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Tonart | Beitrag vom 20.09.2017

"Don't Knock The Rock" von Chris NormanLass die Rockmusik ganz!

Von Martin Böttcher

Der Musiker Chris Norman steht am 24.08.2017 in Timmendorfer Strand während des ZDF-Sommer-Hit-Festivals auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Der Musiker Chris Norman am 24.08.2017 in Timmendorfer Strand während des ZDF-Sommer-Hit-Festivals (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)

Mit Songs wie "Midnight Lady" lieferte Chris Norman in den 80ern Hits. Der inzwischen 67-Jährige ist seit fast 50 Jahren Teil des Showbusiness, noch immer schreibt er unermüdlich Songs und gibt Konzerte. Jetzt erscheint ein neues Album.

"Ich bin es ja gewohnt, dass meine Musik gemocht oder auch nicht gemocht wird – das ist Teil des Spiels. Vor Jahren schrieb mal ein Journalist: Chris Normans neues Album hört sich genauso uninteressant an wie das davor, es wird Zeit, dass er in Rente geht. Und dann denkt man: Du Bastard, warum schreibst du so was? Das ist nicht schön!"

Chris Norman ist, um es mit einer angemessen betagten Floskel auszudrücken, ein alter Hase im Showbusiness. Im Oktober wird er 67, ihn wirft so schnell nichts aus der Bahn, übermäßig begeisterte Fans genauso wenig wie schlechte Kritiken. Und Kritik hat er viel einstecken müssen in seinem Leben. Auch wegen solcher Songs:

"Midnight Lady", geschrieben von Dieter Bohlen, gesungen von Chris Norman, als Tatort-Song 1986 ein großer Hit in Deutschland. Soft-Rock, wie ihn Chris Norman auch schon mit seiner Band Smokie fabriziert hatte. Songs, die die Älteren unter uns zumindest im Refrain mitsingen können. Songs, die bis heute dafür sorgen, dass Chris Norman ein viel beschäftigter Musiker ist. Seine Begeisterung für die Lieder von früher, für die vergangenen Zeiten aber hält sich in Grenzen.

"Ich will nicht immer nur die Smokie-Songs und die alten Hits spielen, auch wenn sie natürlich nach wie vor Spaß machen. Ich will auch auf die Bühne gehen und sagen können: Ich habe ein neues Album draußen. Und ein gewisser Teil meiner Fans erwartet das auch von mir. Ich mische also die alten und die neuen, für mich aufregenden Songs und das hält die Sache frisch für mich."

Malen, fernsehen, spazieren

Bald 50 Jahre ist Chris Norman Teil des Showbusiness. Mit sieben hält er die erste eigene Gitarre in der Hand, ein paar Jahre darauf trifft er an der Schule die zukünftigen Mitglieder von Smokie – nach einer Weile kommen die ersten Hits:

Später dann die Trennung von Smokie, Stumblin' In mit Suzi Quatro, Reunion mit Smokie, wieder Trennung, Solokarriere mit etlichen Alben und regelmäßigen Touren. Fünf Jahrzehnte lang nur Musik, Musik, Musik. Oder doch nicht? Was genau macht Chris Norman eigentlich, wenn er nicht im Studio oder auf der Bühne steht, sondern in seinem Zuhause auf der britischen Insel Isle of Man ist?

"Ich male gerne, nur so für mich. Ich liebe Filme, sehe viel fern. Ich wohne in einer tollen Gegend, wo man gut spazieren gehen kann. Und ich gehe ab und zu abends aus, zum Essen. Ganz normale Sachen also, wie sie jeder andere auch macht. Manchmal, nach einer anstrengenden Tour, bleibe ich auch den ganzen Tag im Bett. Das alles ist toll. Aber nur, weil ich weiß, da kommt auch wieder was anderes. Ohne die Bühne, ohne die Musik wäre das alles nichts."

Gerne weiter so!

"Don't Knock The Rock" heißt das neue Album von Chris Norman – eine augenzwinkernde Anspielung auf den gleichnamigen Rock'n'Roll-Film aus den 50ern. Zertrümmere nicht den Stein, könnte man das übersetzen. Oder auch: Lass die Rockmusik ganz! 14 Songs, die er selbst geschrieben hat. Nicht die besten Lieder der Welt, aber solide Stücke. Eins hört sich an wie George Harrisons "My Sweet Lord", in einem anderen klingt die Gitarre mehr als nur ein bisschen nach Dire Straits. Wenn Chris Norman nicht Chris Norman wäre, dann würde sich vermutlich niemand für diese Platte begeistern. Aus seiner Sicht verhält es sich allerdings genau andersherum:

"Wenn man älter wird, nehmen einen die Menschen nicht mehr richtig ernst. Also jetzt nicht die Fans, die stehen nach wie vor zu mir, aber die Radio- und Fernsehleute. Die brauchen entweder einen Aufhänger so in der Art von 'er hat seine Frau umgebracht' – oder wollen nur die gerade angesagten Bands. Für mich interessieren die sich nicht mehr. Chris Norman ist auf Tour? Der ist doch immer auf Tour! Er hat ein neues Album? Er hat doch immer ein neues Album! So läuft das."

Chris Norman – ein has-been? Einer, der das Gröbste hinter sich hat? Von dem nichts mehr zu erwarten ist? Wenn man das so ausdrückt, wird man dem 66-Jährigen nicht gerecht. Natürlich sieht er nicht mehr so aus wie zu seinen besten Smokie-Zeiten, selbst wenn er noch immer die gleiche Frisur trägt. Aber als Musiker und Entertainer hat Chris Norman überlebt. Er kann seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen, er schreibt unermüdlich Songs und gibt Konzerte, er hat nach wie vor Fans. Sein Plan für die nächsten Jahre: gerne weiter so!

"Ich rechne eigentlich nicht damit, noch einmal einen Hit zu haben. Aber vielleicht passiert's ja trotzdem! Nehmen wir nur mal Johnny Cash: Der war komplett weg vom Fenster, dann hat er den Produzenten Rick Rubin getroffen, sie haben zusammen mehrere Alben aufgenommen – und davon Millionen verkauft! Auf einmal redete alle Welt wieder von Johnny Cash. Wer weiß schon, was noch kommt?"

Tonart

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