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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.01.2017

Donald Trump und "1984""Es gibt kein Ministerium der Wahrheit"

Heinz Ickstadt im Gespräch mit Anke Schaefer

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Ein Gebäude am Pariser Place de la Nation mit der Inschrift "1984". Es beziehet sich auf George Orwells Roman "1984" über einen totalitären Überwachungsstaat. Das Buch ist 1949 erschienen.    (dpa / picture alliance / Etienne Laurent)
Immer wieder George Orwells wurde 1949 erschienenes "1984" zum Bestseller - nach Donald Trumps Inauguration war es wieder einmal so weit. (dpa / picture alliance / Etienne Laurent)

Donald Trumps mitunter flexibler Umgang mit Fakten hat die Verkaufszahlen von "1984" in die Höhe schnellen lassen - auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste. Der Literaturwissenschaftler Heinz Ickstadt warnt jedoch vor voreiligen Parallelen zu Orwells Roman.

Wenn Donald Trumps Pressesprecher mit "alternativen Fakten" operieren, etwa was die Besucherzahlen bei seiner Inauguration angeht, dann ist das für manche ein Fall von "Neusprech". Also von künstlich geschaffenen Propagandabegriffen des "Ministeriums für Wahrheit" aus George Orwells "1984".

Der Literaturwissenschaftler Heinz Ickstadt warnt allerdings davor, hier vorschnell Parallelen zu ziehen. "Trump ist ein narzisstischer Autokrat, der die Fakten gern so zurechtbiegt, wie er sie haben will", sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Es ist nicht die systematische Sprachregelung, die Orwell vor Augen hatte, als er '1984' geschrieben hat. Mit Stalinismus und der Kollektiv-Gehirnwäsche vor Augen."

"1984" hat seit seinem Erscheinen Bestseller-Potenzial

Natürlich gebe es bei Trump einen Pressesprecher, der sage: manchmal können wir Fakten die Zustimmung verweigern, räumt Ickstadt ein. "Aber das ist halt nur ein Pressesprecher. Es gibt kein Ministerium der Wahrheit in diesem Sinne."

Heinz Ickstadt im Studio von Deutschlandradio Kultur (2017). (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)Heinz Ickstadt im Studio von Deutschlandradio Kultur (2017). (Deutschlandradio Kultur / Manuel Czauderna)

Ickstadt verweist ferner darauf, dass "1984" nicht erst, seit Trump Präsident ist, wieder zum Thema wurde. Vielmehr habe das Buch seit seinem Erscheinen "unterschwelliges Bestseller-Potenzial". Auch weil Orwell Fantasien die Wirklichkeit durchaus berührten: 

"Ob es nun die wachsende Überwachung zur Abwehr des Terrorismus ist oder die Sprachregelung, die natürlich auch in unserer Sprache vor sich geht. Ich denke nur an Sprüche wie 'Kollateralschaden'. Das sind alles Euphemismen, die die Absicht haben, entweder Dinge zu verdecken oder zu verschärfen."

Die Linke habe "1984" immer als negative Utopie des liberalen Establishment verstanden, sagte Ickstadt. "Grotesk oder auch amüsant ist, dass Trump in gewisser Hinsicht seine Verdrehung der Fakten auch als Anrennen gegen die Sprachregelungen des Establishment versteht. Es geht um die Gegenüberstellung von Kollektivmanipulation und Individualismus. Und Trump nimmt gegen alle Fakten den Anspruch des Individualismus für sich." (uko)

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