frauen" gelobt. Bei Twitter bedankte sich Maas bei den Moderatoren, "vor allem aber bei den vielen Frauen, die gestern bei #JKlive von ihren grausamen Erfahrungen berichtet haben". Hintergrund war eine Sendung der Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf von Mittwochabend. In dem Beitrag, der ab 20.15 Uhr auf ProSieben lief, wurden verschiedene Formen von sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen thematisiert. Autorin und Journalistin Sophie Passmann führte durch eine fingierte Kunstausstellung, um verschiedene Facetten des Themas anzusprechen.

Initiative fordert Frauen-Quote in Filmbranche

Die Initiative Pro Quote Film fordert mehr Produzentinnen, Drehbuchautorinnen, Regisseurinnen und Kamerafrauen in der Medienbranche. "Es reicht! Corona und die Folgen zeigen: Wenn die Filmwelt wieder anläuft, dann nur mit Quote", heißt es in einem Aufruf, der unter anderem von der Kabarettistin und Schauspielerin Maren Kroymann unterzeichnet ist. Der Lockdown und der begleitende Drehstopp hätten sichtbar gemacht, "wie schief die Schieflage ist und wie resistent gegen Innovation die Filmbranche". Corona habe insbesondere die prekäre Lage von filmschaffenden Frauen weiter verstärkt. Obwohl seit 25 Jahren 50 Prozent der Alumni von Filmhochschulen weiblich seien, gingen 2019 lediglich 14 Prozent der Projektförderung an Produzentinnen.

Österreich: Kultur-Szene kritisiert Regierung heftig

Führende Vertreter der österreichischen Kultur-Szene haben die Regierung aus ÖVP und Grünen wegen ausbleibender klarer Perspektiven in der Corona-Krise massiv angegriffen, darunter die Schriftsteller Peter Turrini und Daniel Kehlmann. "Diese Bundesregierung ist eine Zumutung", sagte der Direktor des Theaters in der Josefstadt, Herbert Föttinger. Die Szene erwarte endlich klare Ansagen, ob in akzeptabler Form Theater gespielt werden könne. Föttinger verlangte von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ein persönliches Bekenntnis zur Kulturnation und einen Rettungsschirm, der den Künstlern in der Krise eine wirtschaftliche Perspektive biete. Die Regierung will nach eigenen Angaben in Kürze ein Konzept zum Risiko-Management zumindest für kleine und mittlere Veranstaltungen im Kulturbereich vorlegen.

Welterbestätten in Deutschland zeigen sich digital

Die 46 deutschen Unesco-Welterbestätten laden für den 7. Juni wieder zum bundesweiten Welterbetag ein. Aufgrund der Corona-Pandemie findet der Aktionstag in diesem Jahr erstmals digital statt, wie die Deutsche Unesco-Kommission in Bonn ankündigte. Die Webseite www.unesco-welterbetag.de biete virtuelle Spaziergänge durch die Welterbestätten und Interviews mit lokalen Expertinnen und Experten. Für Kinder gebe es Malvorlagen, Bastelanleitungen und Erklärvideos. Normalerweise laden die Welterbestätten am ersten Sonntag im Juni zu Ausstellungen, Festen, Konzerten, Wanderungen, Führungen und museumspädagogischen Programmen ein. Zu den deutschen Welterbestätten gehören unter anderem das Wattenmeer, die Lutherstadt Wittenberg, die Zeche Zollverein in Essen, der Kölner Dom, die Völklinger Hütte, das Obere Mittelrheintal und die Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau.

Bayern stockt Hilfsprogramm für Kunst und Kultur auf

Bayern stockt sein Hilfsprogramm für die krisengeschüttelte Kulturbranche deutlich auf: 200 Millionen Euro statt wie bisher geplant 90 Millionen Euro sollen nun für Künstler und Kulturschaffende im Freistaat bereitgestellt werden. Das kündigten Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach (alle CSU) in München an. Profitieren sollen nun auch Künstler, die nicht in der Künstlersozialkasse organisiert sind. Und es gibt weitere Millionenhilfen für Spielstätten wie Theater und Kinos, für Musikschulen, Laienmusikgruppen und den Ausfall von Filmproduktionen. Ministerpräsident Söder stellte außerdem eine vorsichtige Öffnung nach Pfingsten in Aussicht. Den Anfang könnten Veranstaltungen im Freien machen.

