Samstag, 21.09.2019
 

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.02.2019

Dorothee Saar und Michael HaberlandTempolimit – Umweltschutz oder Schikane?

Moderation: Gisela Steinhauer

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Fahrzeuge fahren in Hamburg im Dunkeln über die Autobahn 7 (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Autobahnfahrt bei Nacht: Die Frage nach der Geschwindigkeit und deren Folgen. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Wenn's ums Auto geht, hört bei vielen der Spaß auf – so auch bei der Diskussion um Tempolimits. Brauchen wir sie oder nicht? Tragen sie zum Umweltschutz und zu mehr Sicherheit bei – oder sind sie reine Schikane? Diskutieren Sie mit unseren Experten!

Deutschland ist das einzige Land in der EU ohne eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, überall sonst gilt ein Limit zwischen 120 und 130 km/h. Wir aber diskutieren uns nach wie vor die Köpfe heiß.

Im ARD-Deutschlandtrend sprechen sich die Hälfte der Deutschen für die Einführung eines Tempolimits von 130 km/h auf deutschen Autobahnen aus, 47 Prozent der Bürger sind dagegen.

DUH für Tempolimit und Dieselfahrverbot

"Wir brauchen ein Tempolimit", sagt Dorothee Saar, Bereichsleiterin Verkehr & Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe. Die DUH fordert ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen und von 80 km/h auf Landstraßen. "Ein Tempolimit könnte CO2 einsparen und so dazu beitragen, die Klimaziele 2020 zu schaffen. Hinzu kommt, dass Tempo 120 auf der Autobahn auch gegen Staus wirkt. Das Tempolimit wäre für den Verbraucher zudem risikofrei, er würde Kosten sparen, wenn er nicht mehr so brettern darf." Und es würde die Unfallzahlen senken.

Die DUH sorgt auch mit einem anderen Vorstoß für erbitterte Diskussionen: Sie erwirkte in den vergangenen Monaten Diesel-Fahrverbote in mehreren Städten, die die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide nicht einhalten. Der Verein behält sich weitere Klagen vor. "Klar, wir sind die Überbringer der schlechten Nachricht. Wenn wir eine andere Sachlage hätten, bräuchten wir die Fahrverbote nicht." Es gehe, so Dorothee Saar, letztlich um eine Verkehrswende – dazu gehöre auch die saubere Luft in den Städten.

Haberland: Dieselfahrverbote sind eine kalte Enteignung

"Deutschland braucht kein Tempolimit", sagt Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland e.V.: "Das ewige Argument des Klimaschutzes, was von der Deutschen Umwelthilfe ständig angeführt wird, rechtfertigt die Einführung eines Tempolimits nicht. Das Auto ist und bleibt Verkehrsmittel Nummer 1 in Deutschland. Die Autobahn ist dabei auf einer Länge von knapp 13.000 Kilometern der zentrale und wichtigste Verkehrsträger." Deutsche Autobahnen seien auch ohne Tempolimit sicher.

Auch auf die Dieselfahrverbote ist der Automobilclub-Chef nicht gut zu sprechen: "Sie sind eine kalte Enteignung der Autofahrer. Der Diesel wird für eine schlechte Luft in Städten in Verantwortung gezogen, die es gar nicht gibt. Hier ist nichts faktenbasiert, sondern die ganze Angelegenheit ist rein politisch gesteuert, um die Autoindustrie in diesem Land zu vernichten und die Mobilität zu zerstören."

Tempolimit – Umweltschutz oder Schikane? Darüber diskutiert Gisela Steinhauer am Samstag, 2. Februar von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Dorothee Saar und Michael Haberland. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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