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Fazit | Beitrag vom 13.10.2021

"Dragons" von Eun Me AhnFarbenfroher Eskapismus

Von Elisabeth Nehring

Ein Mann im roten Gewand mit freiem Oberkörper springt vor einer wellenförmigen Projektion. (Sukmu Yun)
"Dragons" von Eun-Me Ahn bietet einigen ästhetischen Mehrwert. (Sukmu Yun)

Eun Me Ahn schöpft bei ihrer in Potsdam gezeigten Tanz-Performance "Dragons" aus dem Vollen: Digitale Projektionen, fantasievolle Kostüme und Tanz, der zwischen westlich und asiatisch oszilliert. Leider hat sie darüber den Inhalt etwas vergessen.

Bei "Dragons" kommt tänzerisch einiges zusammen: Westlicher klassischer Tanz trifft auf rituelle Tempeltänze, asiatische Kampfkunst paart sich mit Elementen traditioneller Tänze aus Java. Acht Tänzerinnen und Tänzer sind live auf der Bühne zu sehen, acht weitere erscheinen als digitale Projektionen.

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Die Choreografin Eun Me Ahn hat aus der Not eine Tugend gemacht: Die Tänzerinnen aus Malaysia, Taiwan oder Indonesien, die wegen Corona nicht anreisen durften, erscheinen als Avatare auf einem Gazevorhang.

Die Bühne ist an drei Seiten begrenzt von silbernen Schläuchen, die sich bewegen lassen. Diese finden sich auch in den Kostümen: als Halterungen für die Arme oder als Hüte. Sie erinnern mal an Rüssel, mal an Würmer, je nach Licht, das mal kaltweiß, mal schillernd bunt und dann stechend silbern ist.

Eine Tänzerin mit Ritterhelm ist von riesigen Schläuchen umgeben. (Sukmu Yun)Einige Tänzerinnen werden auf die Bühne projiziert. (Sukmu Yun)

Das Stück ist extrem farbenfroh, fantasiereich und humorvoll. Technisch ist das sehr aufwendig, gerade durch die Projektionen. So sind auf der Leinwand nicht nur die Avatare zu sehen, sondern auch hyperrealistische Landschaften mit Pflanzen oder verlaufenden Licht- und Farbspiele.

Mehr Form als Inhalt

Eun Me Ahn widmet sich auf eine perfektionistische Art der Schönheit. "Dragons" ist ein Fest, eine überbordende Fantasie, die sehr exquisit ausgelebt wird.

Aber über die Begeisterung über die technischen und tänzerischen Möglichkeiten, darüber, jede Idee ausleben zu können, ist der Inhalt ein bisschen verloren gegangen. Ein Fall von allerschönstem Eskapismus - positiv gemeint.

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