ProQuote Medien: Zu wenig Corona-Expertinnen

Der Verein ProQuote Medien sieht in der Medienberichterstattung zur Corona-Krise derzeit ein Ungleichgewicht an zu vielen männlichen Experten. "Wir wollen mehr Virologinnen, Infektiologinnen, Epidemiologinnen oder Intensivmedizinerinnen sehen, die für uns die Pandemie einordnen und erklären", sagte die Vorsitzende des Vereins ProQuote Medien, Edith Heitkämper. Der Verein, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 dafür einsetzt, dass mehr Frauen in Führungspositionen im Journalismus kommen, schob zugleich eine Kampagne an, bei der unter dem Hashtag #Coronaexpertin in Sozialen Medien Namen von Spezialistinnen gesammelt werden. Zudem will der Verein Kliniken und Forschungsinstitute ansprechen und eine größere weibliche Expertenliste erstellen.

Energie der Berliner Philharmoniker sichtbar gemacht

Wissenschaft trifft Kunst: Forscher des Dresdner Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung haben die musikalische Energie der Berliner Philharmoniker sichtbar gemacht. Dafür wurden mit einer speziellen Infrarotkamera die Instrumente von Musikern aufgenommen. Die Kameras können die Wärmestrahlung erfassen und als Farbskala darstellen. Vom Ergebnis waren auch die Wissenschaftler überrascht: Denn beim Spiel kann es zu einem Temperaturunterschied von zehn Grad Celsius kommen. So erwärmt sich bei einer Raumtemperatur von 20 Grad das Mundstück einer Trompete auf bis zu 30 Grad. Das Projekt der Berliner Philharmoniker dient vor allem Werbezwecken. Die "Heat-Serie" soll in der kommenden Saison für Plakate, Clips und Anzeigen verwendet werden.

Digitale Kurzfilmtage Oberhausen haben begonnen

Die Kurzfilmtage Oberhausen haben in digitaler Ausgabe begonnen. Vor der Eröffnung sagte Festivalleiter Lars Henrik Gass der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass bereits vor dem Lockdown in Deutschland konkrete Pläne für die gestreamte 66. Ausgabe entwickelt worden seien. Bis dahin hätten Zeit und Geld gefehlt, um das Streaming zu etablieren. Die Kurzfilmtage betrieben aber schon seit längerem eine Verbund-Plattform mit mehreren anderen Filmfestivals. Nun biete man dreihundertfünfzig Filme in mehr als sechzig Programmen weltweit für achtundvierzig Stunden an, sagte Festivalleiter Gass.

"Spiegel"-Gruppe will zehn Millionen Euro einsparen

Die "Spiegel"-Gruppe, zu der nicht nur das Nachrichtenmagazin, sondern auch das Manager Magazin und die Futur Zwei GmbH gehören, rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzverlust von mehr als 20 Millionen Euro. Grund sei vor allem der Einbruch bei den Anzeigen, teilte das Hamburger Medienhaus mit. Trotz einer guten wirtschaftlichen Basis sollen nun dauerhaft Kosten von zehn Millionen Euro gespart werden. Die Maßnahmen würden mit Führungskräften aus Redaktion, Dokumentation erarbeitet und mit den Betriebsräten beraten werden. Laut der Mitteilung geht das Medienhaus nicht davon aus, dass ein Teil der jetzt wegbrechenden Umsätze langfristig wiederkehre.

Protest gegen Aus für NDR-"Bücherjournal"

Verleger, Schriftsteller und Buchhändler haben dagegen protestiert, dass der Norddeutsche Rundfunk nach mehr als 30 Jahren das Fernseh-"Bücherjournal" aus dem Programm streichen will, um Geld zu sparen. Auch der deutsche PEN unterstützt einen Brief an den Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, die Entscheidung zurückzunehmen. „Der Rückgang der Lesekultur wird inzwischen vielfach beklagt. Diesen Trend nicht nur zu stoppen, sondern Leselust zu wecken, ist eine wichtige Aufgabe für die öffentlich-rechtlichen Sender", erklärte PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann. Die letzte Ausgabe des NDR-"Bücherjournals" ist für Dezember geplant.

Helge Gerndt erhält Europäischen Märchenpreis

Für sein Lebenswerk wird der Volkskundler Helge Gerndt mit dem diesjährigen Europäischen Märchenpreis ausgezeichnet. Demnach verfasste der 81-Jährige Ende der 1960er Jahre eine der ersten ideologiekritischen Aufarbeitungen der volkskundlichen Forschung in der Zeit des Nationalsozialismus und ist seit 1994 Mitherausgeber der 14-bändigen Enzyklopädie des Märchens. Gerndt wurde 1939 in Dresden geboren, 1966 in Kiel promoviert und habilitierte in München 1973.

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