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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 09.04.2014

DramaMutiger Blick zurück

"Ida" von Pawel Pawlikowski thematisiert das schwierige polnisch-jüdische Verhältnis

Von Patrick Wellinski

Der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski (L) mit der Schauspielerin Agata Trzebuchowska (R), die die Ida verkörpert, beim Internationalen Marrakesch Filmfestival am 3. Dezember 2013. (Guillaume Horcajuelo /dpa)
Regisseur Pawel Pawlikowski und die Schauspielerin Agata Trzebuchowska, die die Ida verkörpert. (Guillaume Horcajuelo /dpa)

Im Mittelpunkt stehen die junge Novizin Anna und ihre Tante Wanda. Zusammen begeben sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit der Familie. Sensibel und klug erzählt der Film von den nationalen Wunden Polens.

Anna wurde als Waise von Nonnen in einem polnischen Kloster aufgezogen. 1962 wird sie 18 Jahre alt und soll als Novizin das Gelübde ablegen, um Ordensschwester zu werden. Doch bevor sie diesen Schritt wagt, soll sie ihre einzige lebende Verwandte treffen: Tante Wanda. Tante Wanda war mal Staatsanwältin, hat viele Menschen zum Tode verurteilt. Sie eröffnet ihr, dass sie Jüdin ist und eigentlich Ida Lebenstein heißt. Idas Eltern kamen unter nie geklärten Umständen während der deutschen Besatzung ums Leben. Wanda, die als knallharte Richterin berüchtigt ist und Ida begeben sich nun auf eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit, in der sich auch Polen schuldig machten.

Aufdecken, aber nicht belehren

Pawel Pawlikowski ist mit "Ida" zum ersten Mal in seine Heimat, Polen, zurückgekehrt. Und das sowohl im übertragenen als auch im ganz praktischen Sinne. Pawlikowski ist in Deutschland und vor allem in England aufgewachsen. Mit "My summer of love" gelang ihm vor wenigen Jahren ein ganz erfrischend leichter Blick junge, unschuldige Liebe zwischen zwei Mädchen. Seinen ersten Film in Polen konnte er erst drehen, als er fest von London nach Warschau gezogen war. "Ida" ist dahingehend in seinem Werk auch ein viel ernsterer Film.

In edlen Schwarz-Weiß-Aufnahmen nähert Pawlikowski sich den ganz großen nationalen Wunden des Landes: Holocaust und der anschließende Kommunismus. Aber auch der in Polen häufig tabuisierte, gesellschaftliche Antisemitismus wird in "Ida" thematisiert. Pawlikowski will aufdecken, aber nicht belehren. Er zeigt nicht mit dem Finger, sondern blickt – ausgestattet mit der Kraft eines klugen Erzählers – auf die Widersprüchlichkeit zweier Lebensläufe. Dieser Mut hat ihm in Polen den Preis für den Film des Jahres eingebracht. Und auch in Frankreich ist "Ida" ein wahrer Kinohit. Bereits in der ersten Woche Sachen den Film in Frankreich mehr Zuschauer als in Polen. Dieser Erfolg wäre dem klugen, reflektieren Film auch in Deutschland zu wünschen.

 

Ida von Pawel Pawlikowski
mit Agata Trzebuchowska und Agata Kulesza
 Polen 2013, Laufzeit: 80 Min

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